Sonntag, 23. September 2007
18.09.2007 - Castrojeriz oder "Und noch ein Stueck!"
Um 8:15 Uhr machte ich mich mit Christina auf den Weg. Wir waren sehr schnell unterwegs. Zwischendurch trafen wir auch Joachim und Siggi, die ich nun wohl wirklich nicht mehr sehen werde, weil ihre Pilgerreise bald schon zu Ende ist. Insgesamt lief ich heute 32 km bis Castrojeriz. Am Stadtrand, als wir dachten jetzt bald endlich da zu sein, stand ein Schild mit dem Hinweis: "Noch 1.4km zur naechsten Herberge". Das hoert sich zwar jetzt nicht viel an - dennoch waren dies mindestens 20 hoechst demotivierende Extraminuten. Bei der Herberge angekommen, mussten wir feststellen, dass diese bereits voll ist. Na toll!!! Zum Glueck war die naechste nicht sehr weit. Der normale Tagesablauf wurde nun vortgesezt.Duschen - Waesche waschen - etwas ausruhen - die noetigen Einkaeufe - und sich ueberlegen, was man heut abend essen moechte. Ich machte mich also auf die Suche nach einem Restaurant mit Pilgermenue und wurde schnell fuendig. Das Essen slebst war ganz OK, aber die Freundlichkeit einiger Bediehnungen in Spanien laesst z.T. doch sehr zu Wuenschen uebrig. Aber ich glaube, dass ist hier normal und es kuemmert eigentlich auch niemanden. Immerhin hatte ich, da ich alleine am Tisch sass, eine Schuessel mit Brot und eine Flasche Wein fuer mich ganz allein ;) Als ich aufgegessen hatte kam Joachim ins Lokal und setzte sich zu mir. Wir unterhielten uns ueber einige seiner Seemannsgeschichten, er faehrt naemlcih zur See, und leerten daben dne guten Rioja.
17.09.2007 - Tardajos oder "Machs gut!"
Ohne Druck eines Herbergsvaters im Nacken blieb ich bis halb 8 im Bett liegen. Mit Michael und Christina machte ich mich schliesslich auf den Weg. Nach 100m machten wir in der Bar von gestern abend einen Fruehstuecksstopp und begannen dann erst spaet um 8:40 Uhr mit der heutigen Etappe. Kurz vor Burgos sahen wir das Unheil bereits auf uns zukommen. Eine schwarze Wolkenwand naeherte sich uns schnell. Es fing schon leicht an zu regnen - zum Glueck erreichten wir am Stadtrand ein Hotel, wo wir uns unterstellen konnten, als es richtig anfing zu schuetten. Wir warteten etwas ab und liessen das Gewitter vorbeiziehen. Nach fast einer Stunde Zwangspause gingen wir bei leichtem Nieselregen wieder weiter. Das Wetter klarte aber schnell auf und die Sonnen kam raus. Vor der riesigen Kathedrale in Burgos machten wir einen kurzen Halt. Ploetzlich sah ich Kristin wieder. Sie war eine Etappe mit dem Bus gefahren und hatte mich so wieder eingeholt.
Es hiess nun Abschied nehmen, denn Michael wuerde ich definitiv nicht wiedersehen. Er machte heute einen 200km Sprung mit der Bahn bis Leon. Er hatte sich beim Planen etwas verkalkuliert, und wuerde es sonst nicht mehr bis Santiago schaffen. Also - adios Michael, meld dich mal! Ich hatte keine Lust in Burgos zu bleiben und ging noch ein paar Kilometer weiter. Durch die ganzen Pausen kam ich erst um ca. 16 Uhr im insgesammt 25km entfernten Tardajos an. Und da die Welt ja sooo klein ist, und der Camino noch viel kleiner, traf ich auch Siggi in der Herberge wieder. Das haette ich echt nicht gedacht, dass ich die noch einmal wieder sehen wuerde. Abends sass ich dann noch mit Christina, Siggi, Joachim, den ich auch schon seit 2 Tagen kenne und mit Benjamin (21) zusammen. Benjamin ist vor ca. 5 Monaten in Berlin losgegangen - krasse Sache!
