Dienstag, 23. Oktober 2007

10.10.2007 - Finisterra oder "Pass bloß auf die Wellen auf!"

Da ich ja nur eine Nacht in der Herberge bleiben konnte, stand ich wie gewohnt früh mit allen anderen Pilgern auf. Ralph und die anderen von gestern abend, fuhren heute bereits wieder zurück nach Santiago. Um kurz nach 8 hieß es also Abschied nehmen. Nach einem kleinen Frühstück in einer Bar bezog ich dann zusammen mit Kurt ein Zimmer in einer kleinen Pension, welches wir uns gestern schon reserviert hatten. Unten im Erdgeschoss knüpften zweit alte Männer an Fischernetzen. Eine wahnsinnig fummelige Arbeit, die bei den beiden glaube ich viel leichter aussah, als sie in Wirklichkeit ist.
Kurt wollte dann zum Weststrand gehen, um dort zu schwimmen. Wir hatten gestern abend von anderen Pilgern vernommen, dass es an diesem Strandabschnitt besonders schön sein soll, und dass es auch dort die besten Wellen gibt ;) Er meinte noch, dass er etwas vorsichtiger sein wollte, da er in einem anderen Urlaub schon mal abgetrieben wurde und 1-2 Stunden im Meer gepaddelt ist.
Ich ging erst mal in die Stadt und schaute mir den Hafen und die Promenaden an. Anschließend ging ich mir etwas zu Essen kaufen, dass ich dann mit an den Strand nehmen wollte. Nach ca. 1.5 Stunden war ich dann wieder in der Pension um mir noch eine Jacke mitzunehmen und also ich die Tür zum Zimmer öffnete, sah ich, dass Kurt schon wieder da war. Er hatte überall Schürfwunden und er war gerade dabei diese zu desinfizieren. Und dann erzählte er mir, was passiert ist. Wie vorausgeahnt, wurde er von den Wellen, die aufs Land schlagen und wieder zurück ins Meer rollen, mitgerissen. Er hat es nicht geschafft, aus eigener Kraft an Land zu kommen. Daher entschied er sich parallel zum Strand zu schwimmen um einen Fels zu erreichen, der ins Meer hinein ragt. Er wurde dem Anschein nach von einer Welle nicht gerade sanft auf diesen Felsen "gesetzt". Aber auch von dort wurde er das erste mal wieder zurückgezogen. Erst nachdem er ein zweites mal auf den Stein prallte, konnte er sich festhalten. Er ist nach seiner Aussage dabei noch ganz gut weggekommen. Er hat sich ja auch zum Glück nicht ernsthaft dabei verletzt.
Ansehen wollte ich mir die Stelle aber auf jeden Fall mal, und so ging ich zum Essen Richtung Westen und erreichte etwa 20 Minuten später einen Feldweg. Ich konnte hier schon das Brausen der Brandung hören. Es war wirklich herlich. Am Strand, der wirklich ganz schön groß war, waren nur eine Hand voll Leute. Ich setzte mich einfach in den Sand, genoss das schöne Wetter und die Aussicht. Die Wellen waren wirklich ganz schön groß hier, kann mir schon gut vorstellen, wie es dem Kurt ergangen sein muss. Nach 2 Stunden ging ich noch einmal zurück in den Ort. Am Abend kam ich aber wieder zurück und schaute mir hier den Sonnenuntergang an. Es war wirklich herlich und ich blieb noch einige Zeit länger und war irgendwann ganz alleine dort. Es war mitlerweile stockdunkel. Man konnte im Schein der Sterne nur noch das Wasser sehen, wenn es sich in den brechenden Wellen kräuselte. Irgendwann machte ich mich wieder auf den Rückweg. Ich kam an einer Bar vorbei und sah dort Anja und noch zwei Bekannte sitzen. Ich ging noch kurz rein um mich zu verabschieden. Morgen früh gehts mit dem Bus wieder nach Santiago und dann ab nach Hause.

Donnerstag, 18. Oktober 2007

09.10.2007 - Finisterra oder "Schuhe aus, fertig!!!"

Da ich heute möglichst früh ankommen wollte, um den einen Tag in Finisterra besser ausnutzen zu können, begab ich mich bereits um 7:10 Uhr auf den Weg. Es war noch stockdunkel und ich konnte nur mit Hilfe meiner Taschenlampe so gerade die Wegmarkierungen erkennen. Nach einigen Kilometern kam ich an die Weggabelung an der ich mich entscheiden muss, ob ich nach Finisterra (im Mittelalter hielt man diesen Ort für das Ende der Welt. Viele Pilger sehen eigentlich hier das Ende des Caminos und nicht in Santiago.) oder nach Muxia möchte. Ich entschloss mich für Finisterra, und morgen wollte ich ja dann von dort aus weiter nach Muxia laufen. Es wurde jetzt etwas hügeliger und das Wetter schien gut zu werden. Die Blase, die ich mir gestern eingefangen hatte, merkte ich immer besonders dann, wenn es bergauf ging und ich mit dem Fuß hinten in den Schuh gerutscht bin.
Um 12 Uhr war es dann soweit - vor mir lag ein Hügel. Ich kam auf dem steinigen Weg langsam nach oben, und als ich über die Kuppe gucken konnte, sah ich das Meer! Nachdem ich durch das Gebirge der Pyrenäen, die Getreidewüste der Meseta und das grasgrüne Hügelland Galiziens gewandert bin, war meine Reise jetzt noch um eine Facette reicher. In Cee traf ich Ralph und Kurt wieder. Während Kurt bis Finisterra durchlaufen wollte, entschlossen Ralph und ich vorher noch eine Runde im Atlantik zu drehen. Wir hielten also Ausschau nach einer passenden Stelle und wurden auch schnell fündig. Das Wasser war saukalt, aber die Abkühlung tat sehr gut zwischendurch. Als ich so am Wasser saß und aufs offene Meer heraus blickte, wurde mir klar, dass ich morgen nicht mehr nach Muxia weiterlaufen sollte. Für mich war vom Gefühl her hier die Reise vorbei und ich fand, dass dieser Ort ein schöner Abschluss war. Ich hatte somit dann auch genug Zeit um etwas zu entspannen und die Gegend zu genießen. Um kurz vor 17 Uhr traf ich dann in der Herberge ein.
Hier zog ich dann für erst einmal unbestimmte Zeit meine Wanderschuhe aus. Mit meinem Entschluss morgen nicht mehr weiter zu laufen, würde ich die restlichen Tage in meinen Flip-Flops auskommen. So ganz war ich aber dennoch nicht am Ziel... Die letzten etwa 3 km galt es am Abend zurückzulegen. Denn da ging es hinauf auf das Cap, eine ins Meer ragende Klippe, anwelcher der 0,0km-Wegstein zu sehen ist. Von hier aus schaute ich mir einen herlichen Sonnenuntergang an, den ich so schnell nicht vergessen werde. Neben Ralph saßen auch noch vier weitere Pilger mit mir zusammen und blickten ins Weite. Frank (USA) scheiterte bei dem Versuch seine Jakobsmuschel ins Meer zu schmeißen. Sie landete etwa 20m unter uns an einem Felsvorsprung im Gras. Als es dunkel war kam dann schließlich noch mein Esbit zum Einsatz. In dem Feuerchen verabschiedete ich mich von einer meiner beiden Hosen, die deutlich von den letzten 890 Kilometern gezeichnet war. Auch die anderen legten einen Teil ihrer Kleidung dabei um so symbolisch die Reise zu beenden. Nun war es also vorbei!
Den kulinarischen Abschluss gab es dann im Ort, als wir uns an einer nicht gerade billigen, aber für den Preis auch erwartet gutschmeckenden Paella satt aßen.

08.10.2007 - Olveiroa oder "Das ist jetzt nicht wahr...!"

Um 8:10 Uhr startete ich die heutige Etappe zusammen mit Ralph. Nach zwei Stunden machten wir eine Pause für ein kleines Frühstück und trafen dabei Winfried. Wir gingen dann bis zum heutigen Zielort zusammen. Unterwegs hatten wir interessante Gespräche. Vor allemWinfried(62) hatte eine Menge Storys auf Lager. Für diese Jahreszeit war es hier immer noch unglaublich heiß. Dadurch war die 32km lange Strecke bis Olveiroa gegen Ende noch einmal so richtig zäh. Hinzu kam noch, dass ich heute doch tatsächlich nach 850km und nur einem Katzensprung vorm Ziel, meine erste schmerzhafte Blase bekommen habe! Was soll das denn??? Ich hatte das Komped etwas zu weiter oben an der Hacke aufgeklebt und prompt die Rechnung dafür bekommen.
Die Herberge bestand aus 3 kleinen einzelnen Gebäuden. Einziges Manko: Es wimmelte hier von Fliegen, und durch wohl zuvor verteiltes Gift, lagen unzählige von ihnen tot am Boden und auch in den Betten. Abends war ich dann zusammen mit Ralph und Kurt (aus Holland), den ich hier kennen lernte, in einer Bar. Und diese Bar kann ich jetzt echt mal empfehlen. Hier gibt es für fast schon zu niedrige Preise super Essen und natürlich auch Getränke. Ich bestellte mir einen kleinen Salat und eine kleine Tortillia de Patata und bekam so große Portionen, dass ich zunächst dachte, die hätten sich vertan. Als wir dann mit volem Bauch durch Speis UND Trank am Ende bezahlen wollten, staunten wir nicht schlecht über die Rechnung von gerade mal 19 Euro!
Morgen werde ich den Atlantik erreichen und freue mich schon wahnsinnig darauf.

Mittwoch, 17. Oktober 2007

07.10.2007 - Negreira oder "Fast nicht erkannt!"

Als ich um kurz nach 8 aufstand, schliefen die anderen beiden noch. Ich ging also leise aus dem Zimmer und machte mich im Flur fertig. Als ich aus dem Badezimmer kam, schlich mir eine sehr verschlafen aussehende Pilgering entgegen. Plötzlich hörte ich meinen Namen. Ich drehte mich um und erkannte da erst, dass es Kristin war. Sie hatte mir an dem Tag, an dem ich etwas krank war eine Schmerztablette gegeben. Das ist jetzt das erste Mal, dass ich sie wieder sehe, seid Burgos. Es war wirklich eine komisch lustige Situation wie wir da so auf dem Flur standen und es kaum glauben konnten.
Um 9 Uhr machte ich mich dann auf den Weg. Die Stadt war noch relativ leer. Unterwegs traf ich nur noch vereinzelt andere Pilger. Als ich nach 24 km in Negreira einlief, kam mir Winfried entgegen, der gerade in der Stadt etwas essen wollte. Ich ging dann erst mal in die Herberge, die etwas ausserhalb lag, um mir ein ett zu sichern. Später ging ich dann ebenfalls wieder in die Stad und saß mich in eine gut aussehende Pizzeria um mal wieder etwas anderes in den Magen zu bekommen. Ich hatte gerade aufgegessen, als Ralph plötzlich vor mir stand. Jetzt kenne ich also doch schon ein, die sich mit mir auf den Weg zum Meer machen. Als ich wieder in der Herberge ankam, sah ich, dass es auch Anja hierher verschlagen hatte. Da es zu wenig Betten gab, schliefen einige Pilger auf Matratzen, die auf dem Boden lagen. Am Abend kam die Herbergsmutter vorbei und machte einen riesen Terz, weil diese nicht nach ihren Vorstellungen angeordnet waren. Dies war ihr anscheinend so wichtig, dass sie sogar bereits schlafende Pilger wieder weckte, um sie umzuquatieren. Ein wenig übertrieben, wie ich finde!

06.10.2007 - Santiago de Compostella oder "5 Sterne ***** deluxe!"

Karin und Carina verließen um 7:30 Uhr die Pension. Sie flogen heute morgen wieder nach Hause. Ich verabschiedete mich noch von ihnen und lag mich dann noch mal ins Bett. Zum ersten mal seid einem Monat, dass ich noch nach halb 8 im Bett war, und das als Student - alle Achtung ;) Etwa zwei Stunden später stand ich auf und schaute mir aus dem Fenster ein paar Pilger auf dem Weg in das fast genau gegenüberliegende Pilgerbüro an, die gerade ihre Compostella abholen wollten. Und wen sah ich da - Anja und Sebastian. So, und jetzt wirds unheimlich! Genau in diesem Moment ging die Tür auf und Andreas stand im Zimmer. 2 Betten waren ja seid heute früh wieder frei und eines davon hat er bekommen. Vom Fenster aus rief ich Anja und Sebastian zu, ob sie noch ein Bett bräuchten. Keine zwei Minuten später war Anja oben. Sebastian brauchte keines mehr, da er heute Abend bereits zurück nach Kannada fliegen sollte. Jetzt belegte ich das Zimmer an meinem letzten Tag in Santiago also mit genau den beiden, die ich am ersten Tag in Saint-Jean als erstes kennengelernt habe. Völlig verrückt! Ich ging dann mit Andreas erst einmal einen Caffe trinken und anschließend in die Pilgermesse. Auch hier sah ich wieder viele Bekannte, u.a. Winfried, der ja in Karlsruhe gestartet ist. Er war gerade erst angekommen, und konnte ein paar Tränen nicht unterdrücken. Der Botafumeiro (ein rund 50kg schweres versilbertes Weihrauchfass, das an einem 30m langem Seil hängt) wurde leider nicht geschwengt. Als ich dann später durch die Stadt lief, traf ich auch Mike, Matthias und Edith wieder, die auch heute angekommen sind.
Die Stadt hier ist echt super. Unzählige Bars und Restaurants in den Straßen. In den Schaufenstern stehen Aquarien, in denen die noch lebenden Hummer schwimmen, die man dann später auf seinem Teller hat. Da heute Samstag ist, war es besonders voll. Um halb 10, am Abend wohlgemerkt, spielte auf einem kleinen Platz noch ein Puppenspieler vor nicht weniger als etwa 50 kleinen und erfreuten Kindern.

