Um 8:20 Uhr verließ ich die Herberge und begab mich in einen nebeliegen Morgen. Die ersten 13km bis Palas del Rei passierte nicht viel, aber dann...! Ich näherte mich zwei sehr langsam gehenden Pilgern. Ein Mädel mit langen blonden Haaren, das ich nicht kannte, und jemand mit verdächtig großer Isomatte am Rucksack - es war Daniel! In Pamplona hatten wir uns das letzte mal gesehen, und jetzt trafen wir uns hier einfach irgendwo mitten im Wald. Er erzählte mir erst einmal ausführlich, was er in den letzten 4 Wochen so erlebt hat. Und es ist schon wahnsinnig aufregend zu erfahren, wie sich die Geschichten, mit dem selbst erlebten teilweise überschneiden, und man sich das ein oder andere Mal nur knapp verpasst hat. Er kennt Leute, die auch ich unterwegs kennengelernt habe. Das Mädel, mit dem er zusammen lief, kommt aus Israel, und da fiel mir wieder ein, dass ich vor ca. 2 Wochen von einem israelischen Pilger gefragt worden bin, ob ich einen Daniel kenne, der mit einer Landsfrau von ihm unterwegs sei. Jetzt weiß ich, dass er (Daniel) gemeint war...
Wir kamen an einen Getränkeautomaten und uns beiden war sofort klar - hier trinken wir was. Aber keiner von uns hatte Kleingeld dabei. Es kamen 2 Radpilger vorbei, die uns aber auch nichts wechseln konnten. Wir hatten uns schon damit abgefunden, vor dem Automaten zu verdursten, da hielt Daniel einen Bauern in seinem Trecker an, und der hatte doch tatsächlich ein paar Münzen für uns.
Um kurz nach 16 Uhr erreichten wir nach 29km Melide. Es war eine der übelsten Herbergen, die ich auf dem Weg gesehen hatte. Karin (40) und Carina (24), zwei Pilgerinnen, die ich gestern kennen gelernt hatte, wollten fast schon wieder ausziehen, so dreckig war es dort. Aber mir war es in diesem Moment egal. Abends ging ich mit Daniel und seiner Freundin noch in den Ort etwas Essen. Es war wirklich witzig mit den beiden. Ich schaute mir dann noch etwas Fussball in einer Bar an. Real spielte Championsleague gegen Rom, und da war der Laden natürlich voll.
Apropos "der Flieger geht": Hey Doro! Hoffe, dass du gut in den Staaten angekommen bist. Ich wünsche dir ganz aufregende und lehrreiche 6 Monate dort. Hoffe wir können trotz der Zeitverschiebung ganz bald mal quatschen!
Lg, dein Bruder Stephan
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