Mittwoch, 12. September 2007

12.09.2007 - Navarette oder "Es geht nicht mehr"

Hi! Sitze gerade mal wieder an einem Internet-PC. Bin heute nur 10 km weit gekommen, da es mir sehr schlecht ging. Es ist aber jetzt schon besser geworden. Einen ausfuerlicheren Bericht zu heute gibt es ein anderes mal. Leider gibt es wieder keine Bilder - das habe ich mir ehrlich gesagt einfacher vorgestellt. Ihr koennt aber beruhigt sein. Ich habe schon viele gemacht und spaetestens wenn ich wieder zu Hause bin koennt ihr sie sehen.

Jetzt habe ich gerade doch tatsaechlich noch einen Laden gefunden, indem ich ei paar Fotos hochladen konnte. Das hat fuer die paar Bilder jetzt eine Stunde gedauert, also seht es mir nach, dass es im Moment noch nicht so viele sind. Ich merke allerdings gerade, dass man sie nicht vergroessern kann, ist das bei euch auch so? Naja, wird schon gehen. Falls nicht, dann versucht mal diesen Link hier http://picasaweb.google.com/StephanBruegger/MeinJakobsweg2007?authkey=x2LsOYWkOy4 dann muesstet ihr sie etwas groesser sehen koennen.

So, jetzt aber der Tagesbericht...
Als ich heut morgen um 7 Uhr in aller Ruhe fruehstueckte und mich danach auf den Weg machte, schien noch alles in Ordnung zu sein. Allerdings bemerkte ich dann nach etwa einer Stunde, dass irgendetwas nicht stimmte. Nicht nur, dass meine Weisheitszaehne drueckten und meine Fuesse und Kniee wehtaten - ich fuehlte mich dazu noch richtig krank. Immer wieder musste ich kleine Pausen einlegen. Nach 13 km kam ich in Navarette an. Eigentlich wollte ich mich noch weitere 10 km nach Ventosa schleppen. Dort gab es allerdings nur eine kleine Herberge mit wenigen Betten, und die Wahrscheinlichkeit dort unterzukommen lief bei meinem heutigen Tempo gegen Null! Auf Gutzureden zweier Pilger (Kristin 31 und Siglinde 49) und nachdem ich eine Schmerztablette eingenommen hatte, entschied ich mich an Ort und Stelle zu bleiben um mich zu reholen. Ich landete in einer schoenen kleinen Herberge fuer nur 3 Euro. Ich ruhte mich so gut es ging aus. Da Alex noch ungefaehr eine Tagesetappe hinter mir liegt, Daniel am Feiern ist, Anja2 ein paar Tage ausfaellt und Anja1 heute sicherlich ein paar Kilometer weitergekommen ist als ich, ist unsere 5er-Gruppe vom Anfang fuers erste gesprengt.
Mit Siglinde und Kristin ging ich abends zusammen essen. Da beide aus der "Ehemaligen" stammen, kamen wir irgendwie auf das Thema Mauerfall und wie den jeder von uns so erlebt hat. Siggis Geschichte war echt der Knaller. Am Tag des Mauerfalls feierte sie in kleinem Kreis ihre bereits fertig geplante Flucht ueber die Tschecheslovakei, die am naechsten Abend ueber die Buehne gehen sollte. Dabei floss viel Alkohol- Fehrnseher und Radio blieben aber aus. Als sie am naechsten Tag ein letztes mal zur Arbeit ging - voellig verkatert - war sie noch voellig Ahnungslos, was am Abend zuvor passiert war. Erst gegen Mittag wurde ihr langsam klar, dass sie etwas verpasst hatte.
Die Kueche hatte uns aus irgendeinem Grund nach der Vorspeise vergessen und wir bemerkten kaum, wie die Zeit verging. Erst auf Nachfrage servierten sie uns die Hauptspeise. Wir mussten uns mit dem Essen beeilen, da das Refugium jetzt eigentlich schliessen sollte. Da kam auch schon der Herbergsvaterum die Ecke und faselte hektisch etwas auf spanisch, dass er jetzt schliessen wolle usw... Wir assen schnell auf und gingen.