Jetzt aber noch mal einen Sprung zum Essen heute. Es gibt in Santiago das wahrscheinlich älteste Hotel der Welt. Es befindet sich direkt neben der Kathedrale und hat nicht weniger als 5 Sterne!!! Dieses Hotel hat sich vor langer Zeit dazu verpflichtet, 10 Pilgern am Tag ein Essen zu spendieren. Es werden die ersten 10 genommen, die zu einer bestimmten Uhrzeit an der Einfahrt zur Hotelgarage stehen. Andreas und ich wussten davon und wir haben es einfach mal ausprobiert und waren doch tatsächlich unter den Glücklichen. Um Punkt 19:00 Uhr holte uns ein Mitarbeiter des Hotels ab und führte uns durch mehrere Innenhöfe, vorbei an unheimlich nobel gekleideten Hotelgästen, die nicht schlecht guckten als sie uns sahen, direkt in die Küche. Hier servierte uns der Koch das Essen direkt auf die Teller, mit denen wir dann einen kleinen Speisesaal aufsuchten.

Habe am Abend dann nicht mehr viel gemacht, da ich morgen früh ja schon wieder bis ans "Ende der Welt" weiterlaufen möchte.

Dienstag, 16. Oktober 2007

05.10.2007 - Santiago de Compostella oder "Wars das jetzt?"

Um 8:15 Uhr machte ich mich erst einmal alleine auf den Weg der vorerst letzten Etappe. Vor genau einem Monat bin ich in Saint-Jean-Pied-de-Port losgelaufen und an diese ersten Tage musste ich heute viel denken. So viele Sachen, die man unterwegs erlebt hat, und die man unmöglich jemandem erklären kann, der selbiges noch nie gemacht hat. In einem kleinen Caffe am Weg traf ich Karin und Carina. Wir machten zusammen eine Frühstückspause und gingen anschließend zusammen weiter. Etwa 2 Stunden später erreichten wir den Monte Gozo, jenen Berg, von dem man den ersten Blick auf Santiago erhaschen kann. Jetzt war ich also in Sichtweite und mir wurde mal wieder bewusst, dass es bald vorbei sein würde. Wir brauchten noch etwa 2 weitere endloslange Stunden, bis wir die Kathedrale erreichten. Ich schaute sie mir erst einmal in Ruhe an. Seitlich vom Hauptaltar führte eine sehr schmale Treppe ein paar Stufen herab. Ich kam mit meinem Rucksack fast nicht durch. Unten angelangt stand ich dann vor dem Auslöser der Pilgerbewegung in diese Stadt - dem Grab des hl. Jakobus. Ein komisches Gefühl!
Wir gingen dann erst einm ins Pilgerbüro um den letzten Stempel und die Compostella abzuholen. Anschließend gönnten wir uns ein sündhaft teures Ankommensbier. Seit unserer Ankunft waren nun bestimmt schon 2 Stunden vergangen und wir machten uns jetzt auf zu der 3km entfernten Herberge. Auf halben Weg trafen wir Ralph, der uns mitteilte, dass er soeben den letzten Platz bekommen hatte - URGH :/ Von einer weiteren großen Herberge wussten wir, dass diese ab Oktober geschlossen ist. Also blieb uns nichts anderes übrig, als in ein Hotel oder in eine HPension zu gehen. Nach zweistündiger Suche, inklusive Telefonaten, bei denen uns immer nur mitgeteilt wurde, dass bereits ausgebucht ist, freundete ich mich langsam mit dem Gedanken an auf einer Bank im Park zu nächtigen. Dann trafen wir unsere Rettung - Jose. Wir kannten den Spanier seid kurzer Zeit und er besorgte uns einen Platz in einer Pension, in der auch er untergekommen ist, für nur 12€ die Nacht, und das genau neben der Kathedrale - unglaublich!!! Abends gingen wir vier dann zusammen in die Altstadt um etwas zu feiern und zu essen. Es war fast wie auf Annentag! Man geht durch die vollen Straßen und sieht an jeder Ecke ein bekanntes Gesicht, das man unterwegs kennengelernt hat. Alle sind am strahlen und guter Stimmung. Ich habe heute abend zum ersten mal Krake (Pulpo) gegessen, eine Spezialität hier in Galizien - gar nicht sooo übel. Ab halb 2 gabs dann in der Bar in der wir saßen keine Getränke mehr und so gingen wir dann alle in die Pension zurück.

Und so sieht jetzt mein Paln für die kommenden Tage aus: Da ich relativ früh in Santiago angekommen bin und noch 6 Tage Zeit habe, werde ich morgen noch einen Tag ausruhen und dann am Sonntag nach Finisterre gehen. Dafür brauche ich 3 Tage. Am Mittwoch gehe ich dann direkt weiter bis nach Muxia und am Donnerstag gehts zurrück in die Heimat.

04.10.2007 - Santa Irene oder "Punktlandung!"

Nach einem guten Frühstück brach ich um 8:20 Uhr alleine auf. Ich lief später sogar mal wieder ein kleines Stück mit Andreas zusammen, dem von der Hinfahrt. Kurz danach traf ich Karin und Carina . Zusammen liefen wir bis ins fast 34km entfernte Santa Irene und bekamen dort die letzten 3 Betten in der kirchlichen Herberge - es war da auch schon 16:15 Uhr. Hier bleibe ich also in meiner letzten Nacht vor Santiago. Habe heute unterwegs viel über das erlebte im letzten Monat nachgedacht - es waren schöne Gedanken. Daniel habe ich nicht mehr getroffen, aber er wollte wahrscheinlich auch morgen in Santiago ankommen. Mit Karin und Carina ging ich dann abends etwas essen, in die 1km entfernte Bar :/ wir mussten dafür echt zurück in den Nachbarort laufen, um etwas zu bekommen. Nach dieser 2km langen Extraschicht werde ich mich jetzt in den wohlverdienten Schlaf begeben. Ich bin schon wahnsinnig gespannt darauf, was mich morgen wohl erwarten wird!!!

03.10.2007 - Melide oder "Heute geht der Flieger!"

Um 8:20 Uhr verließ ich die Herberge und begab mich in einen nebeliegen Morgen. Die ersten 13km bis Palas del Rei passierte nicht viel, aber dann...! Ich näherte mich zwei sehr langsam gehenden Pilgern. Ein Mädel mit langen blonden Haaren, das ich nicht kannte, und jemand mit verdächtig großer Isomatte am Rucksack - es war Daniel! In Pamplona hatten wir uns das letzte mal gesehen, und jetzt trafen wir uns hier einfach irgendwo mitten im Wald. Er erzählte mir erst einmal ausführlich, was er in den letzten 4 Wochen so erlebt hat. Und es ist schon wahnsinnig aufregend zu erfahren, wie sich die Geschichten, mit dem selbst erlebten teilweise überschneiden, und man sich das ein oder andere Mal nur knapp verpasst hat. Er kennt Leute, die auch ich unterwegs kennengelernt habe. Das Mädel, mit dem er zusammen lief, kommt aus Israel, und da fiel mir wieder ein, dass ich vor ca. 2 Wochen von einem israelischen Pilger gefragt worden bin, ob ich einen Daniel kenne, der mit einer Landsfrau von ihm unterwegs sei. Jetzt weiß ich, dass er (Daniel) gemeint war...
Wir kamen an einen Getränkeautomaten und uns beiden war sofort klar - hier trinken wir was. Aber keiner von uns hatte Kleingeld dabei. Es kamen 2 Radpilger vorbei, die uns aber auch nichts wechseln konnten. Wir hatten uns schon damit abgefunden, vor dem Automaten zu verdursten, da hielt Daniel einen Bauern in seinem Trecker an, und der hatte doch tatsächlich ein paar Münzen für uns.
Um kurz nach 16 Uhr erreichten wir nach 29km Melide. Es war eine der übelsten Herbergen, die ich auf dem Weg gesehen hatte. Karin (40) und Carina (24), zwei Pilgerinnen, die ich gestern kennen gelernt hatte, wollten fast schon wieder ausziehen, so dreckig war es dort. Aber mir war es in diesem Moment egal. Abends ging ich mit Daniel und seiner Freundin noch in den Ort etwas Essen. Es war wirklich witzig mit den beiden. Ich schaute mir dann noch etwas Fussball in einer Bar an. Real spielte Championsleague gegen Rom, und da war der Laden natürlich voll.

Apropos "der Flieger geht": Hey Doro! Hoffe, dass du gut in den Staaten angekommen bist. Ich wünsche dir ganz aufregende und lehrreiche 6 Monate dort. Hoffe wir können trotz der Zeitverschiebung ganz bald mal quatschen!
Lg, dein Bruder Stephan

Mittwoch, 10. Oktober 2007

02.10.2007 - Hospital da Cruz oder "Glocke fuer die letzten 100!"

Nachdem ich bereits die letzten paar Tage nur noch ein bisschen aus der Tube quetschen konnte, ist der Hirschtalg fuer die Fuesse nun endgueltig alle. Ich werde jetzt aber fuer die restlichen Tage keinen neuen mehr kaufen und es so versuchen. Ausserdem habe ich seid dem Regen vor ein paar Tagen mit einem Schnupfen zu kaempfen, aber es geht schon. Heute ging ich erst um halb 9 los. Anja war zu dem Zeitpunkt noch in der Herberge und Sebastian war bereits losgegangen. Nach kurzer Zeit schloss ich zu ihm auf. Ich hatte heute vn Anfang an vor, mindestens 30 km zu laufen, da ich unbedingt am Freitag in Santiago ankommen moechte. Nach kurzer Zeit verlor ich Sebastian wieder aus den Augen. Ich passierte den Wegstein, der die letzten 100km bis nach Santiago einleutet. Ab diesem Punkt muss man zu Fuss auf dem Weg sein, um eine Compostella zu erhalten. Dies wird wohl einer der Gruende sein, weshalb ich heute und auch gestern schon viele neue Gesichter auf dem Camino erblickt habe. Es ist also wieder merkbar voller auf der Strecke und auch in den Herbergen. Die letzten 1-2 Stunden zogen sich heute noch mal ganz schoen hin. Um 16:30 Uhr kam ich dann endlich im 34km entfernten Hospital da Cruz an. Die Herberge mit etwa 30 Betten lag direkt an der Strasse, was aber nicht weiter schlimm war, da sich der Verkehr gegen Abend beruhigte. Ich setzte mich mit mehreren anderen Pilgern fuer den Rest des Tages in die 30m entfernte Bar um zu kloenen und zu essen. Von Anja und Sebastian habe ich keine Ahnung wo sie gelandet sind. Aber ich denke mal, dass ich beide spaetestens in Santiago wiedertreffen werde.

01.10.2007 - Sarria oder "Den kenn ich doch!"

In dem 4er-Zimmer indem ich heute schlief, war ich 7:20 Uhr sogar der erste, der es schaffte aus dem Bett zu kommen. Es regnete zwar noch nicht, aber der Himmel sah auch nicht gerade einladend aus. Nach etwa 15 Minuten Gehzeit hielt einige Meter vor mir ein Pilger um seine Jacke auszuziehen. Als ich auf gleicher Hoehe und im Begriff war ihn zu ueberholen, guckten wir uns an. Es war Sebastian aus Quebbec! Ich hatte ihn zuletzt in Logrono, also vor etwa 3 Wochen gesehen. Es war so toll jemanden nach so langer Zeit wieder zu treffen (und 3 Wochen auf dem Camino sind eine lange Zeit). Er erzaehlte mir, dass er die ganze Zeit ueber mit Anja1 zusammen gelaufen ist. Und es dauerte nicht lange, wir machten gerade Pause um einen Caffe con Leche zu trinken, da sah ich auch sie wieder. Ich glaube keiner von uns hat noch einmal damit gerechnet. Es ist das schoene am Camino. Man lernt viele Leute kennen, verliert sich wieder, und je nach dem, wie der Weg gelaunt ist, trifft man sich eventuel spaeter noch einmal wieder. In diedem Moment kam ich zu der Einsicht, dass der Jakobsweg zwar doch recht lang, aber dafuer verdammt schmal ist! Man laeuft wochenlang, nur ein paar Kilometer entfernt hintereinander her und schlaeft von Tag zu Tag vielleicht sogar im selben Ort ohne sich zu sehen, und dann steht man sich ploetzlich voellig unerwartet wieder gegenueber.
Zu dritt liefen wir weiter und beendeten heute schon nach 19km unsere Etappe in Sarria. Hier bereitete uns Sebastian eine typisch kanadische Kalorienbombe namens "Pouthine", bestehend aus Pommes, Kaese, Barbecuesousse und eben jeder Menge Kalorien - lecker, und hat obendrein nach Aussage des Kochs noch die Naehrstoffe von einem Pfund Butter! Auch Ralph war mal wieder in der gleichen Herberge wie ich, und so beginnen sich so langsam die Bekanntschaftskreise zu schliessen, und man merkt immer mehr, wie es dem Ende zugeht. Habe mir heute das erste Mal so richtig Gedanken darueber gemacht, wann ich in Santiago ankommen moechte und wie ich dann die restlichen Tage verbringe.