Es hiess nun Abschied nehmen, denn Michael wuerde ich definitiv nicht wiedersehen. Er machte heute einen 200km Sprung mit der Bahn bis Leon. Er hatte sich beim Planen etwas verkalkuliert, und wuerde es sonst nicht mehr bis Santiago schaffen. Also - adios Michael, meld dich mal! Ich hatte keine Lust in Burgos zu bleiben und ging noch ein paar Kilometer weiter. Durch die ganzen Pausen kam ich erst um ca. 16 Uhr im insgesammt 25km entfernten Tardajos an. Und da die Welt ja sooo klein ist, und der Camino noch viel kleiner, traf ich auch Siggi in der Herberge wieder. Das haette ich echt nicht gedacht, dass ich die noch einmal wieder sehen wuerde. Abends sass ich dann noch mit Christina, Siggi, Joachim, den ich auch schon seit 2 Tagen kenne und mit Benjamin (21) zusammen. Benjamin ist vor ca. 5 Monaten in Berlin losgegangen - krasse Sache!
16.09.2007 - Cardenuela oder "Vino, por favore!"
Das Fruehstueck viel heute sehr einfach aus - Thunfischsalat. Nachdem ich um 8 Uhr aufgebrochen war, erreichte ich nach 12 km Ortega. Dort traf ich auch Christina und Michael. Ich holte mir noch eine kleine Staerkung und zu dritt machten wir uns wieder auf den Weg. Bis Burgos waren es heute noch 42 km - etwass zu weit. Die letzte Herberge in Cardenuela lag allerdings noch 16 km vor Burgos und hatte nur 14 Betten. Also was tun? Bereits vorher eine Herberge suchen, dann aber nur knapp 18 km heute geschaft zu haben? Oder es bis Cardenuela versuchen und auf ein freies Bett hoffen? Wir riskierten es und hatten Glueck. Nachdem wir noch todesmutig eine Kuhherde durchquerten, die unseren Weg versperrte, war unsre 25 km Etappe um 14 Uhr beendet. Unterwegs kamen wir an einer riesigen aus Steinen aufgebauten Spirale vorbei. Natuerlich fuegte jeder von uns ein weiteres Stueck hinzu.
Die Herberge war eher klein und von einem Pilgermenue war weit und breit nichts zu sehen. Ich rechnete schon damit, mit leerem Magen und viel Hunger ins Bett gehen zu muessen. Eine Mitpilgerin fragte dann aber in einer Dorfbar und so trafen wir unsdort mit ein paar Lueten abends ein und liessen uns sehr gut bewirten. Wir nutzten es auch ein wenig aus, dass wir zu keiner bestimmten Uhrzeit wieder zurrueck sein mussten, und so erzaehlten wir viel und tranken Wein bis um halb 12. Es war ein sehr schoener und lustiger abend.
Die Herberge war eher klein und von einem Pilgermenue war weit und breit nichts zu sehen. Ich rechnete schon damit, mit leerem Magen und viel Hunger ins Bett gehen zu muessen. Eine Mitpilgerin fragte dann aber in einer Dorfbar und so trafen wir unsdort mit ein paar Lueten abends ein und liessen uns sehr gut bewirten. Wir nutzten es auch ein wenig aus, dass wir zu keiner bestimmten Uhrzeit wieder zurrueck sein mussten, und so erzaehlten wir viel und tranken Wein bis um halb 12. Es war ein sehr schoener und lustiger abend.
15.09.2007 - Villafranca Montes de Oca oder "Darf ich bitten?"
Um 7:45 Uhr ging es heute morgen los. Nach kurzer Zeit traf ich Michael und wir gingen um halb 11 erst einmal etwas Fruehstuecken. Irgendwann trennten wir uns, da er noch etwas einkaufen wollte, und so lief ich bis zur Ankunft um 14 Uhr in die 24 km entfernte Herberge alleine. Unterwegs fand ich ein Brillenetui injklusive Brille und Kugelschreiber. Da sich der Besitzer noch nicht auffindig machen liess, werde ich sie wohl in der Herberge lassen. Die ganze Gruppe von gestern ist hier auch wieder eingetroffen. Heute abend soll hier im Dorf eine Fiesta stattfinden - da bin ich aber mal gespannt. Ich sitze gerade in einer kleinen Bar. Sie muss gut sein, was ich an dem dreckigen Boden feststellen kann. In spanischen Bars wird der Muell einfach auf den Boden geschmissen. Auch Zigaretten, Aschenbecher gibt es meist erst gar nicht. Abends wird dann einmal durchgefegt. Und je mehr Leute diese Bar aufsuchen, desto schmutziger ist es halt. Natuerlich laeuft in irgendeiner Ecke auch ein Fehrnseher, oft mit Sport - heute ist es ein Film. Auch ein Spielautomat darf nicht fehlen.