11.09.2007 - Logrono oder "Ein Wiedersehen"

Heute ging es mal wieder etwas frueher los, so ca. um 7:15 Uhr. Gleich zu Beginn der Etappe war ich der Meinung heute doch nicht so lange zu laufen, um meinen linken Fuss zu schonen. Gestern Abend hatte ich noch einen SMS von den Sudbrocks (die Verwandten, die auf der Hochzeit meiner Cousinne kennengelernt habe) erhalten, dass sie sich jetzt auch zwischen Estella und Logrono befinden.
Nach wenigen Kilometern machte ich eine Freuhstueckspause. Ein wilder Hund, vor denen in Spanien oft gewarnt wird, naeherte sich mir vorsichtig. Er sah sehr abgemagert aus und machte keine Anstalten mir irgendetwas zu wollen. Also teilte ich mit ihm einen Teil meines Fruehstuecks und warf ihm etwas zu. Nur sehr zoegernd kam er naeher. Irgendwie ein wirklich schoener Moment.
Unterwegs lief es dann deutlich besser bei mir als zu Anfang, daher beschloss ich doch die 30 km bis Logrono zu gehen. In Viana (12 km vor Logrono) war ein grosses Volksfest. Die ganzen Strassen waren voller Menschen. Zielstrebig machte ich mich auf die letzten 2:30 Stunden fuer heute. Diese sollten sich in den weiten Feldern Riojas, wo ich mich seid heute befand, allerdings unendlich hinziehen. Hitzte - Sonne - kaum Schatten. Sehr erschoepft kam ich in Logrono an. Beide Anjas und Sebastian sind auch in meiner Herberge untergebracht. Anja2 ist heute die Etappe mit dem Bus gefahren und hat sich vom Arzt behandeln lassen. Sie wird ein paar Tage Pause einlegen muessen. Daniel (der Pilger aus Paderborn) soll in Viana beim Feiern gesichtet worden sein. Abends traf ich mich dann noch mit den Sudbrocks. Sie luden mich in ein gutes Restaurant zum Essen ein- Vielen Dank nochmal!!! Ein netter Abend bei guter Unterhaltung ist leider schon zu Ende.

10.09.2007 - Los Arcos oder "Wasser, oder darf es auch Wein sein?"

Heute morgen ging es um 7:45 Uhr los. Im Ort holte ich mir ein leckeres Fruehstueck bestehend aus Baguette, Wurst und Obst. Unterwegs machtet ich heute mehrere laengere Pausen. Ich kam gleich zu Beginn der Etappe an einer Stelle vorbei, die nach einem ganz gewoehnlichen Wasserbrunnen aussah, so wie sie es hier zu vielen gibt. Aus einem der beiden Haehne kam jedoch anstatt Wasser richtiger Wein heraus, der von einem ortsansaessigem Kloster gespendet wird. Selbstverstaendlich goennte ich mir einen Becher davon. Schade, dass diese Quelle nicht am Ende einer Etappe gelegen hat, dann waere ich bestimmt noch etwas laenger geblieben. Ausserdem durfte ich Zeuge werden, wie ein Auto zwischen Hundehuette und einem anderen Auto ausparkte. Da es ziemlich dicht zugeparkt war, wurde die Hundehuette kurzerhand beim Zuruecksetzen weggeschoben, inklusive Hund versteht sich, der hing naemlich noch an der Leine. Um 14:00 Uhr war meine 21 km Stecke fuer heuete beendet. Aufgrund der Hitze war ich trotz des langsamen Tempos ganz schoen fertig. Ich bin in einem 40 Betten Zimmer untergebracht. Mit Peter war ich heute abend Pasta essen - auf seine Kosaten, dass war echt sehr nett von ihm. Anschliessend haben wir uns das Ende der Pilgermesse angesehen. Er liess es sich auch nicht nehmen, ein Scheinchen im Klingelbeutel verschwinden zu lassen. Wenn der Fussmorgen haelt, habe ich knapp 30 km vor mir. Daher hoffe ich jetzt auf einen erholsame Nacht.

