Dienstag, 16. Oktober 2007

05.10.2007 - Santiago de Compostella oder "Wars das jetzt?"

Um 8:15 Uhr machte ich mich erst einmal alleine auf den Weg der vorerst letzten Etappe. Vor genau einem Monat bin ich in Saint-Jean-Pied-de-Port losgelaufen und an diese ersten Tage musste ich heute viel denken. So viele Sachen, die man unterwegs erlebt hat, und die man unmöglich jemandem erklären kann, der selbiges noch nie gemacht hat. In einem kleinen Caffe am Weg traf ich Karin und Carina. Wir machten zusammen eine Frühstückspause und gingen anschließend zusammen weiter. Etwa 2 Stunden später erreichten wir den Monte Gozo, jenen Berg, von dem man den ersten Blick auf Santiago erhaschen kann. Jetzt war ich also in Sichtweite und mir wurde mal wieder bewusst, dass es bald vorbei sein würde. Wir brauchten noch etwa 2 weitere endloslange Stunden, bis wir die Kathedrale erreichten. Ich schaute sie mir erst einmal in Ruhe an. Seitlich vom Hauptaltar führte eine sehr schmale Treppe ein paar Stufen herab. Ich kam mit meinem Rucksack fast nicht durch. Unten angelangt stand ich dann vor dem Auslöser der Pilgerbewegung in diese Stadt - dem Grab des hl. Jakobus. Ein komisches Gefühl!
Wir gingen dann erst einm ins Pilgerbüro um den letzten Stempel und die Compostella abzuholen. Anschließend gönnten wir uns ein sündhaft teures Ankommensbier. Seit unserer Ankunft waren nun bestimmt schon 2 Stunden vergangen und wir machten uns jetzt auf zu der 3km entfernten Herberge. Auf halben Weg trafen wir Ralph, der uns mitteilte, dass er soeben den letzten Platz bekommen hatte - URGH :/ Von einer weiteren großen Herberge wussten wir, dass diese ab Oktober geschlossen ist. Also blieb uns nichts anderes übrig, als in ein Hotel oder in eine HPension zu gehen. Nach zweistündiger Suche, inklusive Telefonaten, bei denen uns immer nur mitgeteilt wurde, dass bereits ausgebucht ist, freundete ich mich langsam mit dem Gedanken an auf einer Bank im Park zu nächtigen. Dann trafen wir unsere Rettung - Jose. Wir kannten den Spanier seid kurzer Zeit und er besorgte uns einen Platz in einer Pension, in der auch er untergekommen ist, für nur 12€ die Nacht, und das genau neben der Kathedrale - unglaublich!!! Abends gingen wir vier dann zusammen in die Altstadt um etwas zu feiern und zu essen. Es war fast wie auf Annentag! Man geht durch die vollen Straßen und sieht an jeder Ecke ein bekanntes Gesicht, das man unterwegs kennengelernt hat. Alle sind am strahlen und guter Stimmung. Ich habe heute abend zum ersten mal Krake (Pulpo) gegessen, eine Spezialität hier in Galizien - gar nicht sooo übel. Ab halb 2 gabs dann in der Bar in der wir saßen keine Getränke mehr und so gingen wir dann alle in die Pension zurück.

Und so sieht jetzt mein Paln für die kommenden Tage aus: Da ich relativ früh in Santiago angekommen bin und noch 6 Tage Zeit habe, werde ich morgen noch einen Tag ausruhen und dann am Sonntag nach Finisterre gehen. Dafür brauche ich 3 Tage. Am Mittwoch gehe ich dann direkt weiter bis nach Muxia und am Donnerstag gehts zurrück in die Heimat.

04.10.2007 - Santa Irene oder "Punktlandung!"

Nach einem guten Frühstück brach ich um 8:20 Uhr alleine auf. Ich lief später sogar mal wieder ein kleines Stück mit Andreas zusammen, dem von der Hinfahrt. Kurz danach traf ich Karin und Carina . Zusammen liefen wir bis ins fast 34km entfernte Santa Irene und bekamen dort die letzten 3 Betten in der kirchlichen Herberge - es war da auch schon 16:15 Uhr. Hier bleibe ich also in meiner letzten Nacht vor Santiago. Habe heute unterwegs viel über das erlebte im letzten Monat nachgedacht - es waren schöne Gedanken. Daniel habe ich nicht mehr getroffen, aber er wollte wahrscheinlich auch morgen in Santiago ankommen. Mit Karin und Carina ging ich dann abends etwas essen, in die 1km entfernte Bar :/ wir mussten dafür echt zurück in den Nachbarort laufen, um etwas zu bekommen. Nach dieser 2km langen Extraschicht werde ich mich jetzt in den wohlverdienten Schlaf begeben. Ich bin schon wahnsinnig gespannt darauf, was mich morgen wohl erwarten wird!!!

03.10.2007 - Melide oder "Heute geht der Flieger!"

Um 8:20 Uhr verließ ich die Herberge und begab mich in einen nebeliegen Morgen. Die ersten 13km bis Palas del Rei passierte nicht viel, aber dann...! Ich näherte mich zwei sehr langsam gehenden Pilgern. Ein Mädel mit langen blonden Haaren, das ich nicht kannte, und jemand mit verdächtig großer Isomatte am Rucksack - es war Daniel! In Pamplona hatten wir uns das letzte mal gesehen, und jetzt trafen wir uns hier einfach irgendwo mitten im Wald. Er erzählte mir erst einmal ausführlich, was er in den letzten 4 Wochen so erlebt hat. Und es ist schon wahnsinnig aufregend zu erfahren, wie sich die Geschichten, mit dem selbst erlebten teilweise überschneiden, und man sich das ein oder andere Mal nur knapp verpasst hat. Er kennt Leute, die auch ich unterwegs kennengelernt habe. Das Mädel, mit dem er zusammen lief, kommt aus Israel, und da fiel mir wieder ein, dass ich vor ca. 2 Wochen von einem israelischen Pilger gefragt worden bin, ob ich einen Daniel kenne, der mit einer Landsfrau von ihm unterwegs sei. Jetzt weiß ich, dass er (Daniel) gemeint war...
Wir kamen an einen Getränkeautomaten und uns beiden war sofort klar - hier trinken wir was. Aber keiner von uns hatte Kleingeld dabei. Es kamen 2 Radpilger vorbei, die uns aber auch nichts wechseln konnten. Wir hatten uns schon damit abgefunden, vor dem Automaten zu verdursten, da hielt Daniel einen Bauern in seinem Trecker an, und der hatte doch tatsächlich ein paar Münzen für uns.
Um kurz nach 16 Uhr erreichten wir nach 29km Melide. Es war eine der übelsten Herbergen, die ich auf dem Weg gesehen hatte. Karin (40) und Carina (24), zwei Pilgerinnen, die ich gestern kennen gelernt hatte, wollten fast schon wieder ausziehen, so dreckig war es dort. Aber mir war es in diesem Moment egal. Abends ging ich mit Daniel und seiner Freundin noch in den Ort etwas Essen. Es war wirklich witzig mit den beiden. Ich schaute mir dann noch etwas Fussball in einer Bar an. Real spielte Championsleague gegen Rom, und da war der Laden natürlich voll.

Apropos "der Flieger geht": Hey Doro! Hoffe, dass du gut in den Staaten angekommen bist. Ich wünsche dir ganz aufregende und lehrreiche 6 Monate dort. Hoffe wir können trotz der Zeitverschiebung ganz bald mal quatschen!
Lg, dein Bruder Stephan