Dienstag, 23. Oktober 2007

10.10.2007 - Finisterra oder "Pass bloß auf die Wellen auf!"

Da ich ja nur eine Nacht in der Herberge bleiben konnte, stand ich wie gewohnt früh mit allen anderen Pilgern auf. Ralph und die anderen von gestern abend, fuhren heute bereits wieder zurück nach Santiago. Um kurz nach 8 hieß es also Abschied nehmen. Nach einem kleinen Frühstück in einer Bar bezog ich dann zusammen mit Kurt ein Zimmer in einer kleinen Pension, welches wir uns gestern schon reserviert hatten. Unten im Erdgeschoss knüpften zweit alte Männer an Fischernetzen. Eine wahnsinnig fummelige Arbeit, die bei den beiden glaube ich viel leichter aussah, als sie in Wirklichkeit ist.
Kurt wollte dann zum Weststrand gehen, um dort zu schwimmen. Wir hatten gestern abend von anderen Pilgern vernommen, dass es an diesem Strandabschnitt besonders schön sein soll, und dass es auch dort die besten Wellen gibt ;) Er meinte noch, dass er etwas vorsichtiger sein wollte, da er in einem anderen Urlaub schon mal abgetrieben wurde und 1-2 Stunden im Meer gepaddelt ist.
Ich ging erst mal in die Stadt und schaute mir den Hafen und die Promenaden an. Anschließend ging ich mir etwas zu Essen kaufen, dass ich dann mit an den Strand nehmen wollte. Nach ca. 1.5 Stunden war ich dann wieder in der Pension um mir noch eine Jacke mitzunehmen und also ich die Tür zum Zimmer öffnete, sah ich, dass Kurt schon wieder da war. Er hatte überall Schürfwunden und er war gerade dabei diese zu desinfizieren. Und dann erzählte er mir, was passiert ist. Wie vorausgeahnt, wurde er von den Wellen, die aufs Land schlagen und wieder zurück ins Meer rollen, mitgerissen. Er hat es nicht geschafft, aus eigener Kraft an Land zu kommen. Daher entschied er sich parallel zum Strand zu schwimmen um einen Fels zu erreichen, der ins Meer hinein ragt. Er wurde dem Anschein nach von einer Welle nicht gerade sanft auf diesen Felsen "gesetzt". Aber auch von dort wurde er das erste mal wieder zurückgezogen. Erst nachdem er ein zweites mal auf den Stein prallte, konnte er sich festhalten. Er ist nach seiner Aussage dabei noch ganz gut weggekommen. Er hat sich ja auch zum Glück nicht ernsthaft dabei verletzt.
Ansehen wollte ich mir die Stelle aber auf jeden Fall mal, und so ging ich zum Essen Richtung Westen und erreichte etwa 20 Minuten später einen Feldweg. Ich konnte hier schon das Brausen der Brandung hören. Es war wirklich herlich. Am Strand, der wirklich ganz schön groß war, waren nur eine Hand voll Leute. Ich setzte mich einfach in den Sand, genoss das schöne Wetter und die Aussicht. Die Wellen waren wirklich ganz schön groß hier, kann mir schon gut vorstellen, wie es dem Kurt ergangen sein muss. Nach 2 Stunden ging ich noch einmal zurück in den Ort. Am Abend kam ich aber wieder zurück und schaute mir hier den Sonnenuntergang an. Es war wirklich herlich und ich blieb noch einige Zeit länger und war irgendwann ganz alleine dort. Es war mitlerweile stockdunkel. Man konnte im Schein der Sterne nur noch das Wasser sehen, wenn es sich in den brechenden Wellen kräuselte. Irgendwann machte ich mich wieder auf den Rückweg. Ich kam an einer Bar vorbei und sah dort Anja und noch zwei Bekannte sitzen. Ich ging noch kurz rein um mich zu verabschieden. Morgen früh gehts mit dem Bus wieder nach Santiago und dann ab nach Hause.

Donnerstag, 18. Oktober 2007

09.10.2007 - Finisterra oder "Schuhe aus, fertig!!!"

Da ich heute möglichst früh ankommen wollte, um den einen Tag in Finisterra besser ausnutzen zu können, begab ich mich bereits um 7:10 Uhr auf den Weg. Es war noch stockdunkel und ich konnte nur mit Hilfe meiner Taschenlampe so gerade die Wegmarkierungen erkennen. Nach einigen Kilometern kam ich an die Weggabelung an der ich mich entscheiden muss, ob ich nach Finisterra (im Mittelalter hielt man diesen Ort für das Ende der Welt. Viele Pilger sehen eigentlich hier das Ende des Caminos und nicht in Santiago.) oder nach Muxia möchte. Ich entschloss mich für Finisterra, und morgen wollte ich ja dann von dort aus weiter nach Muxia laufen. Es wurde jetzt etwas hügeliger und das Wetter schien gut zu werden. Die Blase, die ich mir gestern eingefangen hatte, merkte ich immer besonders dann, wenn es bergauf ging und ich mit dem Fuß hinten in den Schuh gerutscht bin.
Um 12 Uhr war es dann soweit - vor mir lag ein Hügel. Ich kam auf dem steinigen Weg langsam nach oben, und als ich über die Kuppe gucken konnte, sah ich das Meer! Nachdem ich durch das Gebirge der Pyrenäen, die Getreidewüste der Meseta und das grasgrüne Hügelland Galiziens gewandert bin, war meine Reise jetzt noch um eine Facette reicher. In Cee traf ich Ralph und Kurt wieder. Während Kurt bis Finisterra durchlaufen wollte, entschlossen Ralph und ich vorher noch eine Runde im Atlantik zu drehen. Wir hielten also Ausschau nach einer passenden Stelle und wurden auch schnell fündig. Das Wasser war saukalt, aber die Abkühlung tat sehr gut zwischendurch. Als ich so am Wasser saß und aufs offene Meer heraus blickte, wurde mir klar, dass ich morgen nicht mehr nach Muxia weiterlaufen sollte. Für mich war vom Gefühl her hier die Reise vorbei und ich fand, dass dieser Ort ein schöner Abschluss war. Ich hatte somit dann auch genug Zeit um etwas zu entspannen und die Gegend zu genießen. Um kurz vor 17 Uhr traf ich dann in der Herberge ein.
Hier zog ich dann für erst einmal unbestimmte Zeit meine Wanderschuhe aus. Mit meinem Entschluss morgen nicht mehr weiter zu laufen, würde ich die restlichen Tage in meinen Flip-Flops auskommen. So ganz war ich aber dennoch nicht am Ziel... Die letzten etwa 3 km galt es am Abend zurückzulegen. Denn da ging es hinauf auf das Cap, eine ins Meer ragende Klippe, anwelcher der 0,0km-Wegstein zu sehen ist. Von hier aus schaute ich mir einen herlichen Sonnenuntergang an, den ich so schnell nicht vergessen werde. Neben Ralph saßen auch noch vier weitere Pilger mit mir zusammen und blickten ins Weite. Frank (USA) scheiterte bei dem Versuch seine Jakobsmuschel ins Meer zu schmeißen. Sie landete etwa 20m unter uns an einem Felsvorsprung im Gras. Als es dunkel war kam dann schließlich noch mein Esbit zum Einsatz. In dem Feuerchen verabschiedete ich mich von einer meiner beiden Hosen, die deutlich von den letzten 890 Kilometern gezeichnet war. Auch die anderen legten einen Teil ihrer Kleidung dabei um so symbolisch die Reise zu beenden. Nun war es also vorbei!
Den kulinarischen Abschluss gab es dann im Ort, als wir uns an einer nicht gerade billigen, aber für den Preis auch erwartet gutschmeckenden Paella satt aßen.