Sonntag, 7. Oktober 2007

30.09.2007 - Triacastela oder "Regen"

Schon als ich morgens um kurz nach 8 Uhr losging, sah der Himmel nicht besonders gut aus. Das Wetter Galiziens, dessen Grenzen ich heute ueberschreiten sollte, wurde seinem Ruf mehr als gerecht. Bevor es aber anfing zu regnen traf ich ploetzlich Ralph wieder, den ich jetzt schon eine Woche nicht mehr gesehen hatte. Zusammen erklommen wir den letzten hoeheren Berg nach O Cebreiro auf ueber 1300m, den wir bis Santiago noch vor uns hatten. Die Aussicht war trotz des Nebels sehr schoen. Man konnte die sich sehr weit ausbreitenden und heute wolkenverhangenen Waelder Galiziens sehen. Ab hier ging ich vorerst alleine weiter, da Ralph eine Pilgermesse auf dem Berg besuchen wollte. Als ich O Cebreiro verliess, verpasste ich den Abzweig fuer die Fusspilger und so lief ich etwa eine Stunde den Berg auf der Strasse herab, bis sich beide Wege wieder kreuzten. Kurz danach traf ich Mike, Matthias und Edith wieder und wir liefen zusammen weiter. Fuer alle, die auch den Pilgerfuehrer von Rother haben, wird es jetzt interessant... In einer Bar trafen wir den galizischen Bauern, der auf Seite 150 mit der weissen Kuh abgebildet ist! Kein Witz!
Nach etwa 21km fand ich, dass ich fuer heute genug hatte. Ich verbschiedete mich also von den dreien und suchte eine Herberge auf. Es handelte sich dabei um eine private und da ich sie etwas teuer fand, ging ich weiter um im naechsten Ort mein Glueck zu versuchen. Da wusste ich auch noch nicht, dass es bis zur naechsten Herberge noch 12km waren! Also landete ich dann schliesslich um 16:30 Uhr in Tracastela. Hier traf ich auch die drei wieder und wir verabredeten uns fuer heut abend zum Essen. Durch den vielen Regen und die lange Etappe war ich muede und traege, doch ein grossen Bierchen und das leckere Essen bereitete mir in einer lustigen Runde noch einen sehr schoenen abend.

Nachtrag: Jaja, der Newton hats gewusst! Als ich mich vor der Herberge auf einen Stuhl unter einen Apfelbaum sass, haette ich drauf kommen muessen. Ausgeloest durch einen Mitpilger, der sich durch seinen Hungerdrang getrieben an den Fruechten jener Pflanze zu schaffen machte, unter der ich sass, loeste sich ein nicht mindergrosser Apfel direkt ueber meinem Kopf. Der Rest unterliegt dem physikalischen Gesetzt der Schwerkraft - Volltreffer!

29.09.2007 - Vega de Valcarce oder "Brasil"

Um 8:15 Uhr ging ich heut morgen los und fuehlte mich wegen den beiden anstrengenden Etappen der letzten Tage etwas schlapp, ich legte daher ein sehr moderates Tempo an den Tag. Unterwegs lernte ich Edith, Maik und Matthias kennen. Die sind echt mal witzig drauf. Zwei Schwaben und eine Eidgenossin, brisante Mischung - aber gut! ch kam um viertel vor drei nach 24km in Vega de Valcarce an. Die anderen drei sind spaeter gestartet und liefen noch ein ganzes Stueck weiter, wie ich spaeter erfahren sollte. Ich schlafe heute in einer brasilianischen Herberge. Der Aufenthaltsraum sieht echt sehr einladend aus. Leider konnten das Schlaf- und das, ich nenn es mal Badezimmer, da nicht so ganz mithalten. Essen war ich abends dann in einem etwas weiter entfernten Restaurant, sehr lecker uebrigens, aber unendlich laut, da die Kinder des Hauses den Speisesaal als Spielplatz beanspruchten.

28.09.2007 - Cacabelos oder "Na dann noch etwas weiter!"

In der Nacht wurde es ganz schoen frisch und draussen tobte ein heftiger Sturm. Immerhin war ich hier noch auf weit ueber 1000m. Ich befuerchtete schon dies den ganze Tag ueber anhaelt, aber dem war gluecklicher weise nicht so. Aber eine dicke Ueberraschung berreitete hier allen Pilgern der Morgen. Es kam kein Wasser aus dem Hahn, also musste die Morgentoilette ausfallen. Am peinlichsten war das wohl fuer denjenigen, der als erstes aufs Klo musste - alles weitere spar ich mir an dieser Stelle.
Ich fruehstueckte kurz etwas in der Bar und ging dann um 8:15 Uhr los. Es ging ueber teilweise recht steile und steinige Pfade ins Tal den Berg hinab. Nach 3-4 Stunden erreichte ich Ponferada und machte eine ausgedenhte Mittagspause. Mit vollem Bauch ging es weiter, aber trotz der anstrengenden Etappe gestern lief es heute echt gut, und so merkte ich kaum, wie die Zeit bzw. die Kilometer vergingen. Na obwohl - eigentlich wollte ich dann schon so langsam aufhoeren fuer heute, uebersah aber in einem Ort die Herberge und lief dann noch einen weiter. Und so kam ich nach 34km um ca. 15:45 Uhr in Cacabelos an. Ich landete dort in einer sehr interessanten Herberge. Um die Kirche herum waren 2er-Kabinen aufgebaut worden. Man hatte schoen viel Platz. Beim duschen wurde es alerdings ganz schoen kuehl, da die Raeume nicht so wirklich nach draussen hin abgedichtet waren. Frage mcih, wie das dann wohl erst im Winter sein muss? Ich teilte mir die Kabine mit einem aelteren Herrn aus Frankreich. Abends ging ich nach einem zweistuendigen Nachmittagsschlaefchen in den Ort um einzukaufen. Ich traf Winfried und Mauric, trank in einer Bar noch etwas mit ihnen und zusammen gingen wir dann ein Pilgermenue essen. Ich erfuhr, dass das Wetter bald schlechter werden sollte...!

27.09.2007 - El Acebo oder "Das eiserne Kreuz"

In der Bar ass ich heut morgen ein leckeres Fruehstueck und brach anschliessend um kurz nach 8 Uhr auf. Es war von Anfang an eine herliche Etappe mit sehr schoenen Ausblicken. Landschaftlich die schoenste Etappe seid der am ersten Tag. Sie war auch vom Profil her ser aehnlich, da es endlich wieder ins Gebirge ging. Ich durchquerte total verlassene Bergdoerfer, die fast ausschliesslich aus Ruinen bestehen. Am fruehen Nachmittag erreichte ich dann das Crus del Ferro (das eiserne Kreuz). Hier ist es Sitte einen aus der Heimat mitgebrachten Stein abzulegen. Dadurch ist in den letzten Jahr(hundert)en ein beachtlicher Haufen entstanden. Leider wusste ich von diesem Brauch vorher nichts, und ich wollte auch nicht der Unsitte verfallen und einen kurz zuvor gefundenen Stein nehmen. Viele Pilger hinterlassen am Kreuz auch einen Ausruestungsgegenstand oder irgendetwas anderes, das sie von zu Hause mitgenommen haben. Daher wird dieser Ort auch nicht selten als "groesste Muellkippe" des Weges bezeichnet. Wenig spaeter kam ich dann endlich zum hoechsten Punkt des Caminos, auf 1532 m. Von da an war es auch nicht mehr weit bis zu meiner heutigen Herberge in El Acebo, die ich nach 31km um 15:40 Uhr erreichte. Die Herberge gehoert wieder zur einzigen Bar des Ortes. Daher konnte ich abends auch direkt dort ein Pilgermenue bestellen. Dabei sah ich nach langer Zeit auch Winfried und Mauric aus Belgien wieder, die ich schon vom zweiten Tag her kannte. Um kurz nach 22 Uhr fiel ich schliesslich tot muede in mein Bett.

26.09.2007 - Santa Catalina de Somoza oder "Ey ne oder?"

Als ich heute morgen um 8 Uhr losging war es noch ganz schoen kalt. Dies nehme ich aber gere in Kauf, denn von der Landschaft her war es heut endlich mal wieder eine geniale Etappe. Erinnerte mich stark an die ersten Tage. Man merkt, dass man sich einem Gebirge naehert, da es zunehmend huegeliger wird. Hinter einem dieser vielen Huegel bot sich mir ein besonderer Anblick - Astorga. Mitten in der Landschaft taucht ploetzlich diese Stadt auf, umringt von Feldern und Wiesen. Die Kathedrale sticht als hoechstes Gebaeude besonders heraus. Sie ueberragt alles in ihrem Umfeld, abgesehen von den Gipfeln des Kantabrischen-Gebirges. In Astorga machte ich eine laengere Pause um zu essen und mir zumindest von aussen die Kathedrale anzuschauen. Vom vielen Fotos schiessen war logischerweise auch bald meine Speicherkarte voll. Also nahm ich den Rucksack ab und wollte die Ersatzkarte aus dem roten Packbeutel nehmen, indem sich auch die Festplatte mit bereits 12 GB Bildern und Videos befindet. Also Rucksack auf und Wegproviant raus, Regenjacke raus, darunter muesste sie sein, da ich sie immer weit nach oben packe. Mmh, da ist sie nicht. Leichtes Kribbeln. Fleecejacke raus, shit kann mich grad nicht erinnern wie ich den Beutel heut morgen reingepackt habe. Schock. Hose raus. Blut gefriert. Koennte noch im Bett liegen geblieben sein. Hemd raus, Boxershort raus. Puh, ganz unten. Durchatmen. Karte wechseln, Sachen wieder rein, Fotos machen.
Nach diesem Muntermacher begab ich mich wieder auf den Weg. Nach insgesammt 27km erreichte ich um 14 Uhr Santa Catalina de Somoza. Ich landete in einer netten Herberge, die direkt an eine Bar angeschlossen war. Ich staerkte mich mit zwei kuehlen Getraenken und einem Bocadillo bevor ich mir kurz den Ort ansah. Am abend gabs dort auch ein Pilgermenue, dass ich zusammen mit zwei Schweizern, einem Franzosen und einer Niederlaenderin, zu mir nahm. Anschliessend ging ich frueh ins Bett, da ich sehr muede war.

25.09.2007 - Hospital de Orbigo oder "Links oder nicht links?"

Nach einer sehr ruhigen Nacht (seit dem Kauf der neuen Ohropax war glaube ich jede Nacht ruhig!) stand ich um 7 Uhr auf. Ich musste mich etwas sputen, da ich um halb 8 aus der Herberge sein musste. Daher ging ich erst mal ohne Fruehstueck los. Gleich zu Beginn musste ich mich zwischen 2 Wegvarianten entscheiden. Ich entschied mich fuer die zwar drei Kilometer laengere, aber durch eine schoenere Landschaft fuehrende Strecke. Die andere Variante haette an der Strasse entlang gefuehrt. Mit dem Fuss ging es etwas besser als gestern, obwohl jetzt der Spann auf jeder Seite etwas zieht. Jedenfalls kam ich wesentlcih besser vorran. Die Wege waren z.T. aber mal richtig fies. Damit will ich sagen, dass es Geroellwege waren, und jeder Stein unter den Fuessen ist im Moment einer zuviel. Um 14:30 Uhr kam ich im 29km entfernten Hospital de Orbigo an. Nach dem gestrigen Tag hatte ich nicht damit gerechnet heute so weit zu kommen. Nach der Ankunft habe ich mich est mal zwei Stunden aufs Ohr gehauen. Anschliessend machte ich dann noch ein paar Besorgungen im Ort. Am Abend goennte ich mir dann ein Pilgermenue und lernte dabei ein paar sehr nette Leute kennen, die allerdings alle doppelt bis dreifach so alt sind wie ich. Es war aber ein wirklich schoener abend und ich hoffe, dass der Tag morgen ebenso gut verlaeuft. ann beginnt naemlich der Aufstieg zum Dach des Caminos. Ich bin heute uebrigens zum wiederholten Male fuer einen Spanier bzw. einen Italiener gehalten worden ;) was so ein bisschen Sonne doch alles bewirken kann!

24.09.2007 - Virgen del Camino der "Autschi!"

Eine sehr ruhige und erholsame Nacht endete um 7 Uhr. Ich liess mir allerdings mit dem Aufstehen so viel Zeit, dass ich erst um 8:10 Uhr loskam. Die Strecke bis Leon war doch aeusserst unschoen, es ging lange an einer vielbefahrenden Strasse entlang. Leider ging es meinem linken Fuss auch nicht besonders heute. Der grosse Zeh schmerzte bei jedem Schritt. Das war vonden Fuessen her heute definitiv der bisher schlimmste Tag. Hoffe, dass das morgen wieder besser wird. In Leon wurde schlagartig die Wegbeschreibung schlechter. D.h., dass es nur sehr wenige Muscheln und gelbe Pfeile auf den Strassen gab. Hab mich dann auch gleich erst mal verrannt.
Natuerlich habe ich mir auch die beruehmte Kathedrale in Leon angeschaut. Das zog sich alles ganz schoen hin. Auch der Weg aus eon heraus war nicht so gut. Da es meinem Fuss noch kein Stueck besser ging, entschloss ich mich in der naechsten Herberge zu bleiben. Daher bin ich heute nur 15km bis nach Virgen del Camino gelaufen. De Herberge ist noch ziemlich neu und sehr gepflegt. Da es eine Kueche gab, kaufte ich mir im Ort ein paar Dinge fuer das Abendessen und verzichtete auf ein Pilgermenue. Eigentlich kann der Tag morgen nur besser werden.

Samstag, 6. Oktober 2007

23.09.2007 - Arcahueja oder "Wie, nur wir zwei?!?"

Das was ich fuer eine Fledermaus hielt, sollte sich dann doch als Vogel herausstellen. Dies kuemmerte aber niemanden. Auch am naechsten morgen war er noch da. Nach einem kleinen Fruehstueck verabschiedete ich mich von Adelinde und lief die ersten 3-4 Stunden mit Andreas. Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefuehl und spielte schon frueh mit dem Gedanken heute etwas weiter zu gehen. Nach 28km trennte ich mich von Andreas, der fuer heute Schluss machen wollte. Ich fuehlte mich aber noch fitt und ging weiter. Um 16 Uhr kam ich nach 8 Stunden und 37km in Arcahueja an. Es war eine neue Herberge, die nicht einmal in meinem Pilgerfuehrer aufgelistet war. Sie scheint noch so unbekannt zu sein, dass neben mir nur noch ein weiterer Pilger dort uebernachten sollte - David, einer der italienischen Koeche aus der ersten Woche. Seinem Fuss geht es gar nicht gut, er wird morgen wohl nur die 6 km bis Leon laufen und einen Arzt aufsuchen. Die Herberge ist super. Der Hospitalero ist gleichzeitig Wirt in der ansaessigen Bar. Er laesst uns die freie Wahl, wann wir morgen aufstehen sollen. Auch die Nachtruhe hat er bei nur 2 Pilgern nach hinten verschoben. Es gab ein gutes Essen, bei dem ich mich lange mit David unterhalten habe. Eigentlich wollten wir drei ncoh ein Spiel von Real Madrid anschauen, aber das wurde dann leider doch nicht uebertragen. Mal sehen, ob ich es morgen ausnutze, ausschlafen zu koennen - ich wollte doch eigentlich weit kommen und mir auch noch etwas von Leon anschauen. Ich werde da jetzt erst mal drueber schlafen.