09.09.2007 - Estella oder "Maehhhh"

Ich hatte bereits ein ungutes Gefuehl, als ich jene Person in den Raum kommen sah. Sie war mir bereits beim Abendessen negativ aufgefallen. Ich will jetzt nicht jeden Tag so eine Schnarchgeschichte erzaehlen, aber der hat geboelkt wie ein Schaf. Ja, kein Witz, der hat wirklich "Maehhh" gemacht. Wie auch immer... Als ich um 6:40 Uhr aufwachte, war das Zimmer bereits fast leer, ich hatte davon gar nichts mitbekommen. Der Spann meines linken Fusses schmerzt wenn ich den Fuss anziehe. Ein paar Stellen habe ich abgetapet. Trotzdem musste ich nach ca. 1 Stunde bereits eine Pause machen. Peter lief vorbei und gab mir ein Blasenpflaster, das ich mir zur reinen Vorsichtsmassnahme an meine linke Hacke klebte. Ab da ging es dann einigermassen. Zu Peter schloss ich recht schnell wieder auf und wir liefen ein Stueck zusammen. Spaeter traf ich auch Anja1 wieder. Um 14:10 Uhr kamen wir in Estella an. Alleine ging ich in eine Herberge, die u.a. von geistig Behinderten Menschen geleitet wird. Hier gibt es etwa 30 Betten in einem grossen Raum. Eigentlich ganz nett hier. Die Stadt selbst ist super. In einem Fluss kuehlte ich meinen linken Fuss. Die Schmerzen am Spann stammen meiner Meinung nach von einer leichten Entzuendung der Sehne - also schohnen angesagt. So etwas kann sehr schnell sehr viel schlimmer werden. Da ich kein Restaurant mit Pilgermenue fand, ging ich in eine der vielen Bars. Ich ass ein Baguette und goennte mir ein kaltes Bier. Als ich zur Herberge wollte traf ich einen Pilger der auch auf der Suche nach einem Menue war. Ich schloss mich ihm an, denn so ganz satt war ich noch nicht. Wir fanden dann zufaellig doch noch ein kleines Restaurant nach unserer Vorstellung. Und wie der Zufall so wollte sassen dort bereits beide Anjas und Sebastian aus Quebbec (Kannada). Gut gesaettigt ging ich schliesslich ins Refugium und schreibe jetzt hier diese Zeilen. Ich bin total muede. Habe mir eben noch einen Verband mit entzuendungshemmender Salbe um den linken Fuss angelegt. Bin im Gesicht und an den Armen uebrigens schon knacke braun geworden. Seid 5 Tagen laufe ich bei Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad durch die Sonne, bei sehr wenig Schatten.

08.09.2007 - Puente la Reina oder "Pasta ala Italiano"

So gut hatte ich bisher noch nicht geschlafen. Es war endlich mal richtig ruhig auf unserem 5er-Zimmer (abends kam noch eine Maratze hinzu). Nur das Aufklatschen meines Pilgerfuehrers und meiner Taschenlampe nach dem Fall von meiner oberen Hochbetthaelfte hat mich kurz aufgeschreckt. Die Herbergsfuehrung war echt genial. Zunaechst wurden wir durch die Klaenge von Georgs (Herbergsvater) spanischem Dudelsack geweckt (OK, das war noch nicht so dolle), und anschliessend bewirteten sie uns am Freuhstueckstisch. Kann mir kaum vorstellen, dass ich auf dem restlichen Weg noch einmal solchen Luxus bekommen werde. Zum Abschied eines jeden Pilgers gab Georg noch einen zum Besten und gin mit Musik ein paar Meter neben her. Ich begann heute bewusst sehr langsam. Nach 2 Stundenmachte ich eine ausgiebige Pause fuer mein zweites Fruehstueck. Danach traf ich Peter aus Wien. Wir kannten uns bereits von den Tagen zuvor. Er besitzt 2 Gastronomien mitten in Wien und bezahlt jeden Tag ein heiden Geld um in guten Hotels oder Pensionen zu naechtigen. Das Tempo wurde jetzt etwas schneller und so kamen wir um 14:00 Uhr im 25 km entfernten Puente la Reina an. In der Herberge traf ich die beiden Anjas wieder. Alex ist uebrigens in Pamplona geblieben, um seine Fuesse auszukurieren.
Ich schaute mi die beruehmte Bruecke (Puente) an, nach der die Stadt benannt ist und kaufte mir bereits das Fruehstueck fuer morgen ein. Von Anja1 erfuhr ich, dass einige italienische Pilger heute eine Pasta zubereiten wollen, und da sagte ich natuerlich nicht nein (trotz Halbfinale letztes Jahr).

Sie schmeckte vorzueglich! Ich habe an den Fuessen ein paar Druckstellen die ich morgen abtapen werde. Ich hoffe, dass dies nicht nach hinten losgeht, da dies immer eine Gluecksache ist. Es ist jetzt kurz nach 22:00 Uhr und ich lege mich jetzt schlafen.