Donnerstag, 18. Oktober 2007

09.10.2007 - Finisterra oder "Schuhe aus, fertig!!!"

Da ich heute möglichst früh ankommen wollte, um den einen Tag in Finisterra besser ausnutzen zu können, begab ich mich bereits um 7:10 Uhr auf den Weg. Es war noch stockdunkel und ich konnte nur mit Hilfe meiner Taschenlampe so gerade die Wegmarkierungen erkennen. Nach einigen Kilometern kam ich an die Weggabelung an der ich mich entscheiden muss, ob ich nach Finisterra (im Mittelalter hielt man diesen Ort für das Ende der Welt. Viele Pilger sehen eigentlich hier das Ende des Caminos und nicht in Santiago.) oder nach Muxia möchte. Ich entschloss mich für Finisterra, und morgen wollte ich ja dann von dort aus weiter nach Muxia laufen. Es wurde jetzt etwas hügeliger und das Wetter schien gut zu werden. Die Blase, die ich mir gestern eingefangen hatte, merkte ich immer besonders dann, wenn es bergauf ging und ich mit dem Fuß hinten in den Schuh gerutscht bin.
Um 12 Uhr war es dann soweit - vor mir lag ein Hügel. Ich kam auf dem steinigen Weg langsam nach oben, und als ich über die Kuppe gucken konnte, sah ich das Meer! Nachdem ich durch das Gebirge der Pyrenäen, die Getreidewüste der Meseta und das grasgrüne Hügelland Galiziens gewandert bin, war meine Reise jetzt noch um eine Facette reicher. In Cee traf ich Ralph und Kurt wieder. Während Kurt bis Finisterra durchlaufen wollte, entschlossen Ralph und ich vorher noch eine Runde im Atlantik zu drehen. Wir hielten also Ausschau nach einer passenden Stelle und wurden auch schnell fündig. Das Wasser war saukalt, aber die Abkühlung tat sehr gut zwischendurch. Als ich so am Wasser saß und aufs offene Meer heraus blickte, wurde mir klar, dass ich morgen nicht mehr nach Muxia weiterlaufen sollte. Für mich war vom Gefühl her hier die Reise vorbei und ich fand, dass dieser Ort ein schöner Abschluss war. Ich hatte somit dann auch genug Zeit um etwas zu entspannen und die Gegend zu genießen. Um kurz vor 17 Uhr traf ich dann in der Herberge ein.
Hier zog ich dann für erst einmal unbestimmte Zeit meine Wanderschuhe aus. Mit meinem Entschluss morgen nicht mehr weiter zu laufen, würde ich die restlichen Tage in meinen Flip-Flops auskommen. So ganz war ich aber dennoch nicht am Ziel... Die letzten etwa 3 km galt es am Abend zurückzulegen. Denn da ging es hinauf auf das Cap, eine ins Meer ragende Klippe, anwelcher der 0,0km-Wegstein zu sehen ist. Von hier aus schaute ich mir einen herlichen Sonnenuntergang an, den ich so schnell nicht vergessen werde. Neben Ralph saßen auch noch vier weitere Pilger mit mir zusammen und blickten ins Weite. Frank (USA) scheiterte bei dem Versuch seine Jakobsmuschel ins Meer zu schmeißen. Sie landete etwa 20m unter uns an einem Felsvorsprung im Gras. Als es dunkel war kam dann schließlich noch mein Esbit zum Einsatz. In dem Feuerchen verabschiedete ich mich von einer meiner beiden Hosen, die deutlich von den letzten 890 Kilometern gezeichnet war. Auch die anderen legten einen Teil ihrer Kleidung dabei um so symbolisch die Reise zu beenden. Nun war es also vorbei!
Den kulinarischen Abschluss gab es dann im Ort, als wir uns an einer nicht gerade billigen, aber für den Preis auch erwartet gutschmeckenden Paella satt aßen.

08.10.2007 - Olveiroa oder "Das ist jetzt nicht wahr...!"

Um 8:10 Uhr startete ich die heutige Etappe zusammen mit Ralph. Nach zwei Stunden machten wir eine Pause für ein kleines Frühstück und trafen dabei Winfried. Wir gingen dann bis zum heutigen Zielort zusammen. Unterwegs hatten wir interessante Gespräche. Vor allemWinfried(62) hatte eine Menge Storys auf Lager. Für diese Jahreszeit war es hier immer noch unglaublich heiß. Dadurch war die 32km lange Strecke bis Olveiroa gegen Ende noch einmal so richtig zäh. Hinzu kam noch, dass ich heute doch tatsächlich nach 850km und nur einem Katzensprung vorm Ziel, meine erste schmerzhafte Blase bekommen habe! Was soll das denn??? Ich hatte das Komped etwas zu weiter oben an der Hacke aufgeklebt und prompt die Rechnung dafür bekommen.
Die Herberge bestand aus 3 kleinen einzelnen Gebäuden. Einziges Manko: Es wimmelte hier von Fliegen, und durch wohl zuvor verteiltes Gift, lagen unzählige von ihnen tot am Boden und auch in den Betten. Abends war ich dann zusammen mit Ralph und Kurt (aus Holland), den ich hier kennen lernte, in einer Bar. Und diese Bar kann ich jetzt echt mal empfehlen. Hier gibt es für fast schon zu niedrige Preise super Essen und natürlich auch Getränke. Ich bestellte mir einen kleinen Salat und eine kleine Tortillia de Patata und bekam so große Portionen, dass ich zunächst dachte, die hätten sich vertan. Als wir dann mit volem Bauch durch Speis UND Trank am Ende bezahlen wollten, staunten wir nicht schlecht über die Rechnung von gerade mal 19 Euro!
Morgen werde ich den Atlantik erreichen und freue mich schon wahnsinnig darauf.