Nachtrag: Als Abendessen kochte ich mir mit Michael ein paar Nudeln mit einer leckeren Sousse. Die Fiesta war dann doch etwas anderes, als ich mir vorgestellt hatte. Eine Tanzband bestehend aus 4 Opas spielte bis 12 Uhr nachts spanische Volklore und die Dorfaeltesten verwandelten den Dancefloar in einen Hexenkessel - und das genau unter meinem Schlafraum! Mit Ralph, Michael, Christina und Dominique (30), die ich dort kennen lernte, sass ich abends noch etwas vor der Herberge zusammen. Als ich im Bett lag hoerte ich ich mir noch einen Tango an - dann schlief ich ein.
Nachtrag: Als Abendessen kochte ich mir mit Michael ein paar Nudeln mit einer leckeren Sousse. Die Fiesta war dann doch etwas anderes, als ich mir vorgestellt hatte. Eine Tanzband bestehend aus 4 Opas spielte bis 12 Uhr nachts spanische Volklore und die Dorfaeltesten verwandelten den Dancefloar in einen Hexenkessel - und das genau unter meinem Schlafraum! Mit Ralph, Michael, Christina und Dominique (30), die ich dort kennen lernte, sass ich abends noch etwas vor der Herberge zusammen. Als ich im Bett lag hoerte ich ich mir noch einen Tango an - dann schlief ich ein.
14.09.2007 - Redicilla del Camino oder "Eine Spende bitte!"
Das war mit Sicherheit die ruhigste Nacht, die ich bisher auf meiner Reise hatte! Ich liess mir mit dem Aufstehen und dem Fruehstueck eine Menge Zeit und ging dann um 8:15 Uhr alleine los. Siggi und Kristin waren schon vor mir aufgebrochen. Es war heute zum ersten Mal etwas kaelter, und ich hatte den gesammten Weg ueber eine Jacke an. In der Herberge, in der ich um 14:30 Uhr ankam, musste man fuer Unterkunft und Abendessen eine Spende entrichten. Ich traf hier auch Michael wieder. Ausserdem lernte ich Johannes (21), Josef (22), Christina (20) und Ralph, der aus der Naehe von Warburg kommt, kennen. Wir standen abends nach dem Essen lange zusammen, und da sich direkt neben der Herberge eine Bar befand, liessen wir uns ein paar kalte Biere schmecken - aus 0.2 l Flaschen, wie niedlich. Was heute bereits unterwegs auffiel, und was die naechsten Tage immer deutlicher werden wird, ist, dass sich die Landschaft vom Weinanbau gepraegtem Rioja jetzt aendert zu den grossen Getreidefeldern der Meseta.
13.09.2007 - Azofra oder "Vergesst italienische Pasta!"
Die Zahnschmerzen erreichten am Morgen ihren Hoehepunkt, trotz bereits 3er Schmerztabletten. Als ich um 8 Uhr mit Siggi aufbrach spielte ich mit dem Gedanken heut nachmittag einen Zahnarzt aufzusuchen. Gluecklicherweise wurde es aber unterwegs immer besser. Mitlerweile lief auch Kristin mit uns mit. Als wir nach 17 km in Najere, unser eigentliches Etappenziel, ankamen, fuehlten wir uns aber so gut, dass wir noch ein paar Kilometer weitergehen wollten, zumal es auch noch nicht so spaet war. Nach insgesammt 23 km kamen wir schliesslich um kurz nach halb 3 in Azofra an. Ich habe heute unterwegs nach langer Zeit mal wieder eine richtige Wolke gesehen und sogar ein paar ganz kleine Troepfchen abbekommen. Die weitere Strecke hatte sich total gelohnt. Wir bekamen Platz in einer Herberge mit 2er-Zimmern!!! Ich wurde auf ein Zimmer gebracht, indem bereits ein Pilger war - Michael (30). Ich kannte ihn bereits vom ersten Tag an und wir waren uns unterwegs schon einige male begegnet. Abends machte Siggi eine wahnsinnig leckere Pasta mit Garnelen... Dem Geraesch nach wird draussen im Dorf grad ein Feuerwerk abgebrannt! Kann von hier aus aber nichts sehen. Naja, es ist kurz nach 10 und ich wollte eh jetzt pennen.
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