08.10.2007 - Olveiroa oder "Das ist jetzt nicht wahr...!"

Um 8:10 Uhr startete ich die heutige Etappe zusammen mit Ralph. Nach zwei Stunden machten wir eine Pause für ein kleines Frühstück und trafen dabei Winfried. Wir gingen dann bis zum heutigen Zielort zusammen. Unterwegs hatten wir interessante Gespräche. Vor allemWinfried(62) hatte eine Menge Storys auf Lager. Für diese Jahreszeit war es hier immer noch unglaublich heiß. Dadurch war die 32km lange Strecke bis Olveiroa gegen Ende noch einmal so richtig zäh. Hinzu kam noch, dass ich heute doch tatsächlich nach 850km und nur einem Katzensprung vorm Ziel, meine erste schmerzhafte Blase bekommen habe! Was soll das denn??? Ich hatte das Komped etwas zu weiter oben an der Hacke aufgeklebt und prompt die Rechnung dafür bekommen.
Die Herberge bestand aus 3 kleinen einzelnen Gebäuden. Einziges Manko: Es wimmelte hier von Fliegen, und durch wohl zuvor verteiltes Gift, lagen unzählige von ihnen tot am Boden und auch in den Betten. Abends war ich dann zusammen mit Ralph und Kurt (aus Holland), den ich hier kennen lernte, in einer Bar. Und diese Bar kann ich jetzt echt mal empfehlen. Hier gibt es für fast schon zu niedrige Preise super Essen und natürlich auch Getränke. Ich bestellte mir einen kleinen Salat und eine kleine Tortillia de Patata und bekam so große Portionen, dass ich zunächst dachte, die hätten sich vertan. Als wir dann mit volem Bauch durch Speis UND Trank am Ende bezahlen wollten, staunten wir nicht schlecht über die Rechnung von gerade mal 19 Euro!
Morgen werde ich den Atlantik erreichen und freue mich schon wahnsinnig darauf.

Mittwoch, 17. Oktober 2007

07.10.2007 - Negreira oder "Fast nicht erkannt!"

Als ich um kurz nach 8 aufstand, schliefen die anderen beiden noch. Ich ging also leise aus dem Zimmer und machte mich im Flur fertig. Als ich aus dem Badezimmer kam, schlich mir eine sehr verschlafen aussehende Pilgering entgegen. Plötzlich hörte ich meinen Namen. Ich drehte mich um und erkannte da erst, dass es Kristin war. Sie hatte mir an dem Tag, an dem ich etwas krank war eine Schmerztablette gegeben. Das ist jetzt das erste Mal, dass ich sie wieder sehe, seid Burgos. Es war wirklich eine komisch lustige Situation wie wir da so auf dem Flur standen und es kaum glauben konnten.
Um 9 Uhr machte ich mich dann auf den Weg. Die Stadt war noch relativ leer. Unterwegs traf ich nur noch vereinzelt andere Pilger. Als ich nach 24 km in Negreira einlief, kam mir Winfried entgegen, der gerade in der Stadt etwas essen wollte. Ich ging dann erst mal in die Herberge, die etwas ausserhalb lag, um mir ein ett zu sichern. Später ging ich dann ebenfalls wieder in die Stad und saß mich in eine gut aussehende Pizzeria um mal wieder etwas anderes in den Magen zu bekommen. Ich hatte gerade aufgegessen, als Ralph plötzlich vor mir stand. Jetzt kenne ich also doch schon ein, die sich mit mir auf den Weg zum Meer machen. Als ich wieder in der Herberge ankam, sah ich, dass es auch Anja hierher verschlagen hatte. Da es zu wenig Betten gab, schliefen einige Pilger auf Matratzen, die auf dem Boden lagen. Am Abend kam die Herbergsmutter vorbei und machte einen riesen Terz, weil diese nicht nach ihren Vorstellungen angeordnet waren. Dies war ihr anscheinend so wichtig, dass sie sogar bereits schlafende Pilger wieder weckte, um sie umzuquatieren. Ein wenig übertrieben, wie ich finde!

06.10.2007 - Santiago de Compostella oder "5 Sterne ***** deluxe!"