22.09.2007 - Bercianos del Real Camino oder "Jeder weint einmal auf dem Camino"

Erstaunlich spaet standen heute die anderen Pilger in dem 12-Bettenraum auf, indem ich geschlafen hatte. Als ich aufwachte und auf die Uhr sah war es breits 7:30 Uhr. Da ich mir noch in der Herberge das Fruehstueck goennte, kam ich erst um 8:30 Uhr los. In Sahagun (nach 13 km) war fuer Christina die Reise zu Ende. Sie brach heute wieder Richtung Heimat auf. Echt schade, dass schon wieder eine komplette Gruppe zerbrochen ist. Alleine begab ich mich wieder auf den Weg...
Die Extreme liegen hier echt nah beieinander - ich habe Andreas wieder getroffen, den ich bereits aus dem Zug von der Hinfahrt her kannte. Er ist auch in der selben Herberge heute untergebracht wie ich. Er hatte am Donnerstag einen Hitzekollaps und wohl gleichzeitig auch einen Virus durch das Wasser erlitten - boese Mischung! Dadurch musste er einen Tag pausieren und so habe ich ihn wieder eingeholt. Unter den beiden Hospitaleros ist Adelinde aus Tirol. Sie hat mich sehr nett empfangen und gefragt, wie es mir geht. Abends hat sie dann mit einigen Mitpilgern (ich war auch dabei) das Abendessen vorbereitet, wie es in dieser Herberge so ueblich ist. Und als ich da so mithielf flossen auch bei mir die ersten Traenen auf meinem Camino - denn ich musste die Zwiebeln schneiden! Es hat echt Spass gemacht und ganz nebenbei war es wohl mit das beste Essen, dass ich bisher auf dem Weg hatte.
Wow, das ist jetzt grad mal live... Waehrend ich gerade diese Zeilen zu Papier bringe, fliegt ploetzlich eine Fledermaus ins Zimmer und dreht ein paar Runden. Na mal sehen, was das noch gibt?
So, jetzt noch mal kurz zum Essen: Vorher sollte sich jeder Pilger kurz mit Namen und Herkunftsland vorstellen. Wir sind hier knapp ueber 30 Pilger aus 11 Nationen - Camino international! Nach dem Essen stimmte ein Neuseelaender ein heimisches Lied an und hielt so eine Runde aus schon etwas aelteren Franzosen und Hollaendern bei Laune, die schon voher kraeftig am singen waren.
So. glaube die Fledermaus ist wieder draussen. Ich leg mich dann jetzt mal schlafen.

Montag, 1. Oktober 2007

21.09.2007 - Terradillos de los Templarios oder "Noch ein Stueck geradeaus!"

Schon um halb 8 musste man heute die Herberge verlassen haben. Keine Minute frueher machte ich mich also auf den Weg. Die heutige Etappe begann gleich (un)spektakulaer. 18 Kilometer durch Getreidefelder ohne einen Hauch von Zivilisation dazwischen, ausser einen Teil der Autobahn, die man sehen konnte. Darunter liefen 12km auf der Via Aquitana, einer noch immer existierenden alten Roemerstrasse. Da es fast nur geradeaus ging, konnte man quasi sehen, was einen die naechsten 3 Stunden erwartet. Es galt also genug Essen und Getraenke mitzunehmen, und auch den Besuch der Toilette sollte man vorher nicht vergessen haben, denn einen Baum oder Busch, hinter den man sich verstecken koennte, gab es einfach nicht. Das Wasser fuer unterwegs kaufte ich seit ca. 2 Tagen zu meinem Glueck im Geschaeft ein und nutzte nicht das aus den Brunnen. Denn wie ich bereits gestern erfuhr, muss damit irgendetwas nicht stimmen. Ein paar Leute die ich kenne, hatte es bereits erwischt und sie quaelten sich nun mit Uebelkeit herum. Schon um 13:30 Uhr kam ich mit Christina im 28km entfernten Terradillos de los Templarios an. Es war eine relativ neue Herberge mit einer wirklich ueberdurchscnittlich guten sanitaeren Einrichtung. Gegen abend war ich in de kleinen Ort auf der Suche nach einem Laden. Ich kam an einer anderen Herberge vorbei und traf dort David, einen der italienischen Koeche aus Puente la Reina. Seit langer Zeit mal wieder ein bekanntes Gesicht aus den ersten Tagen. Sonst passierte heute nicht mehr viel. In der Herberge gab es ein gutes Pilgermenue, danach ging ich frueh schlafen.

20.09.2007 - Carrion de los Condes oder "Die nerven die Fiecher"

Noch muede und mit maessiger Stimmung machte ich mich mit Christina auf die heutige nur 17km lange Etappe nach Carrion de los Condes - es sollte einer der bisher nervigsten werden. Andauernd einen Stein im Schuh, Muedigkeit, und unzaehlige kleine Fliegen, die das Laufen zur Qual machten. Am Ende war erledigter als nach einer 30km Etappe. Von Joachim habe ich heute nichts mehr gehoert, geschweige ihn gesehen. Ich denke mal, dass er echt schon abreisen musste. Ich kaufte mit heute neue Ohropax (Anmerkung der Redaktion: Ohoh, wenn das mal nicht wieder fuer Diskussionsstoff sorgt) und jede Menge Essen fuer den abend und fuer morgen frueh mit ein. Der grosse Hunger liess mir die in der Microwelle erwaermten Hackfleischbaellchen mit Erbsen und Moehren wie ein Festmahl vorkommen - obwohl es zugegebenermassen wie Hundefutter aussah.

Samstag, 29. September 2007

Kommentar

Hallo,

mein lieber man, als ich mich eben an den PC hier in der brasilianischen Herberge gesetzt habe dachte ich noch ein paar neue Tagesberichte zu schreiben. Schnell vorher Emails lesen...! Und da sah ich dann 22 Kommentare zu meinem Bericht ueber den schnarchenden Moenchen. So, nun zu meinem Standpunkt:

Sicherlich kann ich im Nachhinein sagen, dass ich mich bestimmt nicht sehr klug ausgedrueckt habe, und das meine Aussage mit dem Musikantenknochen bei einigen Lesern uebel aufgestossen ist. Das tut mir wirklich leid. Die, die mich kennen wissen aber, dass ich wirklich ein friedlebiger Zeitgenosse bin und in meinen Beitraegen auch versuche auf ironische Art und Weise meine Erfahrungen auf dem Weg zu vermitteln. Vielleicht haette man es gemerkt, wenn man auch die aelteren Beitraege gelesen haette. Aber nun gut. Kommen wir nun zum Tathergang: Der "Schlag" war nicht uebermaessig heftig, so wie es die Reaktion einiger Leser vermuten laesst. Da habe ich vielleicht ein wenig uebertrieben. Auch den Musikantenknochen habe ich dabei hoechstwahrscheinlich nicht getroffen. Und ausserdem weisen einem vor dem Schlafengehen viele Pilger sogar darauf hin, sie doch ruhig durch einen "Klapps" wecken zu sollen, falls sie wieder einmal zu laut schnarchen sollten. Ich danke allen, die weiterhin meinen Blog verfolgen und mich in ihren Kommentaren zwar kritisiert, aber dies in einem angemessenen Rahmen, haben. Alle anderen werden ja leider, und das meine ich wirklich so, diesen Kommentar nicht mehr lesen, da sie von meinem Blog jetzt Abstand nehmen.

Zu einigen Kommentaren kann ich folgende Antwort geben:
Ich werde den Beitrag natuerlich nicht loeschen.
Er hat anschliessend noch bis in den fruehen Morgen geschnarcht, und ich habe ihm nicht den Schaedel eingeschlagen.
Ich habe mir dirkelt am Folgetag neue Ohrenstoepsel gekauft.

Ach, noch etwas am Rande. Den Moenchen habe ich am darauffolgenden Tag unterwegs wiedergetroffen. Wir haben uns wie schon am Tag zuvor, und am Tag davor, so wie am Tag der Tat und noch einen Tag danach einen guten Weg und "buen camino" gewuenscht. Es war ein sehr netter Kerl der in diesen Tagen so etwa die gleichen Etappen gelaufen ist wie ich. Ich denke nicht, dass er mir im Nachhinein besonders boese war, und das rechne ich ihm wirklich hoch an.

Also, sorry nochmal und euch allen alles, alles Gute! Wuenscht euch euer

Stephan

Dienstag, 25. September 2007

19.09.2007 - Fromista oder "Immer schoen auf den Musikantenknochen"

Ich war sehr froh ueber die strikte Hausordnung, die in dieser Herberge herscht, denn vor 6:45 Uhr durfte niemand Licht anmachen oder aufstehen. Geweckt wurden dann schliesslich alle durch die ruhigen Klaenge gregoreanischer Gesaenge, die der Herbergsvater von CD abspielte, denn auch Handys oder Wecker waren hier verboten. Ich war der allerletzte Pilger, der um 8:00 Uhr das Refugium verliess. Es ging direkt ueber den Alto de Mostilares. Beim Aufstieg konnte man einen herlichen Sonnenaufgang beobachten. Das schoene war, dass man beim Abstieg auf der anderen Seite des Berges den Sonnenaufgang ein zweites mal erleben durfte. Unterwegs erfuhr ich von Joachim, dass er noch gestern abend per Mail erfuhr, dass er wahscheinlich frueher als geplant wieder auf See muss. Natuerlich war er darueber nicht sonderlich begeistert.Um 14:00 Uhr erreichte ich das 26km entfernte Fromista. Auch Christina und Joachim sind wieder in der gleichen Herberge wie ich. Das Abendessen war heut zwar kalt, aber auch die Brotzeit mit Oliven, Mais und Wurst war sehr lecker. Ich schlief heute oben in einem Hochbett. Unter mir hate sich ein Moench in Kutte niedergelassen. Das Schnarchen wird er wohl im Kloster gelernt haben. Jedenfalls hielt ich es irgendwann nicht mehr aus und verpasste ihm mit meiner Taschenlampe einen nicht mehr ganz gemaessigten und gezielten Schlag auf den Ellebogen. Er blickte mich an nach dem Motte: "Dafuer wirst du in der Hoelle schmoren!" - aber ich glaube, das wars Wert.

Sonntag, 23. September 2007

18.09.2007 - Castrojeriz oder "Und noch ein Stueck!"

Um 8:15 Uhr machte ich mich mit Christina auf den Weg. Wir waren sehr schnell unterwegs. Zwischendurch trafen wir auch Joachim und Siggi, die ich nun wohl wirklich nicht mehr sehen werde, weil ihre Pilgerreise bald schon zu Ende ist. Insgesamt lief ich heute 32 km bis Castrojeriz. Am Stadtrand, als wir dachten jetzt bald endlich da zu sein, stand ein Schild mit dem Hinweis: "Noch 1.4km zur naechsten Herberge". Das hoert sich zwar jetzt nicht viel an - dennoch waren dies mindestens 20 hoechst demotivierende Extraminuten. Bei der Herberge angekommen, mussten wir feststellen, dass diese bereits voll ist. Na toll!!! Zum Glueck war die naechste nicht sehr weit. Der normale Tagesablauf wurde nun vortgesezt.Duschen - Waesche waschen - etwas ausruhen - die noetigen Einkaeufe - und sich ueberlegen, was man heut abend essen moechte. Ich machte mich also auf die Suche nach einem Restaurant mit Pilgermenue und wurde schnell fuendig. Das Essen slebst war ganz OK, aber die Freundlichkeit einiger Bediehnungen in Spanien laesst z.T. doch sehr zu Wuenschen uebrig. Aber ich glaube, dass ist hier normal und es kuemmert eigentlich auch niemanden. Immerhin hatte ich, da ich alleine am Tisch sass, eine Schuessel mit Brot und eine Flasche Wein fuer mich ganz allein ;) Als ich aufgegessen hatte kam Joachim ins Lokal und setzte sich zu mir. Wir unterhielten uns ueber einige seiner Seemannsgeschichten, er faehrt naemlcih zur See, und leerten daben dne guten Rioja.

17.09.2007 - Tardajos oder "Machs gut!"

Ohne Druck eines Herbergsvaters im Nacken blieb ich bis halb 8 im Bett liegen. Mit Michael und Christina machte ich mich schliesslich auf den Weg. Nach 100m machten wir in der Bar von gestern abend einen Fruehstuecksstopp und begannen dann erst spaet um 8:40 Uhr mit der heutigen Etappe. Kurz vor Burgos sahen wir das Unheil bereits auf uns zukommen. Eine schwarze Wolkenwand naeherte sich uns schnell. Es fing schon leicht an zu regnen - zum Glueck erreichten wir am Stadtrand ein Hotel, wo wir uns unterstellen konnten, als es richtig anfing zu schuetten. Wir warteten etwas ab und liessen das Gewitter vorbeiziehen. Nach fast einer Stunde Zwangspause gingen wir bei leichtem Nieselregen wieder weiter. Das Wetter klarte aber schnell auf und die Sonnen kam raus. Vor der riesigen Kathedrale in Burgos machten wir einen kurzen Halt. Ploetzlich sah ich Kristin wieder. Sie war eine Etappe mit dem Bus gefahren und hatte mich so wieder eingeholt.
Es hiess nun Abschied nehmen, denn Michael wuerde ich definitiv nicht wiedersehen. Er machte heute einen 200km Sprung mit der Bahn bis Leon. Er hatte sich beim Planen etwas verkalkuliert, und wuerde es sonst nicht mehr bis Santiago schaffen. Also - adios Michael, meld dich mal! Ich hatte keine Lust in Burgos zu bleiben und ging noch ein paar Kilometer weiter. Durch die ganzen Pausen kam ich erst um ca. 16 Uhr im insgesammt 25km entfernten Tardajos an. Und da die Welt ja sooo klein ist, und der Camino noch viel kleiner, traf ich auch Siggi in der Herberge wieder. Das haette ich echt nicht gedacht, dass ich die noch einmal wieder sehen wuerde. Abends sass ich dann noch mit Christina, Siggi, Joachim, den ich auch schon seit 2 Tagen kenne und mit Benjamin (21) zusammen. Benjamin ist vor ca. 5 Monaten in Berlin losgegangen - krasse Sache!

