Samstag, 6. Oktober 2007

23.09.2007 - Arcahueja oder "Wie, nur wir zwei?!?"

Das was ich fuer eine Fledermaus hielt, sollte sich dann doch als Vogel herausstellen. Dies kuemmerte aber niemanden. Auch am naechsten morgen war er noch da. Nach einem kleinen Fruehstueck verabschiedete ich mich von Adelinde und lief die ersten 3-4 Stunden mit Andreas. Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefuehl und spielte schon frueh mit dem Gedanken heute etwas weiter zu gehen. Nach 28km trennte ich mich von Andreas, der fuer heute Schluss machen wollte. Ich fuehlte mich aber noch fitt und ging weiter. Um 16 Uhr kam ich nach 8 Stunden und 37km in Arcahueja an. Es war eine neue Herberge, die nicht einmal in meinem Pilgerfuehrer aufgelistet war. Sie scheint noch so unbekannt zu sein, dass neben mir nur noch ein weiterer Pilger dort uebernachten sollte - David, einer der italienischen Koeche aus der ersten Woche. Seinem Fuss geht es gar nicht gut, er wird morgen wohl nur die 6 km bis Leon laufen und einen Arzt aufsuchen. Die Herberge ist super. Der Hospitalero ist gleichzeitig Wirt in der ansaessigen Bar. Er laesst uns die freie Wahl, wann wir morgen aufstehen sollen. Auch die Nachtruhe hat er bei nur 2 Pilgern nach hinten verschoben. Es gab ein gutes Essen, bei dem ich mich lange mit David unterhalten habe. Eigentlich wollten wir drei ncoh ein Spiel von Real Madrid anschauen, aber das wurde dann leider doch nicht uebertragen. Mal sehen, ob ich es morgen ausnutze, ausschlafen zu koennen - ich wollte doch eigentlich weit kommen und mir auch noch etwas von Leon anschauen. Ich werde da jetzt erst mal drueber schlafen.

22.09.2007 - Bercianos del Real Camino oder "Jeder weint einmal auf dem Camino"

Erstaunlich spaet standen heute die anderen Pilger in dem 12-Bettenraum auf, indem ich geschlafen hatte. Als ich aufwachte und auf die Uhr sah war es breits 7:30 Uhr. Da ich mir noch in der Herberge das Fruehstueck goennte, kam ich erst um 8:30 Uhr los. In Sahagun (nach 13 km) war fuer Christina die Reise zu Ende. Sie brach heute wieder Richtung Heimat auf. Echt schade, dass schon wieder eine komplette Gruppe zerbrochen ist. Alleine begab ich mich wieder auf den Weg...
Die Extreme liegen hier echt nah beieinander - ich habe Andreas wieder getroffen, den ich bereits aus dem Zug von der Hinfahrt her kannte. Er ist auch in der selben Herberge heute untergebracht wie ich. Er hatte am Donnerstag einen Hitzekollaps und wohl gleichzeitig auch einen Virus durch das Wasser erlitten - boese Mischung! Dadurch musste er einen Tag pausieren und so habe ich ihn wieder eingeholt. Unter den beiden Hospitaleros ist Adelinde aus Tirol. Sie hat mich sehr nett empfangen und gefragt, wie es mir geht. Abends hat sie dann mit einigen Mitpilgern (ich war auch dabei) das Abendessen vorbereitet, wie es in dieser Herberge so ueblich ist. Und als ich da so mithielf flossen auch bei mir die ersten Traenen auf meinem Camino - denn ich musste die Zwiebeln schneiden! Es hat echt Spass gemacht und ganz nebenbei war es wohl mit das beste Essen, dass ich bisher auf dem Weg hatte.
Wow, das ist jetzt grad mal live... Waehrend ich gerade diese Zeilen zu Papier bringe, fliegt ploetzlich eine Fledermaus ins Zimmer und dreht ein paar Runden. Na mal sehen, was das noch gibt?
So, jetzt noch mal kurz zum Essen: Vorher sollte sich jeder Pilger kurz mit Namen und Herkunftsland vorstellen. Wir sind hier knapp ueber 30 Pilger aus 11 Nationen - Camino international! Nach dem Essen stimmte ein Neuseelaender ein heimisches Lied an und hielt so eine Runde aus schon etwas aelteren Franzosen und Hollaendern bei Laune, die schon voher kraeftig am singen waren.
So. glaube die Fledermaus ist wieder draussen. Ich leg mich dann jetzt mal schlafen.