Karin und Carina verließen um 7:30 Uhr die Pension. Sie flogen heute morgen wieder nach Hause. Ich verabschiedete mich noch von ihnen und lag mich dann noch mal ins Bett. Zum ersten mal seid einem Monat, dass ich noch nach halb 8 im Bett war, und das als Student - alle Achtung ;) Etwa zwei Stunden später stand ich auf und schaute mir aus dem Fenster ein paar Pilger auf dem Weg in das fast genau gegenüberliegende Pilgerbüro an, die gerade ihre Compostella abholen wollten. Und wen sah ich da - Anja und Sebastian. So, und jetzt wirds unheimlich! Genau in diesem Moment ging die Tür auf und Andreas stand im Zimmer. 2 Betten waren ja seid heute früh wieder frei und eines davon hat er bekommen. Vom Fenster aus rief ich Anja und Sebastian zu, ob sie noch ein Bett bräuchten. Keine zwei Minuten später war Anja oben. Sebastian brauchte keines mehr, da er heute Abend bereits zurück nach Kannada fliegen sollte. Jetzt belegte ich das Zimmer an meinem letzten Tag in Santiago also mit genau den beiden, die ich am ersten Tag in Saint-Jean als erstes kennengelernt habe. Völlig verrückt! Ich ging dann mit Andreas erst einmal einen Caffe trinken und anschließend in die Pilgermesse. Auch hier sah ich wieder viele Bekannte, u.a. Winfried, der ja in Karlsruhe gestartet ist. Er war gerade erst angekommen, und konnte ein paar Tränen nicht unterdrücken. Der Botafumeiro (ein rund 50kg schweres versilbertes Weihrauchfass, das an einem 30m langem Seil hängt) wurde leider nicht geschwengt. Als ich dann später durch die Stadt lief, traf ich auch Mike, Matthias und Edith wieder, die auch heute angekommen sind.
Die Stadt hier ist echt super. Unzählige Bars und Restaurants in den Straßen. In den Schaufenstern stehen Aquarien, in denen die noch lebenden Hummer schwimmen, die man dann später auf seinem Teller hat. Da heute Samstag ist, war es besonders voll. Um halb 10, am Abend wohlgemerkt, spielte auf einem kleinen Platz noch ein Puppenspieler vor nicht weniger als etwa 50 kleinen und erfreuten Kindern.

Jetzt aber noch mal einen Sprung zum Essen heute. Es gibt in Santiago das wahrscheinlich älteste Hotel der Welt. Es befindet sich direkt neben der Kathedrale und hat nicht weniger als 5 Sterne!!! Dieses Hotel hat sich vor langer Zeit dazu verpflichtet, 10 Pilgern am Tag ein Essen zu spendieren. Es werden die ersten 10 genommen, die zu einer bestimmten Uhrzeit an der Einfahrt zur Hotelgarage stehen. Andreas und ich wussten davon und wir haben es einfach mal ausprobiert und waren doch tatsächlich unter den Glücklichen. Um Punkt 19:00 Uhr holte uns ein Mitarbeiter des Hotels ab und führte uns durch mehrere Innenhöfe, vorbei an unheimlich nobel gekleideten Hotelgästen, die nicht schlecht guckten als sie uns sahen, direkt in die Küche. Hier servierte uns der Koch das Essen direkt auf die Teller, mit denen wir dann einen kleinen Speisesaal aufsuchten.

Habe am Abend dann nicht mehr viel gemacht, da ich morgen früh ja schon wieder bis ans "Ende der Welt" weiterlaufen möchte.

Dienstag, 16. Oktober 2007

05.10.2007 - Santiago de Compostella oder "Wars das jetzt?"

Um 8:15 Uhr machte ich mich erst einmal alleine auf den Weg der vorerst letzten Etappe. Vor genau einem Monat bin ich in Saint-Jean-Pied-de-Port losgelaufen und an diese ersten Tage musste ich heute viel denken. So viele Sachen, die man unterwegs erlebt hat, und die man unmöglich jemandem erklären kann, der selbiges noch nie gemacht hat. In einem kleinen Caffe am Weg traf ich Karin und Carina. Wir machten zusammen eine Frühstückspause und gingen anschließend zusammen weiter. Etwa 2 Stunden später erreichten wir den Monte Gozo, jenen Berg, von dem man den ersten Blick auf Santiago erhaschen kann. Jetzt war ich also in Sichtweite und mir wurde mal wieder bewusst, dass es bald vorbei sein würde. Wir brauchten noch etwa 2 weitere endloslange Stunden, bis wir die Kathedrale erreichten. Ich schaute sie mir erst einmal in Ruhe an. Seitlich vom Hauptaltar führte eine sehr schmale Treppe ein paar Stufen herab. Ich kam mit meinem Rucksack fast nicht durch. Unten angelangt stand ich dann vor dem Auslöser der Pilgerbewegung in diese Stadt - dem Grab des hl. Jakobus. Ein komisches Gefühl!
Wir gingen dann erst einm ins Pilgerbüro um den letzten Stempel und die Compostella abzuholen. Anschließend gönnten wir uns ein sündhaft teures Ankommensbier. Seit unserer Ankunft waren nun bestimmt schon 2 Stunden vergangen und wir machten uns jetzt auf zu der 3km entfernten Herberge. Auf halben Weg trafen wir Ralph, der uns mitteilte, dass er soeben den letzten Platz bekommen hatte - URGH :/ Von einer weiteren großen Herberge wussten wir, dass diese ab Oktober geschlossen ist. Also blieb uns nichts anderes übrig, als in ein Hotel oder in eine HPension zu gehen. Nach zweistündiger Suche, inklusive Telefonaten, bei denen uns immer nur mitgeteilt wurde, dass bereits ausgebucht ist, freundete ich mich langsam mit dem Gedanken an auf einer Bank im Park zu nächtigen. Dann trafen wir unsere Rettung - Jose. Wir kannten den Spanier seid kurzer Zeit und er besorgte uns einen Platz in einer Pension, in der auch er untergekommen ist, für nur 12€ die Nacht, und das genau neben der Kathedrale - unglaublich!!! Abends gingen wir vier dann zusammen in die Altstadt um etwas zu feiern und zu essen. Es war fast wie auf Annentag! Man geht durch die vollen Straßen und sieht an jeder Ecke ein bekanntes Gesicht, das man unterwegs kennengelernt hat. Alle sind am strahlen und guter Stimmung. Ich habe heute abend zum ersten mal Krake (Pulpo) gegessen, eine Spezialität hier in Galizien - gar nicht sooo übel. Ab halb 2 gabs dann in der Bar in der wir saßen keine Getränke mehr und so gingen wir dann alle in die Pension zurück.