16.09.2007 - Cardenuela oder "Vino, por favore!"

Das Fruehstueck viel heute sehr einfach aus - Thunfischsalat. Nachdem ich um 8 Uhr aufgebrochen war, erreichte ich nach 12 km Ortega. Dort traf ich auch Christina und Michael. Ich holte mir noch eine kleine Staerkung und zu dritt machten wir uns wieder auf den Weg. Bis Burgos waren es heute noch 42 km - etwass zu weit. Die letzte Herberge in Cardenuela lag allerdings noch 16 km vor Burgos und hatte nur 14 Betten. Also was tun? Bereits vorher eine Herberge suchen, dann aber nur knapp 18 km heute geschaft zu haben? Oder es bis Cardenuela versuchen und auf ein freies Bett hoffen? Wir riskierten es und hatten Glueck. Nachdem wir noch todesmutig eine Kuhherde durchquerten, die unseren Weg versperrte, war unsre 25 km Etappe um 14 Uhr beendet. Unterwegs kamen wir an einer riesigen aus Steinen aufgebauten Spirale vorbei. Natuerlich fuegte jeder von uns ein weiteres Stueck hinzu.
Die Herberge war eher klein und von einem Pilgermenue war weit und breit nichts zu sehen. Ich rechnete schon damit, mit leerem Magen und viel Hunger ins Bett gehen zu muessen. Eine Mitpilgerin fragte dann aber in einer Dorfbar und so trafen wir unsdort mit ein paar Lueten abends ein und liessen uns sehr gut bewirten. Wir nutzten es auch ein wenig aus, dass wir zu keiner bestimmten Uhrzeit wieder zurrueck sein mussten, und so erzaehlten wir viel und tranken Wein bis um halb 12. Es war ein sehr schoener und lustiger abend.

15.09.2007 - Villafranca Montes de Oca oder "Darf ich bitten?"

Um 7:45 Uhr ging es heute morgen los. Nach kurzer Zeit traf ich Michael und wir gingen um halb 11 erst einmal etwas Fruehstuecken. Irgendwann trennten wir uns, da er noch etwas einkaufen wollte, und so lief ich bis zur Ankunft um 14 Uhr in die 24 km entfernte Herberge alleine. Unterwegs fand ich ein Brillenetui injklusive Brille und Kugelschreiber. Da sich der Besitzer noch nicht auffindig machen liess, werde ich sie wohl in der Herberge lassen. Die ganze Gruppe von gestern ist hier auch wieder eingetroffen. Heute abend soll hier im Dorf eine Fiesta stattfinden - da bin ich aber mal gespannt. Ich sitze gerade in einer kleinen Bar. Sie muss gut sein, was ich an dem dreckigen Boden feststellen kann. In spanischen Bars wird der Muell einfach auf den Boden geschmissen. Auch Zigaretten, Aschenbecher gibt es meist erst gar nicht. Abends wird dann einmal durchgefegt. Und je mehr Leute diese Bar aufsuchen, desto schmutziger ist es halt. Natuerlich laeuft in irgendeiner Ecke auch ein Fehrnseher, oft mit Sport - heute ist es ein Film. Auch ein Spielautomat darf nicht fehlen.

Nachtrag: Als Abendessen kochte ich mir mit Michael ein paar Nudeln mit einer leckeren Sousse. Die Fiesta war dann doch etwas anderes, als ich mir vorgestellt hatte. Eine Tanzband bestehend aus 4 Opas spielte bis 12 Uhr nachts spanische Volklore und die Dorfaeltesten verwandelten den Dancefloar in einen Hexenkessel - und das genau unter meinem Schlafraum! Mit Ralph, Michael, Christina und Dominique (30), die ich dort kennen lernte, sass ich abends noch etwas vor der Herberge zusammen. Als ich im Bett lag hoerte ich ich mir noch einen Tango an - dann schlief ich ein.

14.09.2007 - Redicilla del Camino oder "Eine Spende bitte!"

Das war mit Sicherheit die ruhigste Nacht, die ich bisher auf meiner Reise hatte! Ich liess mir mit dem Aufstehen und dem Fruehstueck eine Menge Zeit und ging dann um 8:15 Uhr alleine los. Siggi und Kristin waren schon vor mir aufgebrochen. Es war heute zum ersten Mal etwas kaelter, und ich hatte den gesammten Weg ueber eine Jacke an. In der Herberge, in der ich um 14:30 Uhr ankam, musste man fuer Unterkunft und Abendessen eine Spende entrichten. Ich traf hier auch Michael wieder. Ausserdem lernte ich Johannes (21), Josef (22), Christina (20) und Ralph, der aus der Naehe von Warburg kommt, kennen. Wir standen abends nach dem Essen lange zusammen, und da sich direkt neben der Herberge eine Bar befand, liessen wir uns ein paar kalte Biere schmecken - aus 0.2 l Flaschen, wie niedlich. Was heute bereits unterwegs auffiel, und was die naechsten Tage immer deutlicher werden wird, ist, dass sich die Landschaft vom Weinanbau gepraegtem Rioja jetzt aendert zu den grossen Getreidefeldern der Meseta.

13.09.2007 - Azofra oder "Vergesst italienische Pasta!"

Die Zahnschmerzen erreichten am Morgen ihren Hoehepunkt, trotz bereits 3er Schmerztabletten. Als ich um 8 Uhr mit Siggi aufbrach spielte ich mit dem Gedanken heut nachmittag einen Zahnarzt aufzusuchen. Gluecklicherweise wurde es aber unterwegs immer besser. Mitlerweile lief auch Kristin mit uns mit. Als wir nach 17 km in Najere, unser eigentliches Etappenziel, ankamen, fuehlten wir uns aber so gut, dass wir noch ein paar Kilometer weitergehen wollten, zumal es auch noch nicht so spaet war. Nach insgesammt 23 km kamen wir schliesslich um kurz nach halb 3 in Azofra an. Ich habe heute unterwegs nach langer Zeit mal wieder eine richtige Wolke gesehen und sogar ein paar ganz kleine Troepfchen abbekommen. Die weitere Strecke hatte sich total gelohnt. Wir bekamen Platz in einer Herberge mit 2er-Zimmern!!! Ich wurde auf ein Zimmer gebracht, indem bereits ein Pilger war - Michael (30). Ich kannte ihn bereits vom ersten Tag an und wir waren uns unterwegs schon einige male begegnet. Abends machte Siggi eine wahnsinnig leckere Pasta mit Garnelen... Dem Geraesch nach wird draussen im Dorf grad ein Feuerwerk abgebrannt! Kann von hier aus aber nichts sehen. Naja, es ist kurz nach 10 und ich wollte eh jetzt pennen.

Mittwoch, 12. September 2007

12.09.2007 - Navarette oder "Es geht nicht mehr"

Hi! Sitze gerade mal wieder an einem Internet-PC. Bin heute nur 10 km weit gekommen, da es mir sehr schlecht ging. Es ist aber jetzt schon besser geworden. Einen ausfuerlicheren Bericht zu heute gibt es ein anderes mal. Leider gibt es wieder keine Bilder - das habe ich mir ehrlich gesagt einfacher vorgestellt. Ihr koennt aber beruhigt sein. Ich habe schon viele gemacht und spaetestens wenn ich wieder zu Hause bin koennt ihr sie sehen.

Jetzt habe ich gerade doch tatsaechlich noch einen Laden gefunden, indem ich ei paar Fotos hochladen konnte. Das hat fuer die paar Bilder jetzt eine Stunde gedauert, also seht es mir nach, dass es im Moment noch nicht so viele sind. Ich merke allerdings gerade, dass man sie nicht vergroessern kann, ist das bei euch auch so? Naja, wird schon gehen. Falls nicht, dann versucht mal diesen Link hier http://picasaweb.google.com/StephanBruegger/MeinJakobsweg2007?authkey=x2LsOYWkOy4 dann muesstet ihr sie etwas groesser sehen koennen.

So, jetzt aber der Tagesbericht...
Als ich heut morgen um 7 Uhr in aller Ruhe fruehstueckte und mich danach auf den Weg machte, schien noch alles in Ordnung zu sein. Allerdings bemerkte ich dann nach etwa einer Stunde, dass irgendetwas nicht stimmte. Nicht nur, dass meine Weisheitszaehne drueckten und meine Fuesse und Kniee wehtaten - ich fuehlte mich dazu noch richtig krank. Immer wieder musste ich kleine Pausen einlegen. Nach 13 km kam ich in Navarette an. Eigentlich wollte ich mich noch weitere 10 km nach Ventosa schleppen. Dort gab es allerdings nur eine kleine Herberge mit wenigen Betten, und die Wahrscheinlichkeit dort unterzukommen lief bei meinem heutigen Tempo gegen Null! Auf Gutzureden zweier Pilger (Kristin 31 und Siglinde 49) und nachdem ich eine Schmerztablette eingenommen hatte, entschied ich mich an Ort und Stelle zu bleiben um mich zu reholen. Ich landete in einer schoenen kleinen Herberge fuer nur 3 Euro. Ich ruhte mich so gut es ging aus. Da Alex noch ungefaehr eine Tagesetappe hinter mir liegt, Daniel am Feiern ist, Anja2 ein paar Tage ausfaellt und Anja1 heute sicherlich ein paar Kilometer weitergekommen ist als ich, ist unsere 5er-Gruppe vom Anfang fuers erste gesprengt.
Mit Siglinde und Kristin ging ich abends zusammen essen. Da beide aus der "Ehemaligen" stammen, kamen wir irgendwie auf das Thema Mauerfall und wie den jeder von uns so erlebt hat. Siggis Geschichte war echt der Knaller. Am Tag des Mauerfalls feierte sie in kleinem Kreis ihre bereits fertig geplante Flucht ueber die Tschecheslovakei, die am naechsten Abend ueber die Buehne gehen sollte. Dabei floss viel Alkohol- Fehrnseher und Radio blieben aber aus. Als sie am naechsten Tag ein letztes mal zur Arbeit ging - voellig verkatert - war sie noch voellig Ahnungslos, was am Abend zuvor passiert war. Erst gegen Mittag wurde ihr langsam klar, dass sie etwas verpasst hatte.
Die Kueche hatte uns aus irgendeinem Grund nach der Vorspeise vergessen und wir bemerkten kaum, wie die Zeit verging. Erst auf Nachfrage servierten sie uns die Hauptspeise. Wir mussten uns mit dem Essen beeilen, da das Refugium jetzt eigentlich schliessen sollte. Da kam auch schon der Herbergsvaterum die Ecke und faselte hektisch etwas auf spanisch, dass er jetzt schliessen wolle usw... Wir assen schnell auf und gingen.

11.09.2007 - Logrono oder "Ein Wiedersehen"

Heute ging es mal wieder etwas frueher los, so ca. um 7:15 Uhr. Gleich zu Beginn der Etappe war ich der Meinung heute doch nicht so lange zu laufen, um meinen linken Fuss zu schonen. Gestern Abend hatte ich noch einen SMS von den Sudbrocks (die Verwandten, die auf der Hochzeit meiner Cousinne kennengelernt habe) erhalten, dass sie sich jetzt auch zwischen Estella und Logrono befinden.
Nach wenigen Kilometern machte ich eine Freuhstueckspause. Ein wilder Hund, vor denen in Spanien oft gewarnt wird, naeherte sich mir vorsichtig. Er sah sehr abgemagert aus und machte keine Anstalten mir irgendetwas zu wollen. Also teilte ich mit ihm einen Teil meines Fruehstuecks und warf ihm etwas zu. Nur sehr zoegernd kam er naeher. Irgendwie ein wirklich schoener Moment.
Unterwegs lief es dann deutlich besser bei mir als zu Anfang, daher beschloss ich doch die 30 km bis Logrono zu gehen. In Viana (12 km vor Logrono) war ein grosses Volksfest. Die ganzen Strassen waren voller Menschen. Zielstrebig machte ich mich auf die letzten 2:30 Stunden fuer heute. Diese sollten sich in den weiten Feldern Riojas, wo ich mich seid heute befand, allerdings unendlich hinziehen. Hitzte - Sonne - kaum Schatten. Sehr erschoepft kam ich in Logrono an. Beide Anjas und Sebastian sind auch in meiner Herberge untergebracht. Anja2 ist heute die Etappe mit dem Bus gefahren und hat sich vom Arzt behandeln lassen. Sie wird ein paar Tage Pause einlegen muessen. Daniel (der Pilger aus Paderborn) soll in Viana beim Feiern gesichtet worden sein. Abends traf ich mich dann noch mit den Sudbrocks. Sie luden mich in ein gutes Restaurant zum Essen ein- Vielen Dank nochmal!!! Ein netter Abend bei guter Unterhaltung ist leider schon zu Ende.

10.09.2007 - Los Arcos oder "Wasser, oder darf es auch Wein sein?"

