Mittwoch, 10. Oktober 2007

01.10.2007 - Sarria oder "Den kenn ich doch!"

In dem 4er-Zimmer indem ich heute schlief, war ich 7:20 Uhr sogar der erste, der es schaffte aus dem Bett zu kommen. Es regnete zwar noch nicht, aber der Himmel sah auch nicht gerade einladend aus. Nach etwa 15 Minuten Gehzeit hielt einige Meter vor mir ein Pilger um seine Jacke auszuziehen. Als ich auf gleicher Hoehe und im Begriff war ihn zu ueberholen, guckten wir uns an. Es war Sebastian aus Quebbec! Ich hatte ihn zuletzt in Logrono, also vor etwa 3 Wochen gesehen. Es war so toll jemanden nach so langer Zeit wieder zu treffen (und 3 Wochen auf dem Camino sind eine lange Zeit). Er erzaehlte mir, dass er die ganze Zeit ueber mit Anja1 zusammen gelaufen ist. Und es dauerte nicht lange, wir machten gerade Pause um einen Caffe con Leche zu trinken, da sah ich auch sie wieder. Ich glaube keiner von uns hat noch einmal damit gerechnet. Es ist das schoene am Camino. Man lernt viele Leute kennen, verliert sich wieder, und je nach dem, wie der Weg gelaunt ist, trifft man sich eventuel spaeter noch einmal wieder. In diedem Moment kam ich zu der Einsicht, dass der Jakobsweg zwar doch recht lang, aber dafuer verdammt schmal ist! Man laeuft wochenlang, nur ein paar Kilometer entfernt hintereinander her und schlaeft von Tag zu Tag vielleicht sogar im selben Ort ohne sich zu sehen, und dann steht man sich ploetzlich voellig unerwartet wieder gegenueber.
Zu dritt liefen wir weiter und beendeten heute schon nach 19km unsere Etappe in Sarria. Hier bereitete uns Sebastian eine typisch kanadische Kalorienbombe namens "Pouthine", bestehend aus Pommes, Kaese, Barbecuesousse und eben jeder Menge Kalorien - lecker, und hat obendrein nach Aussage des Kochs noch die Naehrstoffe von einem Pfund Butter! Auch Ralph war mal wieder in der gleichen Herberge wie ich, und so beginnen sich so langsam die Bekanntschaftskreise zu schliessen, und man merkt immer mehr, wie es dem Ende zugeht. Habe mir heute das erste Mal so richtig Gedanken darueber gemacht, wann ich in Santiago ankommen moechte und wie ich dann die restlichen Tage verbringe.

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