Und so sieht jetzt mein Paln für die kommenden Tage aus: Da ich relativ früh in Santiago angekommen bin und noch 6 Tage Zeit habe, werde ich morgen noch einen Tag ausruhen und dann am Sonntag nach Finisterre gehen. Dafür brauche ich 3 Tage. Am Mittwoch gehe ich dann direkt weiter bis nach Muxia und am Donnerstag gehts zurrück in die Heimat.

04.10.2007 - Santa Irene oder "Punktlandung!"

Nach einem guten Frühstück brach ich um 8:20 Uhr alleine auf. Ich lief später sogar mal wieder ein kleines Stück mit Andreas zusammen, dem von der Hinfahrt. Kurz danach traf ich Karin und Carina . Zusammen liefen wir bis ins fast 34km entfernte Santa Irene und bekamen dort die letzten 3 Betten in der kirchlichen Herberge - es war da auch schon 16:15 Uhr. Hier bleibe ich also in meiner letzten Nacht vor Santiago. Habe heute unterwegs viel über das erlebte im letzten Monat nachgedacht - es waren schöne Gedanken. Daniel habe ich nicht mehr getroffen, aber er wollte wahrscheinlich auch morgen in Santiago ankommen. Mit Karin und Carina ging ich dann abends etwas essen, in die 1km entfernte Bar :/ wir mussten dafür echt zurück in den Nachbarort laufen, um etwas zu bekommen. Nach dieser 2km langen Extraschicht werde ich mich jetzt in den wohlverdienten Schlaf begeben. Ich bin schon wahnsinnig gespannt darauf, was mich morgen wohl erwarten wird!!!

03.10.2007 - Melide oder "Heute geht der Flieger!"

Um 8:20 Uhr verließ ich die Herberge und begab mich in einen nebeliegen Morgen. Die ersten 13km bis Palas del Rei passierte nicht viel, aber dann...! Ich näherte mich zwei sehr langsam gehenden Pilgern. Ein Mädel mit langen blonden Haaren, das ich nicht kannte, und jemand mit verdächtig großer Isomatte am Rucksack - es war Daniel! In Pamplona hatten wir uns das letzte mal gesehen, und jetzt trafen wir uns hier einfach irgendwo mitten im Wald. Er erzählte mir erst einmal ausführlich, was er in den letzten 4 Wochen so erlebt hat. Und es ist schon wahnsinnig aufregend zu erfahren, wie sich die Geschichten, mit dem selbst erlebten teilweise überschneiden, und man sich das ein oder andere Mal nur knapp verpasst hat. Er kennt Leute, die auch ich unterwegs kennengelernt habe. Das Mädel, mit dem er zusammen lief, kommt aus Israel, und da fiel mir wieder ein, dass ich vor ca. 2 Wochen von einem israelischen Pilger gefragt worden bin, ob ich einen Daniel kenne, der mit einer Landsfrau von ihm unterwegs sei. Jetzt weiß ich, dass er (Daniel) gemeint war...
Wir kamen an einen Getränkeautomaten und uns beiden war sofort klar - hier trinken wir was. Aber keiner von uns hatte Kleingeld dabei. Es kamen 2 Radpilger vorbei, die uns aber auch nichts wechseln konnten. Wir hatten uns schon damit abgefunden, vor dem Automaten zu verdursten, da hielt Daniel einen Bauern in seinem Trecker an, und der hatte doch tatsächlich ein paar Münzen für uns.
Um kurz nach 16 Uhr erreichten wir nach 29km Melide. Es war eine der übelsten Herbergen, die ich auf dem Weg gesehen hatte. Karin (40) und Carina (24), zwei Pilgerinnen, die ich gestern kennen gelernt hatte, wollten fast schon wieder ausziehen, so dreckig war es dort. Aber mir war es in diesem Moment egal. Abends ging ich mit Daniel und seiner Freundin noch in den Ort etwas Essen. Es war wirklich witzig mit den beiden. Ich schaute mir dann noch etwas Fussball in einer Bar an. Real spielte Championsleague gegen Rom, und da war der Laden natürlich voll.

Apropos "der Flieger geht": Hey Doro! Hoffe, dass du gut in den Staaten angekommen bist. Ich wünsche dir ganz aufregende und lehrreiche 6 Monate dort. Hoffe wir können trotz der Zeitverschiebung ganz bald mal quatschen!
Lg, dein Bruder Stephan

Mittwoch, 10. Oktober 2007

02.10.2007 - Hospital da Cruz oder "Glocke fuer die letzten 100!"

Nachdem ich bereits die letzten paar Tage nur noch ein bisschen aus der Tube quetschen konnte, ist der Hirschtalg fuer die Fuesse nun endgueltig alle. Ich werde jetzt aber fuer die restlichen Tage keinen neuen mehr kaufen und es so versuchen. Ausserdem habe ich seid dem Regen vor ein paar Tagen mit einem Schnupfen zu kaempfen, aber es geht schon. Heute ging ich erst um halb 9 los. Anja war zu dem Zeitpunkt noch in der Herberge und Sebastian war bereits losgegangen. Nach kurzer Zeit schloss ich zu ihm auf. Ich hatte heute vn Anfang an vor, mindestens 30 km zu laufen, da ich unbedingt am Freitag in Santiago ankommen moechte. Nach kurzer Zeit verlor ich Sebastian wieder aus den Augen. Ich passierte den Wegstein, der die letzten 100km bis nach Santiago einleutet. Ab diesem Punkt muss man zu Fuss auf dem Weg sein, um eine Compostella zu erhalten. Dies wird wohl einer der Gruende sein, weshalb ich heute und auch gestern schon viele neue Gesichter auf dem Camino erblickt habe. Es ist also wieder merkbar voller auf der Strecke und auch in den Herbergen. Die letzten 1-2 Stunden zogen sich heute noch mal ganz schoen hin. Um 16:30 Uhr kam ich dann endlich im 34km entfernten Hospital da Cruz an. Die Herberge mit etwa 30 Betten lag direkt an der Strasse, was aber nicht weiter schlimm war, da sich der Verkehr gegen Abend beruhigte. Ich setzte mich mit mehreren anderen Pilgern fuer den Rest des Tages in die 30m entfernte Bar um zu kloenen und zu essen. Von Anja und Sebastian habe ich keine Ahnung wo sie gelandet sind. Aber ich denke mal, dass ich beide spaetestens in Santiago wiedertreffen werde.