Heute morgen ging es um 7:45 Uhr los. Im Ort holte ich mir ein leckeres Fruehstueck bestehend aus Baguette, Wurst und Obst. Unterwegs machtet ich heute mehrere laengere Pausen. Ich kam gleich zu Beginn der Etappe an einer Stelle vorbei, die nach einem ganz gewoehnlichen Wasserbrunnen aussah, so wie sie es hier zu vielen gibt. Aus einem der beiden Haehne kam jedoch anstatt Wasser richtiger Wein heraus, der von einem ortsansaessigem Kloster gespendet wird. Selbstverstaendlich goennte ich mir einen Becher davon. Schade, dass diese Quelle nicht am Ende einer Etappe gelegen hat, dann waere ich bestimmt noch etwas laenger geblieben. Ausserdem durfte ich Zeuge werden, wie ein Auto zwischen Hundehuette und einem anderen Auto ausparkte. Da es ziemlich dicht zugeparkt war, wurde die Hundehuette kurzerhand beim Zuruecksetzen weggeschoben, inklusive Hund versteht sich, der hing naemlich noch an der Leine. Um 14:00 Uhr war meine 21 km Stecke fuer heuete beendet. Aufgrund der Hitze war ich trotz des langsamen Tempos ganz schoen fertig. Ich bin in einem 40 Betten Zimmer untergebracht. Mit Peter war ich heute abend Pasta essen - auf seine Kosaten, dass war echt sehr nett von ihm. Anschliessend haben wir uns das Ende der Pilgermesse angesehen. Er liess es sich auch nicht nehmen, ein Scheinchen im Klingelbeutel verschwinden zu lassen. Wenn der Fussmorgen haelt, habe ich knapp 30 km vor mir. Daher hoffe ich jetzt auf einen erholsame Nacht.

09.09.2007 - Estella oder "Maehhhh"

Ich hatte bereits ein ungutes Gefuehl, als ich jene Person in den Raum kommen sah. Sie war mir bereits beim Abendessen negativ aufgefallen. Ich will jetzt nicht jeden Tag so eine Schnarchgeschichte erzaehlen, aber der hat geboelkt wie ein Schaf. Ja, kein Witz, der hat wirklich "Maehhh" gemacht. Wie auch immer... Als ich um 6:40 Uhr aufwachte, war das Zimmer bereits fast leer, ich hatte davon gar nichts mitbekommen. Der Spann meines linken Fusses schmerzt wenn ich den Fuss anziehe. Ein paar Stellen habe ich abgetapet. Trotzdem musste ich nach ca. 1 Stunde bereits eine Pause machen. Peter lief vorbei und gab mir ein Blasenpflaster, das ich mir zur reinen Vorsichtsmassnahme an meine linke Hacke klebte. Ab da ging es dann einigermassen. Zu Peter schloss ich recht schnell wieder auf und wir liefen ein Stueck zusammen. Spaeter traf ich auch Anja1 wieder. Um 14:10 Uhr kamen wir in Estella an. Alleine ging ich in eine Herberge, die u.a. von geistig Behinderten Menschen geleitet wird. Hier gibt es etwa 30 Betten in einem grossen Raum. Eigentlich ganz nett hier. Die Stadt selbst ist super. In einem Fluss kuehlte ich meinen linken Fuss. Die Schmerzen am Spann stammen meiner Meinung nach von einer leichten Entzuendung der Sehne - also schohnen angesagt. So etwas kann sehr schnell sehr viel schlimmer werden. Da ich kein Restaurant mit Pilgermenue fand, ging ich in eine der vielen Bars. Ich ass ein Baguette und goennte mir ein kaltes Bier. Als ich zur Herberge wollte traf ich einen Pilger der auch auf der Suche nach einem Menue war. Ich schloss mich ihm an, denn so ganz satt war ich noch nicht. Wir fanden dann zufaellig doch noch ein kleines Restaurant nach unserer Vorstellung. Und wie der Zufall so wollte sassen dort bereits beide Anjas und Sebastian aus Quebbec (Kannada). Gut gesaettigt ging ich schliesslich ins Refugium und schreibe jetzt hier diese Zeilen. Ich bin total muede. Habe mir eben noch einen Verband mit entzuendungshemmender Salbe um den linken Fuss angelegt. Bin im Gesicht und an den Armen uebrigens schon knacke braun geworden. Seid 5 Tagen laufe ich bei Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad durch die Sonne, bei sehr wenig Schatten.

08.09.2007 - Puente la Reina oder "Pasta ala Italiano"

So gut hatte ich bisher noch nicht geschlafen. Es war endlich mal richtig ruhig auf unserem 5er-Zimmer (abends kam noch eine Maratze hinzu). Nur das Aufklatschen meines Pilgerfuehrers und meiner Taschenlampe nach dem Fall von meiner oberen Hochbetthaelfte hat mich kurz aufgeschreckt. Die Herbergsfuehrung war echt genial. Zunaechst wurden wir durch die Klaenge von Georgs (Herbergsvater) spanischem Dudelsack geweckt (OK, das war noch nicht so dolle), und anschliessend bewirteten sie uns am Freuhstueckstisch. Kann mir kaum vorstellen, dass ich auf dem restlichen Weg noch einmal solchen Luxus bekommen werde. Zum Abschied eines jeden Pilgers gab Georg noch einen zum Besten und gin mit Musik ein paar Meter neben her. Ich begann heute bewusst sehr langsam. Nach 2 Stundenmachte ich eine ausgiebige Pause fuer mein zweites Fruehstueck. Danach traf ich Peter aus Wien. Wir kannten uns bereits von den Tagen zuvor. Er besitzt 2 Gastronomien mitten in Wien und bezahlt jeden Tag ein heiden Geld um in guten Hotels oder Pensionen zu naechtigen. Das Tempo wurde jetzt etwas schneller und so kamen wir um 14:00 Uhr im 25 km entfernten Puente la Reina an. In der Herberge traf ich die beiden Anjas wieder. Alex ist uebrigens in Pamplona geblieben, um seine Fuesse auszukurieren.
Ich schaute mi die beruehmte Bruecke (Puente) an, nach der die Stadt benannt ist und kaufte mir bereits das Fruehstueck fuer morgen ein. Von Anja1 erfuhr ich, dass einige italienische Pilger heute eine Pasta zubereiten wollen, und da sagte ich natuerlich nicht nein (trotz Halbfinale letztes Jahr).

Sie schmeckte vorzueglich! Ich habe an den Fuessen ein paar Druckstellen die ich morgen abtapen werde. Ich hoffe, dass dies nicht nach hinten losgeht, da dies immer eine Gluecksache ist. Es ist jetzt kurz nach 22:00 Uhr und ich lege mich jetzt schlafen.

Freitag, 7. September 2007

07.09.2007 Pamplona oder "Mir faellt ein Stein vom Herzen"

Heute fuehlte ich mich von Anfang an sehr fitt und ich hatte ein gutes Tempo drauf. Nachdem ich um ca. halb 8 Uhr mit Anja1 und Alex losgegangen bin, kam ich bereits um 12:10 Uhr im etwa 20 km entfernten Pamplona an. Zu meinem Erstaunen war ich der erste, der an der fuer Pilger ausserst beliebten Herberge der Jakobusfreunde-Paderborn bin.


Der Herbergsvater war begeistert, als er erfuhr, dass ich auch aus Paderborn bin. Nachdem ich mich und meine Waesche gewaschen hatte, begab ich mich direkt in die Stadt um eine Bank zu finde. ALLE hatte zu. Also wagte ich, trotz allen Warnungen, meine Karte an einem Freitag Nachmittag in einen Automaten zu stecken. Falls jetzt die Karte eingezogen wueder, muesste ich bis Montag warten. Ich steckte sie also hinein, und... Trommelwirbel... ich bekam Geld! Juhu, ich war so froh. Beid er Deutschen Bank - natuerlich ;)
Alex ist etwas spaeter auch in der Casa-Paderborn eingetroffen. Anja haben wir verloren, aber sie wohl in der anderen Herberge untergekommen. Jetzt gerade sitze mal wieder in einem Internetcaffe, und ueberlege, ob ich morgen noch fuer einen Tag hier bleiben soll. Die Stadt ist echt klasse.

Zeit genug haette ich eigentlich. Ich werde mal ne Nacht drueber schlafen. Jetzt gleich gehe ich erst mal Essen, und morgen gibts bestimmt noch einen Nachtrag. Adios!

Ach noch was... Ein Bild konnte ich gerade hochladen, aber jetzt streikt der PC hier. Naja, ich hoffe, dass ich euch sehr bald adnn endlich mal ein paar schoene Fotos reinstellebn kann!

Nachtrag: Als ich aus dem Internetcaffe kam, waren die Strassen ploetzlich voller Leute. Nicht nur ein paar, sonder fast so wie auf Annetag - ein ganz normaler Freitag Abend in Spanien!

06.09.2007 - Zubiri oder "Halt endlich die Fr...."

Alter Vatter, so viele Schnarchnasen habe ich noch nie gleichzeitig gehoert. Vor allem einer von denen hat den Vogel abgeschossen. Das koennt ihr euch nicht vorstellen. Papa - du bist nichts dagegen ;) und der Typ lag auch noch genau hinter mir. Meine Ohropax haben sich unterm Kopfkissen versteckt, wenn der ausgeatmet hat.
Mit wenig schlaf ging es um kurz nach 7 Uhr wieder auf den Weg - alleine. Das Problem mit der Trinkblase habe ich immer noch, mal schauen, ob ich mir unterwegs eine neue kaufe. Unterwegs sieht man fast immer die gleichen Gesichter. Nach kurzer Zeit traf ich Alexander und Daniel wieder, sie waren etwas vor mir losgegangen. Wir gingen zusammen ins 6 km entfernte Aurizberri. Waehrend Daniel weiter ging, mussten Alex und ich noch eine halbe Stunde warten, bis ein kleines Geschaeft dort oeffnete. Dann kamen wir endlich zu unserem wohlverdienten Fruehstueck. Irgendwann verloren auch wir uns aus den Augen.


Die Gegend heute war weider voll super. Viele Waelder und zwei kleine Paesse quer durchrs Pyrenaeenvorland. Allerdings machte sich heute die schwere Etappe von gestern bemerkbar, die Fuesse taten stellenweise ganz schoen weh. So etwa 10 km vor dem Ziel traf ich die andern 4 wieder und wir gingen erst mal zusammen weiter.



Im Zielort (Zubiri) trennten wir uns dann. Daniel und Anja2 gingen noch ein paar Kilometer weiter. Anja1, Alex und ich fanden aber eine nette Herberge in der wir blieben. In einem Bergfluss kuehlten wir erst mal unsere gluehenden Fuesse ab. Denen geht es uebrigens noch verhaeltnismaessig gut. Am linken Knie machten sich die Steigungen bemerkbar, aber es geht schon. Zum Geldabheben gibt es in diesem 240 Seelendorf nur einen Automaten, und zu meinem Schreck kam nach meiner Orde zwar eine Quittung ueber 200 Euro, aber kein Geld heraus. Eine nette alte Mitpilgering mit spanisch Kenntnissen beruhigte mich aber, da auf der Quittung auch ein Abbruch bestaetigt wurde. Nur hatte ich jetzt kein Geld. Alex leihte mir freundlicherweise 20 Euro, von denen ich 10 gleich wieder in ein Pilgermenue investierte. Noch mehr Nudeln als gestern - eigntlich war ich da schon satt, aber dann kam erst der Hauptgang... diemal sogar mit Nachtisch. Ein anstrengender Tag geht langsam zu Ende und hoffentlich schlafe ich heute Nacht besser als gestern. Morgen gehts nach Pamplona.

05.09.2007 - Roncesvalles oder "Gleich bin ich da..."

Um 6:45 Uhr stand ich auf und machte mich fertig. Ich bemerkte, dass meine bereits gestern gefuellte Trinkblase nicht ganz dicht ist, also versuchte ich sie mit etwas Panzerband zu tapen. Um halb 8 ging es dann endlich los. Fast genau 8 Monate musste ich auf die ersten Schritte warten - aber die hatten es auch direkt in sich. Es ging auf den 1430 m hohen Col de Leopolder.

Die Morgenfrische wich schnell einem wunderbar sonnigen und wolkenlosem Tag. Am Anfang sah man noch jede Menge Pilger, aber das verlief sich mit der Zeit. Bei wirklich extremen Steigungen war es besser, sein eignes Tempo zu laufen. Nicht umsonst wird diese Etappe von vielen im Nachhinein als einer der, wenn nicht so gar die schwerste Etappe gesehen. ein Wasser konnte man sich unterwegs an Brunnen auffuellen. Das Gelaende war sehr farcetenreich.

Man hatte wunderbare Ausblicke. Gegen Ende wurde es dann meiner Meinung nach am anstrengensten, denn der Abstieg ueber Groell und Waldwege war nicht ohne. Erst spaeter erfuhr ich, dass es auch eine leichterer Alternativroute gibt - was solls. Kurz nach 15 Uhr kam ich schliesslich im 25 km entferneten Roncesvalles an. Ich bin in einer Klosterherberge mit ueber 100 Pilgern in EINEM Raum untergebracht - echt der Wahnsinn. Vor allem das Duschen eben (jeweil 2 Duschen fuer Jungs und Maedels)... Unterwegs habe ich eni paar ganz nette Leute getroofen ungefaehr in meinem Alter, mit denen ich gleich zusammen essen werde. Daniel (28), Alexander (26), Anja1 (22) und Anja2 (19). Daniel und Alexander kommen uebrigens auch aus der Naehe von Paderborn.

Nachtrag: Das Essen war echt lecker. Es gab als Vorspeise eine Pasta und als Hauptgericht Fisch mit Pommes. Dazu Broot, Wasser und Wein, und das alles fuer 8 Euro. Anschliessend sind wir in die Pilgermesse gegangen und haben uns den Pilgersegen abgeholt - na den werden wir bestimmt noch brauchen. Jetzt ist es kurz vor 22 Uhr und ich liege in meinem Bett indem ich gleich tief und fest einschlafen werde, denn morgen frueh um 6 Uhr geht hier das Licht an.

Mittwoch, 5. September 2007

04.09.2007 - Saint Jean Pied de Port oder "Oh man, so viele!"

Erst mal was vorweg. Falls sich an einem Tag noch etwas tut nachdem ich etwas gepostet habe, dann fuege ich das als Nachtrag an den entsprechenden Tag an.