01.10.2007 - Sarria oder "Den kenn ich doch!"

In dem 4er-Zimmer indem ich heute schlief, war ich 7:20 Uhr sogar der erste, der es schaffte aus dem Bett zu kommen. Es regnete zwar noch nicht, aber der Himmel sah auch nicht gerade einladend aus. Nach etwa 15 Minuten Gehzeit hielt einige Meter vor mir ein Pilger um seine Jacke auszuziehen. Als ich auf gleicher Hoehe und im Begriff war ihn zu ueberholen, guckten wir uns an. Es war Sebastian aus Quebbec! Ich hatte ihn zuletzt in Logrono, also vor etwa 3 Wochen gesehen. Es war so toll jemanden nach so langer Zeit wieder zu treffen (und 3 Wochen auf dem Camino sind eine lange Zeit). Er erzaehlte mir, dass er die ganze Zeit ueber mit Anja1 zusammen gelaufen ist. Und es dauerte nicht lange, wir machten gerade Pause um einen Caffe con Leche zu trinken, da sah ich auch sie wieder. Ich glaube keiner von uns hat noch einmal damit gerechnet. Es ist das schoene am Camino. Man lernt viele Leute kennen, verliert sich wieder, und je nach dem, wie der Weg gelaunt ist, trifft man sich eventuel spaeter noch einmal wieder. In diedem Moment kam ich zu der Einsicht, dass der Jakobsweg zwar doch recht lang, aber dafuer verdammt schmal ist! Man laeuft wochenlang, nur ein paar Kilometer entfernt hintereinander her und schlaeft von Tag zu Tag vielleicht sogar im selben Ort ohne sich zu sehen, und dann steht man sich ploetzlich voellig unerwartet wieder gegenueber.
Zu dritt liefen wir weiter und beendeten heute schon nach 19km unsere Etappe in Sarria. Hier bereitete uns Sebastian eine typisch kanadische Kalorienbombe namens "Pouthine", bestehend aus Pommes, Kaese, Barbecuesousse und eben jeder Menge Kalorien - lecker, und hat obendrein nach Aussage des Kochs noch die Naehrstoffe von einem Pfund Butter! Auch Ralph war mal wieder in der gleichen Herberge wie ich, und so beginnen sich so langsam die Bekanntschaftskreise zu schliessen, und man merkt immer mehr, wie es dem Ende zugeht. Habe mir heute das erste Mal so richtig Gedanken darueber gemacht, wann ich in Santiago ankommen moechte und wie ich dann die restlichen Tage verbringe.

Sonntag, 7. Oktober 2007

30.09.2007 - Triacastela oder "Regen"

Schon als ich morgens um kurz nach 8 Uhr losging, sah der Himmel nicht besonders gut aus. Das Wetter Galiziens, dessen Grenzen ich heute ueberschreiten sollte, wurde seinem Ruf mehr als gerecht. Bevor es aber anfing zu regnen traf ich ploetzlich Ralph wieder, den ich jetzt schon eine Woche nicht mehr gesehen hatte. Zusammen erklommen wir den letzten hoeheren Berg nach O Cebreiro auf ueber 1300m, den wir bis Santiago noch vor uns hatten. Die Aussicht war trotz des Nebels sehr schoen. Man konnte die sich sehr weit ausbreitenden und heute wolkenverhangenen Waelder Galiziens sehen. Ab hier ging ich vorerst alleine weiter, da Ralph eine Pilgermesse auf dem Berg besuchen wollte. Als ich O Cebreiro verliess, verpasste ich den Abzweig fuer die Fusspilger und so lief ich etwa eine Stunde den Berg auf der Strasse herab, bis sich beide Wege wieder kreuzten. Kurz danach traf ich Mike, Matthias und Edith wieder und wir liefen zusammen weiter. Fuer alle, die auch den Pilgerfuehrer von Rother haben, wird es jetzt interessant... In einer Bar trafen wir den galizischen Bauern, der auf Seite 150 mit der weissen Kuh abgebildet ist! Kein Witz!
Nach etwa 21km fand ich, dass ich fuer heute genug hatte. Ich verbschiedete mich also von den dreien und suchte eine Herberge auf. Es handelte sich dabei um eine private und da ich sie etwas teuer fand, ging ich weiter um im naechsten Ort mein Glueck zu versuchen. Da wusste ich auch noch nicht, dass es bis zur naechsten Herberge noch 12km waren! Also landete ich dann schliesslich um 16:30 Uhr in Tracastela. Hier traf ich auch die drei wieder und wir verabredeten uns fuer heut abend zum Essen. Durch den vielen Regen und die lange Etappe war ich muede und traege, doch ein grossen Bierchen und das leckere Essen bereitete mir in einer lustigen Runde noch einen sehr schoenen abend.

Nachtrag: Jaja, der Newton hats gewusst! Als ich mich vor der Herberge auf einen Stuhl unter einen Apfelbaum sass, haette ich drauf kommen muessen. Ausgeloest durch einen Mitpilger, der sich durch seinen Hungerdrang getrieben an den Fruechten jener Pflanze zu schaffen machte, unter der ich sass, loeste sich ein nicht mindergrosser Apfel direkt ueber meinem Kopf. Der Rest unterliegt dem physikalischen Gesetzt der Schwerkraft - Volltreffer!

29.09.2007 - Vega de Valcarce oder "Brasil"

Um 8:15 Uhr ging ich heut morgen los und fuehlte mich wegen den beiden anstrengenden Etappen der letzten Tage etwas schlapp, ich legte daher ein sehr moderates Tempo an den Tag. Unterwegs lernte ich Edith, Maik und Matthias kennen. Die sind echt mal witzig drauf. Zwei Schwaben und eine Eidgenossin, brisante Mischung - aber gut! ch kam um viertel vor drei nach 24km in Vega de Valcarce an. Die anderen drei sind spaeter gestartet und liefen noch ein ganzes Stueck weiter, wie ich spaeter erfahren sollte. Ich schlafe heute in einer brasilianischen Herberge. Der Aufenthaltsraum sieht echt sehr einladend aus. Leider konnten das Schlaf- und das, ich nenn es mal Badezimmer, da nicht so ganz mithalten. Essen war ich abends dann in einem etwas weiter entfernten Restaurant, sehr lecker uebrigens, aber unendlich laut, da die Kinder des Hauses den Speisesaal als Spielplatz beanspruchten.

28.09.2007 - Cacabelos oder "Na dann noch etwas weiter!"

In der Nacht wurde es ganz schoen frisch und draussen tobte ein heftiger Sturm. Immerhin war ich hier noch auf weit ueber 1000m. Ich befuerchtete schon dies den ganze Tag ueber anhaelt, aber dem war gluecklicher weise nicht so. Aber eine dicke Ueberraschung berreitete hier allen Pilgern der Morgen. Es kam kein Wasser aus dem Hahn, also musste die Morgentoilette ausfallen. Am peinlichsten war das wohl fuer denjenigen, der als erstes aufs Klo musste - alles weitere spar ich mir an dieser Stelle.
Ich fruehstueckte kurz etwas in der Bar und ging dann um 8:15 Uhr los. Es ging ueber teilweise recht steile und steinige Pfade ins Tal den Berg hinab. Nach 3-4 Stunden erreichte ich Ponferada und machte eine ausgedenhte Mittagspause. Mit vollem Bauch ging es weiter, aber trotz der anstrengenden Etappe gestern lief es heute echt gut, und so merkte ich kaum, wie die Zeit bzw. die Kilometer vergingen. Na obwohl - eigentlich wollte ich dann schon so langsam aufhoeren fuer heute, uebersah aber in einem Ort die Herberge und lief dann noch einen weiter. Und so kam ich nach 34km um ca. 15:45 Uhr in Cacabelos an. Ich landete dort in einer sehr interessanten Herberge. Um die Kirche herum waren 2er-Kabinen aufgebaut worden. Man hatte schoen viel Platz. Beim duschen wurde es alerdings ganz schoen kuehl, da die Raeume nicht so wirklich nach draussen hin abgedichtet waren. Frage mcih, wie das dann wohl erst im Winter sein muss? Ich teilte mir die Kabine mit einem aelteren Herrn aus Frankreich. Abends ging ich nach einem zweistuendigen Nachmittagsschlaefchen in den Ort um einzukaufen. Ich traf Winfried und Mauric, trank in einer Bar noch etwas mit ihnen und zusammen gingen wir dann ein Pilgermenue essen. Ich erfuhr, dass das Wetter bald schlechter werden sollte...!

27.09.2007 - El Acebo oder "Das eiserne Kreuz"

In der Bar ass ich heut morgen ein leckeres Fruehstueck und brach anschliessend um kurz nach 8 Uhr auf. Es war von Anfang an eine herliche Etappe mit sehr schoenen Ausblicken. Landschaftlich die schoenste Etappe seid der am ersten Tag. Sie war auch vom Profil her ser aehnlich, da es endlich wieder ins Gebirge ging. Ich durchquerte total verlassene Bergdoerfer, die fast ausschliesslich aus Ruinen bestehen. Am fruehen Nachmittag erreichte ich dann das Crus del Ferro (das eiserne Kreuz). Hier ist es Sitte einen aus der Heimat mitgebrachten Stein abzulegen. Dadurch ist in den letzten Jahr(hundert)en ein beachtlicher Haufen entstanden. Leider wusste ich von diesem Brauch vorher nichts, und ich wollte auch nicht der Unsitte verfallen und einen kurz zuvor gefundenen Stein nehmen. Viele Pilger hinterlassen am Kreuz auch einen Ausruestungsgegenstand oder irgendetwas anderes, das sie von zu Hause mitgenommen haben. Daher wird dieser Ort auch nicht selten als "groesste Muellkippe" des Weges bezeichnet. Wenig spaeter kam ich dann endlich zum hoechsten Punkt des Caminos, auf 1532 m. Von da an war es auch nicht mehr weit bis zu meiner heutigen Herberge in El Acebo, die ich nach 31km um 15:40 Uhr erreichte. Die Herberge gehoert wieder zur einzigen Bar des Ortes. Daher konnte ich abends auch direkt dort ein Pilgermenue bestellen. Dabei sah ich nach langer Zeit auch Winfried und Mauric aus Belgien wieder, die ich schon vom zweiten Tag her kannte. Um kurz nach 22 Uhr fiel ich schliesslich tot muede in mein Bett.

26.09.2007 - Santa Catalina de Somoza oder "Ey ne oder?"