Um 7:00 Uhr schellte der Wecker. Marcello wurde wach und ich konnte mich noch von ihm verabschieden. Da ich das Fruehstueck nicht mitnehmen konnte bekam ich ein kleines Fresspaket mit. Ich ging also gegen kurz vor 8 Uhr zum Termibus (Busbahnhof) und wartete dort auf meinen Bus nach Hendaya. Die Abfahrtsplaene dort waren echt mal fuer die Tonne, deshalb musste ich noch ein paar mal nachfragen, ob ich auch richtig bin. In Hendaya hilf mir ein etwas aelteres franzoesiches Ehepaar mit der Verbindung nach Bayonne...

so, die Zeit von dieser Internetmaschine laeuft gleich ab. Weiters gibt es sobald ich kann. Hoffentlich dann auch mal Fotos. Bis dann...

So weiter gehts...

Diese ging ueber Saint-Jean-de-Luz und Biarizze. Wenn ich mehr Zeit gehabt haette, waere ich dort, also in Biarizze, ausgestiegen fuer einen Zwischenhalt. Die Stadt dort ist wunderschoen und liegt direkt am Atlantik. Um 13:00 Uhr kam ich endlich in Bayonne an und besorgte mir ein Zugticket nach Sain-Jean-Pied-de-Port. Ich staerkte mich erst einmal in einer typisch franzoesischen Doenerbude. Einen Doenerteller mit Pommes und Salat bekommt man hier uebrigens komplett in das Donerbroot gematscht. Na gut, dass ich das jetzt weiss.
Am Bahnhof in Bayonne unterhielt ich mich noch mir einem franzoesischem Ehepaar, dass ihren Camino gerade beendet hat und auf der ueckreise war. Dort traf ich auch Andreas aus Mainz. Als wir um Zug waren kamen wir irgendwie auf das Thema studivz.de, und da viel mir ein, dass wir uns dort aus dem Forum einer Santiago-Gruppe her kennen. Im Zug bekam ich aber auch erst mal einen Schock, als ich sah, dass alle Abteile voller Pilger waren.

Nach der Ankunft um 16:20 Uhr marschierten alle direkt zum Pilgerbuero. Eine reisen Schlange hatte sich dort bereits gebildet, als ich ankam. Das hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt. Waehrend ich wartete lief ploetzlich Timo an mir vorbei. Er hatte fuer die Nacht bereits eine Unterkunft. Als ich endlich an der Reihe war, erfuhr ich, dass saemtliche Herbergen bereits voll sind. Daher wurden fuer mich und etwa 20 weitere Pilger, darunter auch Andreas, die Raeume eines alten Internats am Rande der Stadt aufgschlossen.

Hier schlafe ich also heute alleine in einem spartanisch eingerichtetem Doppelzimmer. Natuerlich bekam ich im Pilgerbuero auch meinen ersten Stempel von der Strecke aus. An Abend schaute ich mir noch die Stadt und die Zitadelle an. Anschliessend kaufte ich mir mein Abendessen und das Fruehstueck fuer morgen ein. Gerade eben habe ich ein moerdermaessig gutes Baguette gegessen. Die Sonne geht hier langsam unter und ich werde mich jetzt mal auf mein Zimmer begeben und mir die Strecke fuer morgen anschauen.

Nachtrag: Eben sind noch ein paar weitere Pilger hier einquatiert worden. Eine Pilgerin aus Sued-Korea hat ihr Tagebuch im Pilgerbuero liegen lassen. Morgen will sie versuchen es wieder zu bekommen. Es ist jetzt kurz vor 22:00 Uhr. Ich liege schon in meinem Schlafsack und werde jetzt gleich schlafen. Morgen frueh geht es endlich los. Habe jettzt so lange darauf gewartet

Montag, 3. September 2007

03.09.2007 - Bilbao

Hola! Ich sitze gerade in einem Internetcaffe in Bilbao. Habe es gerade eher zufaellig gefunden auf der Suche nach einem Laden wo ich Briefmarken kaufen kann. Aber alles schoen der Reihe nach. Die Tatstatur hat uebrigens keine Umlaute :/
Gester um kurz vor 18:00 Uhr ging es los. Ich fuhr mit meinen Schwestern Doro, Katha und ihrem Freund Sebo nach Ravensburg. Dank eines Geistesblitzes von Katharina bin ich sogar noch dazu gekommen an der Basilika in Weihngarten auszusteigen und das Richtungsschild nach Santiago zu fotografieren.

Gegen 01:00 Uhr lag ich schliesslich in der Falle. Um 5:00 Uhr heute morgen war dann die kurze Nacht fuer mich schon wieder vorbei. Doro brachtet mich zum Bahnhof, wo ich um kurz nach 06:00 Uhr nach Stuttgart fuhr. Dort traf ich Timo, der den Jakobsweg mit dem Fahrrad abfaehrt. Der Flieger dort hatte dann etwas verspaetung. Um 13:30 Uhr landete ich in Bilbao. Mit Timo machte ich mich erst mal auf den Weg zum zentralen Busbahnhof, um die Fahrt fuer morgen zu buchen. Timo fuhr bereits heute weiter nach San Sebastian, vielleicht treffe ich ihn morgen in St.-Jean-Pied-de-Pord wieder. Fuer mich ging es dann erst mal mit dem Bus zur Jugendherberge, in der ich heute Nacht schlafen werde. Bin dort auf einem 4er-Zimmer untergebracht.


Nachdem ich meine Sachen erst mal verstaut hatte bin ich gegen 18:00 Uhr wieder in die Stadt gegangen um mir mal ein wenig anzusehen. Ich hatte dann nach langer Suche auch endlich mal die Gelegenheit etwas zu essen. Hier hatte heut nachmittag noch alles zu. Sch... Siesta ;) So, ich frag jetzt mal die Tante hier ob ich ueber USB ein paar Bilder hochladen kann, falls ihr keine seht, hats wohl net geklappt - na Mist, da hat sie was gegen, aber die kommen nach - versprochen!!! Ich mache mich jetzt mal wieder auf den Weg zur Herberge, muss morgen schon gegen 07:00 Uhr aufstehen um den Bus zu bekommen. Also dann adios und bis bald.

Nachtrag: Das mit dem Besuch des Guggenheimmuseums ist gestern ja nichts mehr geworden, aber war schon OK, da ich ohnehin nicht so viel Zeit dafuer gehabt haette. Am abend habe ich dann noch meine 3 Mitbewohner kennengelernt. Dabei handelt es sich um Chawn aus Irland, der aber nie etwas sagt, Marcello aus Ulm, ein deutsch-italienischer Marrokaner mit serbischen Vorfahren, der schon 2 Kinder hat und so viel labern kann wie eine Duracell ;) Er ist aber voll in Ordnung. Der dritte ist Miguel, er kommt aus Barcelona. So wie ich das verstanden habe studiert er hier Journalistik und wohnt waerend seiner Examensarbeit hier. Gerade kam Chawn herein, und was soll ich sagen, wir haben uns voll gut unterhalten. Er hat mich auf den Jakobsweg angesprochen und ich habe ihm erzaehlt, wie ich darauf gekommen bin. Er meinte hinterher sogar, dass ich gut Englisch sprechen koennte - Frau Johannmezer wuerde sich im Grabe umdrehen.

Sonntag, 2. September 2007

02.09.2007 "Es geht los!"

Dies ist vorerst mein letzter Eintrag in diesem Blog. In ein paar Stunden geht es mit dem Auto nach Ravensburg und morgen früh sitze ich schon im Flieger nach Bilbao. Ich weiß noch nicht wann ich wieder die Gelegenheit bekomme etwas zu posten. Gestern abend auf der Hochzeit von meiner Cousine habe ich erfahren, dass ihre Tante mit dem Wohnmobil nach Santiago pilgern will, und zwar in dem selben Zeitraum wie ich. Wir haben erst einmal unsere Nummern ausgetauscht - vielleicht treffen wir uns dann mal unterwegs, falls es sich ergibt.

Also ich sage dann jetzt mal "Tschö", und hoffentlichen bis bald.

Freitag, 31. August 2007

31.08.2007 - "Es kann losgehen!"

Ich habe heute definitiv die letzten Anschaffungen gemacht. Dabei handelt es sich um eine kleine Frischhaltebox und noch einmal um kleine Mengen an Hygienemitteln. Den Rucksack habe ich jetzt auch endlich zuende gepackt. Habe noch einige Sachen wieder rausgeschmissen, weil das Mistfieh einfach nicht leichter werden wollte. Denke aber, dass ich jetzt einen ganz guten Kompromiss zwischen Gewicht und Nutzen gefunden habe. Das genaue Gewicht kann ich trotzdem nicht exakt bennen. Ich habe ja alle Sachen einzeln abgewogen und komme nach diesen Gewichten auf etwa 10,5 kg (ohne Wasser). Wenn ich den ganzen Rucksack aber komplett auf die Waage stelle wird 11,3 kg angezeigt. Naja, ich werde schon damit klarkommen und falls nicht, dann muss ich halt unterwegs noch was loswerden.
Und jetzt muss ich noch einen Gruss loswerden. Der Karsten hat nämlich heute Geburtstag. Also Kasimirowitsch - wünsche dir alles Gute für das nächste Lebensajahr. Hoffe man sieht sich heut abend noch im Legge!

Nachtrag: Heute abend habe ich noch von Corinnas Eltern und Geschwistern ein Kopftuch geschenkt bekommen. Vielen Dank noch mal dafür.

30.08.2007 - "Es war ja nicht so teuer!"

Heute wollte ich ausprobieren, ob sich das Zelt auch mit meinen Wanderstöcken anstatt der normalen Zeltstangen aufbauen lässt. Um die Antwort schon mal vorweg zu nehmen... - es geht! Dadurch spare ich wieder ca. 300 g ein. Mir ist beim Aufstellen allerdings aufgefallen, dass an den beiden Belüftungsöffnungen, an denen eigentlich ein Fliegennetz ungebetenen Gästen ein Eindringen in das Zelt verwährt, selbige überhaupt nicht richtig besfestigt waren. Ich konnte problemlos meine ganze Hand an den Seiten hindurchstecken. Also habe ich das ganze mit unmengen von kleinen Panzerbandstreifen abgedichtet. Das müsste so jetzt eigentlich halten.

Dienstag, 28. August 2007

28.08.2007 - Für alle Fälle...

...habe ich heute eine Auslandsreisekrankenversicherung abgeschlossen. Gegen Unfall war ich bereits vorher ganz gut abgesichert. Man weiß ja nie, was so alles passiert unterwegs - und falls wirklich mal was ist, wovon ich erst mal nicht ausgehe, dann hat man wenigstens nicht noch die Kosten zu tragen. TOI TOI TOI auf Holz geklopft.
Epo ist out - der Sportler von heute ist verantwortungsbewusst und dopt nur noch mit gesundheitlich unbedenklichen Substanzen, wie Magnesium ;) na jedenfalls habe ich mir auf Anraten mehrerer vertrauter Quellen ein paar Tabletten mit diesem Wirkstoff gekauft. Es ist vor allem sehr gut gegen Muskelkater und beugt Krämpfen vor. Allerdings braucht der Körper ein paar Tage um sich einen ausreichenden Speicher davon aufzubauen, daher habe ich direkt heute mit der Einnahme begonnen.

Freitag, 24. August 2007

23.08.2007 - "Brauche ich das wirklich alles?"

Heute war der Tag der Wahrheit! Ich habe meine Ausrüstung gewogen. Jedes Teil bin ich einzeln durchgegangen, habe es fotografiert und auf die Küchenwaage gelegt. Jetzt muss ich abwägen, was ich davon wirklich mitnehmen möchte. Ich bin jetzt schon bei ca. 14 kg! Es kommt also noch das runter was doch hier bleibt und das was ich am am Körper trage, also z.B. Schuhe usw... Beim Zelt werde ich auch noch genau überlegen ob ich es mitnehmen werde. Mein Schlafsack ist mit ca. 1,8 kg leider auch ein Schwergewicht. Dafür hält er auf jeden Fall warm und im Zelt wäre er nicht wegzudenken. Falls das Zelt allerdings hier bleibt, dann kann ich auch einen leichteren Schlafsack mitnehmen. Sämtliche Entscheidungen versuche ich am Wochenende zu treffen, so dass ich am Montag abend hoffentlich einen fertig gepackten Rucksack habe.
Noch 10 Tage - Spannung steigt!

22.08.2007 - "Film ab!" oder "Vielen Dank Herr Pfarrer"

Ich bin heute extra nach Höxter gefahren um einen wichtigen Ausrüstungsgegenstand zu kaufen. Lange Zeit hatte ich nach einem günstigen Angebot gesucht und schließlich gefunden. Es handelt sich dabei um ein Gerät, und um die Spannung zu erhöhen sei hier noch gesagt, dass dieses für einen Pilger eher unkonventionelle Gepäckstück zusätzliche 350 g auf die schon allzu volle Waage bringt, welches eine Festplatte enthält, auf die ich meine Speicherkarte aus der Kammera einfach hineinstecken und die Bilder übertragen kann. So habe ich jetzt 80 GB Platz für jede Menge Videos und Fotos.

Am frühen Nachmittag hatte ich dann ja den Termin bei Pfarrer Koch. Wir unterhielten uns über den Weg, auf dem er selbst auch schon ein paar Tage unterwegs war und natürlich bekam ich das Siegel der Gemeinde St. Michael Brakel in meinen Pilgerausweis. Zu meiner Überraschung schenkte er mir ein Buch über den Jakobsweg ("Das Geheimnis der Muschelbrüder" ISBN 978-3746216683).


Außerdem bekam ich von ihm ein seltsam aussehendes Kreuz als Anstecker. Nach meiner Rückkehr soll ich noch einmal bei ihm vorbei schauen und ihm von meinen Erfahrungen berichten. Außerdem hat er mir die Aufgabe gegeben nachzuschauen, an welcher Stelle in Santiago ich das Kreuz sehen kann, das er mir geschenkt hat.