Als ich heute morgen um 8 Uhr losging war es noch ganz schoen kalt. Dies nehme ich aber gere in Kauf, denn von der Landschaft her war es heut endlich mal wieder eine geniale Etappe. Erinnerte mich stark an die ersten Tage. Man merkt, dass man sich einem Gebirge naehert, da es zunehmend huegeliger wird. Hinter einem dieser vielen Huegel bot sich mir ein besonderer Anblick - Astorga. Mitten in der Landschaft taucht ploetzlich diese Stadt auf, umringt von Feldern und Wiesen. Die Kathedrale sticht als hoechstes Gebaeude besonders heraus. Sie ueberragt alles in ihrem Umfeld, abgesehen von den Gipfeln des Kantabrischen-Gebirges. In Astorga machte ich eine laengere Pause um zu essen und mir zumindest von aussen die Kathedrale anzuschauen. Vom vielen Fotos schiessen war logischerweise auch bald meine Speicherkarte voll. Also nahm ich den Rucksack ab und wollte die Ersatzkarte aus dem roten Packbeutel nehmen, indem sich auch die Festplatte mit bereits 12 GB Bildern und Videos befindet. Also Rucksack auf und Wegproviant raus, Regenjacke raus, darunter muesste sie sein, da ich sie immer weit nach oben packe. Mmh, da ist sie nicht. Leichtes Kribbeln. Fleecejacke raus, shit kann mich grad nicht erinnern wie ich den Beutel heut morgen reingepackt habe. Schock. Hose raus. Blut gefriert. Koennte noch im Bett liegen geblieben sein. Hemd raus, Boxershort raus. Puh, ganz unten. Durchatmen. Karte wechseln, Sachen wieder rein, Fotos machen.
Nach diesem Muntermacher begab ich mich wieder auf den Weg. Nach insgesammt 27km erreichte ich um 14 Uhr Santa Catalina de Somoza. Ich landete in einer netten Herberge, die direkt an eine Bar angeschlossen war. Ich staerkte mich mit zwei kuehlen Getraenken und einem Bocadillo bevor ich mir kurz den Ort ansah. Am abend gabs dort auch ein Pilgermenue, dass ich zusammen mit zwei Schweizern, einem Franzosen und einer Niederlaenderin, zu mir nahm. Anschliessend ging ich frueh ins Bett, da ich sehr muede war.

25.09.2007 - Hospital de Orbigo oder "Links oder nicht links?"

Nach einer sehr ruhigen Nacht (seit dem Kauf der neuen Ohropax war glaube ich jede Nacht ruhig!) stand ich um 7 Uhr auf. Ich musste mich etwas sputen, da ich um halb 8 aus der Herberge sein musste. Daher ging ich erst mal ohne Fruehstueck los. Gleich zu Beginn musste ich mich zwischen 2 Wegvarianten entscheiden. Ich entschied mich fuer die zwar drei Kilometer laengere, aber durch eine schoenere Landschaft fuehrende Strecke. Die andere Variante haette an der Strasse entlang gefuehrt. Mit dem Fuss ging es etwas besser als gestern, obwohl jetzt der Spann auf jeder Seite etwas zieht. Jedenfalls kam ich wesentlcih besser vorran. Die Wege waren z.T. aber mal richtig fies. Damit will ich sagen, dass es Geroellwege waren, und jeder Stein unter den Fuessen ist im Moment einer zuviel. Um 14:30 Uhr kam ich im 29km entfernten Hospital de Orbigo an. Nach dem gestrigen Tag hatte ich nicht damit gerechnet heute so weit zu kommen. Nach der Ankunft habe ich mich est mal zwei Stunden aufs Ohr gehauen. Anschliessend machte ich dann noch ein paar Besorgungen im Ort. Am Abend goennte ich mir dann ein Pilgermenue und lernte dabei ein paar sehr nette Leute kennen, die allerdings alle doppelt bis dreifach so alt sind wie ich. Es war aber ein wirklich schoener abend und ich hoffe, dass der Tag morgen ebenso gut verlaeuft. ann beginnt naemlich der Aufstieg zum Dach des Caminos. Ich bin heute uebrigens zum wiederholten Male fuer einen Spanier bzw. einen Italiener gehalten worden ;) was so ein bisschen Sonne doch alles bewirken kann!

24.09.2007 - Virgen del Camino der "Autschi!"

Eine sehr ruhige und erholsame Nacht endete um 7 Uhr. Ich liess mir allerdings mit dem Aufstehen so viel Zeit, dass ich erst um 8:10 Uhr loskam. Die Strecke bis Leon war doch aeusserst unschoen, es ging lange an einer vielbefahrenden Strasse entlang. Leider ging es meinem linken Fuss auch nicht besonders heute. Der grosse Zeh schmerzte bei jedem Schritt. Das war vonden Fuessen her heute definitiv der bisher schlimmste Tag. Hoffe, dass das morgen wieder besser wird. In Leon wurde schlagartig die Wegbeschreibung schlechter. D.h., dass es nur sehr wenige Muscheln und gelbe Pfeile auf den Strassen gab. Hab mich dann auch gleich erst mal verrannt.
Natuerlich habe ich mir auch die beruehmte Kathedrale in Leon angeschaut. Das zog sich alles ganz schoen hin. Auch der Weg aus eon heraus war nicht so gut. Da es meinem Fuss noch kein Stueck besser ging, entschloss ich mich in der naechsten Herberge zu bleiben. Daher bin ich heute nur 15km bis nach Virgen del Camino gelaufen. De Herberge ist noch ziemlich neu und sehr gepflegt. Da es eine Kueche gab, kaufte ich mir im Ort ein paar Dinge fuer das Abendessen und verzichtete auf ein Pilgermenue. Eigentlich kann der Tag morgen nur besser werden.

Samstag, 6. Oktober 2007

23.09.2007 - Arcahueja oder "Wie, nur wir zwei?!?"

Das was ich fuer eine Fledermaus hielt, sollte sich dann doch als Vogel herausstellen. Dies kuemmerte aber niemanden. Auch am naechsten morgen war er noch da. Nach einem kleinen Fruehstueck verabschiedete ich mich von Adelinde und lief die ersten 3-4 Stunden mit Andreas. Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefuehl und spielte schon frueh mit dem Gedanken heute etwas weiter zu gehen. Nach 28km trennte ich mich von Andreas, der fuer heute Schluss machen wollte. Ich fuehlte mich aber noch fitt und ging weiter. Um 16 Uhr kam ich nach 8 Stunden und 37km in Arcahueja an. Es war eine neue Herberge, die nicht einmal in meinem Pilgerfuehrer aufgelistet war. Sie scheint noch so unbekannt zu sein, dass neben mir nur noch ein weiterer Pilger dort uebernachten sollte - David, einer der italienischen Koeche aus der ersten Woche. Seinem Fuss geht es gar nicht gut, er wird morgen wohl nur die 6 km bis Leon laufen und einen Arzt aufsuchen. Die Herberge ist super. Der Hospitalero ist gleichzeitig Wirt in der ansaessigen Bar. Er laesst uns die freie Wahl, wann wir morgen aufstehen sollen. Auch die Nachtruhe hat er bei nur 2 Pilgern nach hinten verschoben. Es gab ein gutes Essen, bei dem ich mich lange mit David unterhalten habe. Eigentlich wollten wir drei ncoh ein Spiel von Real Madrid anschauen, aber das wurde dann leider doch nicht uebertragen. Mal sehen, ob ich es morgen ausnutze, ausschlafen zu koennen - ich wollte doch eigentlich weit kommen und mir auch noch etwas von Leon anschauen. Ich werde da jetzt erst mal drueber schlafen.

22.09.2007 - Bercianos del Real Camino oder "Jeder weint einmal auf dem Camino"

Erstaunlich spaet standen heute die anderen Pilger in dem 12-Bettenraum auf, indem ich geschlafen hatte. Als ich aufwachte und auf die Uhr sah war es breits 7:30 Uhr. Da ich mir noch in der Herberge das Fruehstueck goennte, kam ich erst um 8:30 Uhr los. In Sahagun (nach 13 km) war fuer Christina die Reise zu Ende. Sie brach heute wieder Richtung Heimat auf. Echt schade, dass schon wieder eine komplette Gruppe zerbrochen ist. Alleine begab ich mich wieder auf den Weg...
Die Extreme liegen hier echt nah beieinander - ich habe Andreas wieder getroffen, den ich bereits aus dem Zug von der Hinfahrt her kannte. Er ist auch in der selben Herberge heute untergebracht wie ich. Er hatte am Donnerstag einen Hitzekollaps und wohl gleichzeitig auch einen Virus durch das Wasser erlitten - boese Mischung! Dadurch musste er einen Tag pausieren und so habe ich ihn wieder eingeholt. Unter den beiden Hospitaleros ist Adelinde aus Tirol. Sie hat mich sehr nett empfangen und gefragt, wie es mir geht. Abends hat sie dann mit einigen Mitpilgern (ich war auch dabei) das Abendessen vorbereitet, wie es in dieser Herberge so ueblich ist. Und als ich da so mithielf flossen auch bei mir die ersten Traenen auf meinem Camino - denn ich musste die Zwiebeln schneiden! Es hat echt Spass gemacht und ganz nebenbei war es wohl mit das beste Essen, dass ich bisher auf dem Weg hatte.
Wow, das ist jetzt grad mal live... Waehrend ich gerade diese Zeilen zu Papier bringe, fliegt ploetzlich eine Fledermaus ins Zimmer und dreht ein paar Runden. Na mal sehen, was das noch gibt?
So, jetzt noch mal kurz zum Essen: Vorher sollte sich jeder Pilger kurz mit Namen und Herkunftsland vorstellen. Wir sind hier knapp ueber 30 Pilger aus 11 Nationen - Camino international! Nach dem Essen stimmte ein Neuseelaender ein heimisches Lied an und hielt so eine Runde aus schon etwas aelteren Franzosen und Hollaendern bei Laune, die schon voher kraeftig am singen waren.
So. glaube die Fledermaus ist wieder draussen. Ich leg mich dann jetzt mal schlafen.

Montag, 1. Oktober 2007

21.09.2007 - Terradillos de los Templarios oder "Noch ein Stueck geradeaus!"

Schon um halb 8 musste man heute die Herberge verlassen haben. Keine Minute frueher machte ich mich also auf den Weg. Die heutige Etappe begann gleich (un)spektakulaer. 18 Kilometer durch Getreidefelder ohne einen Hauch von Zivilisation dazwischen, ausser einen Teil der Autobahn, die man sehen konnte. Darunter liefen 12km auf der Via Aquitana, einer noch immer existierenden alten Roemerstrasse. Da es fast nur geradeaus ging, konnte man quasi sehen, was einen die naechsten 3 Stunden erwartet. Es galt also genug Essen und Getraenke mitzunehmen, und auch den Besuch der Toilette sollte man vorher nicht vergessen haben, denn einen Baum oder Busch, hinter den man sich verstecken koennte, gab es einfach nicht. Das Wasser fuer unterwegs kaufte ich seit ca. 2 Tagen zu meinem Glueck im Geschaeft ein und nutzte nicht das aus den Brunnen. Denn wie ich bereits gestern erfuhr, muss damit irgendetwas nicht stimmen. Ein paar Leute die ich kenne, hatte es bereits erwischt und sie quaelten sich nun mit Uebelkeit herum. Schon um 13:30 Uhr kam ich mit Christina im 28km entfernten Terradillos de los Templarios an. Es war eine relativ neue Herberge mit einer wirklich ueberdurchscnittlich guten sanitaeren Einrichtung. Gegen abend war ich in de kleinen Ort auf der Suche nach einem Laden. Ich kam an einer anderen Herberge vorbei und traf dort David, einen der italienischen Koeche aus Puente la Reina. Seit langer Zeit mal wieder ein bekanntes Gesicht aus den ersten Tagen. Sonst passierte heute nicht mehr viel. In der Herberge gab es ein gutes Pilgermenue, danach ging ich frueh schlafen.

20.09.2007 - Carrion de los Condes oder "Die nerven die Fiecher"

Noch muede und mit maessiger Stimmung machte ich mich mit Christina auf die heutige nur 17km lange Etappe nach Carrion de los Condes - es sollte einer der bisher nervigsten werden. Andauernd einen Stein im Schuh, Muedigkeit, und unzaehlige kleine Fliegen, die das Laufen zur Qual machten. Am Ende war erledigter als nach einer 30km Etappe. Von Joachim habe ich heute nichts mehr gehoert, geschweige ihn gesehen. Ich denke mal, dass er echt schon abreisen musste. Ich kaufte mit heute neue Ohropax (Anmerkung der Redaktion: Ohoh, wenn das mal nicht wieder fuer Diskussionsstoff sorgt) und jede Menge Essen fuer den abend und fuer morgen frueh mit ein. Der grosse Hunger liess mir die in der Microwelle erwaermten Hackfleischbaellchen mit Erbsen und Moehren wie ein Festmahl vorkommen - obwohl es zugegebenermassen wie Hundefutter aussah.