Dienstag, 21. August 2007

21.08.2007 - "Bah, Wasser!"

Heute habe ich mich speziell gegen das nasse Element gestärkt. Und zwar in Form einer Rucksackregenhülle und einem wasserdichten Packbeutel, in den ich meine Wertsachen packen kann wenn ich duschen gehe. Die Wertsachen sollte man nämlich nie aus den Augen lassen. Außerdem habe ich für morgen einen Termin beim Pfarrer meiner Heimatpfarrerei abgemacht. Ich erhalte dann einen Stempel der Pfarrgemeinde Brakel in meinen Pilgerausweis.

15.08.2007 - Kleine Verbesserungen

Bei den Wanderungen am Bodensee kam natürlich auch die Trinkblase zum Einsatz. Dabei musste ich feststellen, dass der Trinkschlauch ganz schön kurz ist. Es war alleine fast unmöglich an ihn heranzukommen. Daher habe ich heute Klettverschluss gekauft. Diesen werde ich am Schlauch und am Schultergurt des Rucksacks befestigen. Der Schlauch kann dann nicht mehr so weit weg rutschen.

11.08.2007 - Weitere Anschaffungen

Damit ich in Spanien nicht ganz hilflos dastehe, habe ich mir heute ein Übersetzer zugelegt. Man kann ja nie wissen. Zumal dort die Einheimischen nicht besonders gut Englisch sprechen sollen - von mir mal ganz zu schweigen. Außerdem habe ich endlich eine im Bezug auf Preis-Leistung gute Treckinghose gefunden und mir gleich zwei davon gekauft.

02.08.2007 - Andenken

Ich habe heute ganz unverhofft eine Kette von Corinna geschenkt bekommen. Werde sie natürlich auf meiner Pilgerreise tragen. In genau einem Monat geht's los, langsam kribbelt's in den Füßen.

08.07.2007-15.07.2007 - Urlaub und 2 Testläufe

Eine Woche Urlaub am Bodensee ist leider schon wieder vorbei. Corinna und ich hatten wirklich jede Menge Spass. Am Sonntag ging es mit dem Zug von Paderborn nach Lindau. Von dort aus mussten wir noch etwa 5 km nach Lindau-Zech zu unserem Campingplatz wandern. Zwei Tage später liefen wir ca 25 km von dort aus Richtung Friedrichshafen, wo wir wieder zwei Tage blieben. Auf dem Weg dorthin sind wir zu meiner Überraschung sogar einige Kilometer auf dem Jakobsweg gelaufen. In Reutenen machten wir an einer Jakobus-Kapelle halt.

Am Donnerstag ging es dann noch einmal etwa 20 km Richtung Ravensburg-Weingarten. Auch hier ist an der Basilika der Weg nach Santiago de Compostella ausgewiesen. 2000 km sind es von hier aus bis dort hin.

Nachdem ich übrigens nach der Ankunft in Ravensburg meinen Rucksack gewogen habe, wurde mir einiges klar - 16,5 kg hatte ich die ganze Zeit mit mir rumgeschleppt! Das ist natürlich viel zu viel. Ich hatte es verpasst ihn zu Hause einmal zu wiegen. Für meinen Camino werde ich definitiv noch ein paar Kilos einsparen müssen. Die 10 kg Grenze wollte ich eigentlich nicht übersteigen.

05.07.2007 - Zusage der Jugendherberge

Nachdem ich gestern meine Kontodaten übersand habe, habe ich heute eine Zusage der Jugendherberge erhalten. Ich kann also definitiv die erste Nacht in Bilbao bleiben und habe genug Zeit mir die Stadt anzusehen. Ich war auch noch einmal in der Stadt und habe mir gute Wandersocken und eine Trinkblase gekauft. Die kann ich ja gleich nächste Woche am Bodensee schon ausprobieren.

04.07.2007 - Und schon wieder eingekauft

Heute waren es aber nur ein paar Hygieneartiel (Shampo, Zahnpasta, etc...) in kleinen Verpackungen.

Donnerstag, 9. August 2007

03.07.2007 Reiseapotheke + X

Da ich ja in ein paar Tagen mit Corinna für eine Woche an den Bodensee fahre, wo wir unter anderem zwei Tageswanderungen unternehmen wollen, habe ich heute schon mal eine kleine Reiseapotheke zusammengestellt so wie ich sie auch auf dem Jakobsweg mitnehmen werde. Darin enthalten ist natürlich auch der berühmt berüchtigte Hirschtalg für die Füße (Schutz vor Blasen), von dem man im Bezug zum Jakonbsweg immer wieder hört. Falls ich jetzt ein Zelt mit nach Spanien nehme, muss ich ja auch etwas haben, mit dem man abends zumindest mal eine Suppe heiß machen kann. Daher habe ich mich meiner Zeit bei der BW errinnert und mir einen Esbit-Kocher zugelegt. Das ich den noch mal gebrauchen könnte hätte ich mir auch nicht träumen lassen. Hinzu kamen noch eine Isoliertasche für eine Trinkblase, die man am Rucksack befestigen kann, sowie eine leichte Regenhose und zwei Spanngurte (kann man immer gut gebrauchen).

15.06.2007 Wanderführer

Um die Reise besser planen zu können und um unterwegs ein paar Anhaltspunkte zu haben, habe ich mir heute einen Wanderführer gekauft. Der "Spanische Jakobsweg" von Cordula Rabe (ISBN 978-3-7633-4330-0) wurde mir von mehreren Quellen empfolen.

Mittwoch, 1. August 2007

11.06.2007 - Ein Tag in Bilbao

Habe mich dazu entschlossen, noch einen Tag in Bilbao zu bleiben, und nicht nach der Landung noch nach Saint-Jean-Pied-de-Port zu reisen. Dies wäre um diese Uhrzeit zu umstädlich. Stattdessen werde ich das Guggenheim Museum besuchen und eine Nacht in einer Jugendherberge übernachten. Habe mit der Herberge bereits Kontakt aufgenommen und warte auf einen hoffentlich positiven Bescheid.

15.05.2007 - Weitere Anschaffung

Diesmal war es nur ein schön leichtes Microfaserhandtuch - meine Schultern werden es mir danken.

25.04.2007 - Reiseplanung steht

Ein weiterer Hochzeitstermin am 1. September von meiner Cousine Nora hat mir bei der Entscheidung geholfen, wann es denn nun endlich losgehen soll. Also habe ich nach günstigen Flügen in diesem Zeitraum gesucht und auch schließlich bei Germanwings einen Flug von Stuttgart nach Bilbao am 3. September gebucht. Ich werde dann einen Tag nach der Hochzeit mit meinen Schwestern nach Ravensburg fahren und am nächsten Morgen mit dem Zug nach Stuttgart.

18.04.2007 - "Ich habe eine Jakobsmuschel!"

Hatte heute ein treffen mit Frau de Castro von den Jakobusfreunden Paderborn. Ich habe ihr ein paar Fragen gestellt und sie konnte mir auch sehr gut weiterhelfen. Neben ein paar spanischen Vokalbelzetteln hat sie mir auch einen Pilgerpass gegeben. Und zu meiner großer Überraschung hat sie mir sogar eine Jakobsmuschel geschenkt. Ab heute bin ich offiziell Pilger!

16.04.2007 - Weitere Anschaffung

Ich habe heute zufällig beim Einkaufen im Lidl ein Zelt für nur 14 Euro (in Worten: vierzehn) gesehen und gleich mitgenommen. Es wiegt nur 1,2 kg bin mal gespannt, ob es wenigstens etwas stabil ist und zumindest einen leichten Schauer übersteht. Danach erst werde ich abwägen ob ich es auch mitnehme.

11.04.2007 - Filmausrüstung II

Ich war heute mit Corinna in Münster und habe mir noch eine 1 GB SD-Karte für meine Kammera gekauft. Brauche jetzt aber unbedingt noch so eine "Photobank" auf der man über 100 GB speichern kann...

02.04.2007 - "Also zurück komme ich schon mal"

Ich habe heute nach langem Suchen einen günstigen Rückflüg gefunden und auch schon gebucht. Am 11.Oktober muss ich in Santiago angekommen sein, denn dann geht es mit Air-Berlin von dort aus über Palma de Mallorca direkt nach Paderborn.

Dienstag, 24. Juli 2007

14.03.2007 - Filmausrüstung I

Da ich ja vorhabe unterwegs vermehrt kleine Filmchen zu drehen, habe ich mir heute erst mal ein Ministativ gekauft. Ich möchte ja schließlich auch mal aufs Bild.

16.02.2007 - Zwei Hochzeiten und eine Planänderung

Es hatte sich die letzten Wochen schon angedeutet... Aufgrund zweier Hochzeiten werde ich das ganze Vorhaben nach hinten verschieben müssen. Sehr gute Freunde von mir (Julia&Michael und Sonja&Karsten) haben sich nämlich in kurzen Abständen dazu entschieden Anfang Juni bzw. Mitte Juli das Ja-Wort zu geben. Da ich natürlich keines der, aller Voraussicht nach genialen, Feste verpassen möchte (Junggesellenabschiede inbegriffen) werde ich den geplanten Aufenthalt in der Schweiz ganz ausfallen lassen und meine Pilgerreise frühestens ab August starten.

An die Brautpaare: Ich freue mich echt für euch, meinen Segen habt ihr ;) Das wird mit Sicherheit ein ereignisreicher Sommer!

12.02.2007 - Winterschlussverkauf

Heute habe ich beim WSV erst mal zugeschlagen und mir eine günstige aber gute Regen- und Fleecejacke gekauft. Die werde ich unterwegs bestimmt gut gebrauchen können. Außerdem hatte ich bis jetzt auch noch keine vernünftige Taschenlampe.

Natürlich erkundige ich mich im Internet und lese besonders gerne In Pilgerforen was mich wohl alles erwarten wird. Eine Seite die mir besonders weiter hilft ist www.jakobus-info.de

Montag, 23. Juli 2007

05.01.2007 - "And Action!"

Bin heute auf die Idee gekommen so eine Art Videotagebuch zu führen. Werde also ab jetzt immer mal wieder mit meiner Kammera sprechen. Also dann - Klappe die Erste!

Stand der Dinge ist im Moment, dass ich vorhabe Anfang Mai zu meinen Großeltern in die Schweiz zu fahren um dort für ca 3-4 Monate zu bleiben. In dieser Zeit würde ich dann, wahrscheinlich ab Anfang Juni, meine Pilgerreise unternehmen.

04.01.2007 - Erste Anschaffung

Nachdem ich in den letzten Tagen schon viel im Internet nach Informationen über den Weg gesucht habe, habe ich mir heute das Buch "Pilgern auf dem Jakobsweg" von Dr. Raimund Joos bestellt (ISBN 978-3-86686-197-8).


Sonntag, 22. Juli 2007

01.01.2007 - Die Idee

Im Fernsehen sehe ich mir, noch ermattet vom Vorabend, eine Reportage über eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn an. Davon begeistert informiere ich mich gleich im Internet darüber, muss aber feststellen, dass so ein Vorhaben viel zu teuer ist. Zufällig stoße ich dabei auf einen Bericht über den Jakobsweg.

Freitag, 20. Juli 2007

Was ist eigentlich Pilgern?

Wer?

Pilgern kann jeder, von jung bis alt, der sich in der Lage fühlt die Strapazen einer Pilgerreise aufsich zu nehmen.

Wie?

Pilgern kann man zu Fuß, mit dem Fahrrad oder sogar mit dem Pferd. Für diejenigen, denen es aus z.B. gesundheitlichern Gründen nicht mehr möglich ist diese Pilgerformen zu nutzen, gibt es heutzutage auch Pilgerreisen mit dem Bus oder dem Auto.

Die Jakobsmuschel

Durch das Mitführen einer Jakobsmuschel, macht sich ein Pilger als solcher erkennbar. Meist führt man sie gut sichtbar am Rucksack mit sich. Außerdem dient sie auf der Route als Wegweiser nach Santiago de Compostella. Die Linien auf der Schale symbolisieren die verschiedenen Jakobswege. Sie laufen alle in einem Punkt am Ende zusammen. Dieser Punkt stellt das Ziel dar. Je nachdem wie die Muschel am Wegesrand ausgerichtet ist, lässt sich die Richtung nach Santiago de Compostella bestimmen.


Der Pilgerausweis (Credential)

Den Pilgerausweiss sollte man sich früh genug bei einer Jakobus gesellschaft anfordern. Man benötigt ihn auf dem Weg nach Santiago, um sich in den Herbergen als Pilger ausweisen zu können. Ein mal am Tag muss man sich den Pilgerausweis in einer Herberge, einem Kloster, einer Kirche oder in einem öffentlichen Amt abstempeln lassen. Dies dient zum Nachweis, dass man eine bestimmte Strecke zurrückgelegt hat um am Ende die Pilgerurkunde zu eralten.


Die Pilgerurkunde (Compostella)

Wenn man in Santiago de Compostella nachweisen kann, dass man die letzten 100 km zu Fuß oder die letzten 200 km mit dem Rad hinter sich gebracht hat, bekommt man die Compostella ausgestellt. Als Nachweis dienen die Stempel im Pilgerausweis.


Die Pilgerherberge

Die Pilgerherbergen sind entlang des Jakobsweges verteilt. Sie bieten den Pilgern die Möglichkeit für einen kleinen Unkostenbeitrag zu übernachten und etwas zu essen. Sie sind aber auch ein Ort der Begegnung zwischen Pilgern aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt. Herbergen sind oft in recht schönen renovierten, historischen Gebäuden untergebracht. Sie bieten je nach Größe zwischen 4 und 60 Schlafplätze. Meist handelt es sich um einfache Metallbetten; oft wird aber auch auf Matratzen auf dem Boden übernachtet. Wenn es sich nicht um eine reine Notunterkunft handelt, dann gibt es neben dem Schlafraum oft auch noch einen Gruppenwaschraum, einen Aufenthaltsraum, eine Küche und einen Raum zum Wäsche waschen.